Gefecht statt Salut
Indien. Die bei Staatsbegräbnissen üblichen 21 Salutschüsse wurden kurzfristig abgesagt. Denn als am Donnerstag vergangener Woche die Trauerfeier für Mushtaq Ahmad Lone, den Justizminister des Bundesstaats Kaschmir, begonnen hatte, beschossen separatistische Guerillakämpfer weniger als einen Kilometer entfernt einen Militärkonvoi. Lone war zwei Tage zuvor auf einer Wahlkundgebung erschossen worden. Die beiden spektakulären Anschläge zeigen , dass die überwiegend islamistischen Guerillas in Kaschmir fast unbehindert agieren können, obwohl die indische Regierung die Zahl der dort stationierten Polizisten und Soldaten auf fast 500 000 erhöht hat.
Die Regionalwahlen, die am Montag begannen und am 8. Oktober beendet sein sollen, werden nicht nur von den Islamisten, sondern auch von der All Parties Hurriyat Conference, der die gemäßigten separatistischen Parteien angehören, boykottiert. Die Manipulation der Wahlen von 1989 war der Auslöser des bewaffneten Aufstands, und es wird erwartet, das die indische Regierung auch diesmal für ein Votum sorgen wird, das ihren Anspruch auf Kaschmir bestätigt.
Gewöhnliche Verbrecher
Chile. Der Polizeigeneral Rene Moya war sich sicher. »Die meisten der 445 Festgenommenen waren gewöhnliche Kriminelle, die die Proteste zu ihrem Vorteil benutzten.« Am Mittwochabend vergangener Woche war es am 29. Jahrestag des Putsches von Augusto Pinochet gegen die Unidad Popular des sozialistischen Präsidenten Salvador Allende in der chilenischen Hauptadt zu schweren Ausschreitungen gekommen. Zum ersten Mal war der 11. September kein offizieller staatlicher Feiertag. Linke Demonstranten errichteten in den Arbeitervierteln der Haupstadt Barrikaden, plünderten Geschäfte und bewarfen die anrückenden Polizisten mit Molotowcocktails. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Währenddessen hielten die Freunde Pinochets ihre alljährlichen Gedenkzeremonien zu Ehren des greisen ehemaligen Diktators ab. Auf die Anwesenheit ihres Idols mussten sie in diesem Jahr allerdings verzichten. Der 86jährige blieb auf seinem Landsitz nahe der Haupstadt.
Protection Racket
Indonesien. Haben indonesische Soldaten den Überfall auf Beschäftigte der Freeport-McMoran-Mine in der Provinz Papua organisiert? Am 31. August töteten etwa 15 mit Sturmgewehren Bewaffnete zwei US-Amerikaner und einen Indonesier, zehn Menschen wurden verletzt. Nachdem zunächst Mitglieder des separatistischen Free Papua Movement für den Überfall verantwortlich gemacht wurden, ermittelt die Polizei nun auch gegen das indonesische Militär. In einem Interview erklärte der lokale Polizeichef, Made Pastika, Soldaten könnten den Überfall begangen haben, um Geld oder andere Konzessionen von Freeport-McMoran, dem Betreiber der größten Gold- und Kupfermine der Welt, zu erpressen. Das indonesische Militär ließ sich nach größeren Aufständen im Jahr 1996 bereits eine Basis in der Nähe und auf Kosten des Unternehmens finanzieren. Sollten indonesische Soldaten tatsächlich in den Überfall verwickelt sein, dürfte dies auch hinderlich für Pläne der USA sein, die 1999 unterbrochenen militärischen Verbindungen zu Indonesien wieder herzustellen.
Gestörte Beziehungen
Libanon. »Dies ist der erste Schritt zur Befreiung unseres Wassers«, erklärte Qablan Qablan im Namen der libanesischen Regierung im März dieses Jahres bei der Einweihung der ersten Pumpstation am Fluss Hasbani, der durch den Nordosten Israels fließt und in den Jordan mündet. Das Bauprojekt hat nun zu Protesten und Drohungen der israelischen Regierung geführt. Wenn der Libanon Wasser aus dem Fluss ableitet, so Transportminister Ephraim Sneh am Dienstag vergangener Woche, »wäre das für Israel Grund genug zu handeln«.
Der Konflikt um die nach internationalem Recht umstrittene Aufteilung des Wassers wird nun zur propagandistischen Waffe der prosyrischen Kräfte im Libanon. In den vergangenen Wochen wurde die Kritik an der syrischen Dominanz lauter, so führte die Schließung des Fernsehsenders MTV wegen »Störung der Beziehungen des Libanon mit einem Bruderstaat« Anfang September zu heftigen Protesten. »Wo sind jene, die die Souveränität des Landes fordern?«, fragte Hassan Nasrallah, der Generalsekretär der Hizbollah, im Hinblick auf den Wasserkonflikt. Die Islamisten wollen das Hasbani-Projekt auf jeden Fall gegen mögliche israelische Angriffe verteidigen.
No Money, No Vote
Kenia. Mwangi Kariuki, der Vorsitzende der Kayole Welfare Association, erklärte in unmissverständlichen Worten, was er vor den Wahlen von der Regierungspartei erwartet: »Euer Gnaden, ich muss Ihnen sagen, dass Sie keine Stimmen bekommen werden wenn Sie uns betrügen. Sie geben uns Geld, und wir geben Ihnen Stimmen.« Dick Waweru, der Bürgermeister des Distrikts der Hauptstadt Nairobi, wies das Angebot zurück, was allerdings auch mit der Anwesenheit eines Journalisten des East African Standard zu tun haben könnte.
Obwohl erst im Dezember abgestimmt wird, ist der Wahlkampf bereits in vollem Gange. Präsident Daniel Arap Moi muss sich nicht nur mit Wählern herumschlagen, die wenigstens bei dieser Gelegenheit ein Stück vom Kuchen abbekommen wollen. Die Nominierung Uhuru Kenyattas als Präsidentschaftskandidat stößt in der Regierungspartei Kanu auf heftigen Widerstand. Am Freitag vergangener Woche verfügte Moi deshalb kurzerhand die Absage aller Nominierungskongresse, doch seine innerparteilichen Gegner von der Rainbow Alliance ignorierten das Dekret. Sollte der Streit zu einer Spaltung der Kanu führen, würde sie der oppositionellen National Alliance for Change zugute kommen.