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Nr. 41/2002 - 02. Oktober 2002
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in die presse

Die Abkanzlermacher

Mit der Presse verhält es sich ja so, dass Papier durch sie gejagt wird, das bedruckt wird, das verkauft wird, das gelesen wird.

Daher nennt man alles zusammen Presse, wenn nicht gleich von der vierten Gewalt die Rede ist, also der Andeutung, die Presse habe beinahe staatliche Macht, die sich beispielsweise darin zeige, dass sie Wahlen entscheiden könne.

Der international tätige und auch beispielsweise in Bonn ansässige Forschungsdienst »Medien-Tenor«, der die Presse beobachtet, hat zwei Tage vor (!) der Bundestagswahl herausgefunden, wer die Wahl gewinnen wird, und dabei ziemlich recht behalten: Grüne und CDU legten zu, die SPD baute ab, und die FDP hatte, zumindest was ihre eigenen Projekte angeht, etwas Pech. Das liege an je mächtigen oder nicht so mächtigen Freunden.

Die Freunde der Grünen seien diese: Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau, stern, Spiegel, Zeit und »Tagesthemen«. Dauernd hätten die gut über die Grünen, den Joschka, die Renate und die Claudia berichtet, und so sei das gute Abschneiden zu erklären.

Recht unkurz ist auch die Liste der Freunde der Christdemokraten: Bild, Welt, Focus und »Sat.1-Nachrichten« hätten mehr für als über Stoiber berichtet und somit »implizit eine Wahlempfehlung« ausgesprochen.

So etwas hätten andere auch getan, nämlich für die FDP, aber das seien, man kennt ja das Ergebnis, nicht ganz so wirkungsmächtige Organe gewesen: etwa der Rheinische Merkur, die »Tagesschau« und das »heute-Journal«. Die hätten alle den Spaßkanzler sehen wollen, hätten ihn und seine lustige Partei ständig gezeigt und zitiert, und gegen Möllemann hätten sie auch nicht viel einzuwenden gehabt.

Bloß die Sozialdemokraten, gerade mal stärkste Partei und mit Müh und Not erste Regierungspartei geworden, hätten in der ganzen Presse keinen nennenswerten Fürsprecher gehabt, bloß dies: Am »deutlichsten Pro-SPD« habe die taz berichtet.

Wenn diese Wahlwerbung letztlich geklappt hat, fragt man sich bloß noch, warum der PDS mit ihrem Neuen Deutschland so etwas Schlimmes passieren konnte.

martin krauss



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