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Nr. 40/2002 - 25. September 2002
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Über den Anfang und Ursprung der Jungle World kursieren verschiedene Mythen. In einer Version wird behauptet, dass zunächst ein paar wirklich begnadete Autoren auf der Straße herumstehen und unbedingt eine Zeitung machen wollen. Denn alle können ungemein systemkritische und völlig verbohrte Texte schreiben und verfügen über jene seltene Begabung, nach der der Weltmarkt in diesen Tagen Mitte der neunziger Jahre geradezu verzweifelt ruft. Denn es ist Gründerzeit, und die Geschäftsidee ist einfach großartig.

Damit ist das Medienimperium auch schon so gut wie geschaffen. Nach und nach jedoch stellt es sich als ein großes Glück heraus, dass einer der begnadeten Autoren nicht nur schreiben, sondern auch noch rechnen kann und sogar die Quantentheorie beherrscht.

Das ist praktisch, denn die Firmengründer wollen ein Unternehmen im großen Stil hochziehen. Sie planen den einen oder anderen Quantensprung und wissen, dass am Ende des Tages jemand das ganze Geld auch ausgeben, den Überblick über die Schwindel erregend hohen Gewinne behalten und die Löhne in die Höhe treiben muss. Deshalb wird der diplomierte Journalist mit dem abgeschlossenen Physikstudium, der schon im Kinderwagen zum radikalen Flügel der Grünen gehörte, zum Geschäftsführer bestimmt. Er weiß ungefähr, wie man eine Atombombe baut, ist aber nicht gut auf Kernwaffen und Kernenergie zu sprechen. Die Grünen hat er sofort nach der Grundschule wieder verlassen, und einer Karriere als antikapitalistischem Tycoon steht nichts mehr im Wege.

Seine Aufgaben sind äußerst vielfältig. Starkstromleitungen müssen verlegt, spanische Partybuffets zusammengekarrt werden. Deprimierte Redakteure wollen in den Arm genommen, scharfe Inlandskommentare geschrieben werden. Überraschenderweise gehört es nicht zu den Aufgaben eines Geschäftsführers, das Geld mit vollen Händen auszugeben. Dafür muss Altglas gesammelt werden, das praktischerweise massenweise in der Redaktion herumsteht. Vom Pfand wird der neue Computer bezahlt, denn die Zeiten sind Ende der neunziger Jahre hart.

Heute ist das alles längst vergessen. Der Geschäftsführer kann sich erstmal in sein kanadisches Landhaus zurückziehen. Grizzlys jagen. Bücher schreiben. An der Relativitätstheorie feilen. Oder auch einfach mal nur die Quanten hochlegen.



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