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Nr. 39/2002 - 18. September 2002
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Die Badewanne der Einheit

Die PDS, schreibt Gabi Zimmer, sei »eine Volkspartei. Zumindest im Osten.« Deshalb wird in Extra, der Parteizeitung zur Bundestagswahl, die Politik der PDS in der Sprache des Volkes erklärt. Damit die Menschen sich »sicher fühlen vor Kriminellen, vor Terroristen, vor Betrügern, vor Dieben« und sonstigem Geschmeiß, sollen sie die Partei der Staatssicherheit wählen: »Die beste Staatssicherheit ist noch immer der selbstbewusste, mündige Bürger, der sich auf seine Polizei verlassen kann.«

Zwei Dinge aber braucht's in der Politik, Polizei und Populismus: »Politik muss die Stimmungen spüren und aufgreifen, ansonsten verliert sie die Verbindung zum Volk.« Das meint die ehemalige ARD-Journalistin und jetzige PDS-Bundestagskandidatin Luc Jochimsen. Extra stellt uns auch andere PDS-Kandidaten vor, beispielsweise den Künstler Florian Havemann: »Er schreibt Stücke, die kein Theater spielt. Und malt Bilder, die keiner braucht.« So einen nimmt die Partei gerne. Man erinnere sich an den Dichter Gerhard Zwerenz, der mit ähnlichen Qualitäten ausgestattet war und 1994 für die PDS in den Bundestag einzog.

Ein weiterer Spitzenkandidat, der Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch, zeichnet sich dadurch aus, dass er wie einst Rudolf Scharping einen Fahrradunfall hatte. Doch Bartsch beharrt auf einem entscheidenden Unterschied: »Einen Vergleich mit Rudolf Scharping lehnt er ab. Der fiel auf den Kopf.« Möglicherweise nicht auf den Kopf gefallen hingegen ist Angelika Gramkow, die PDS-Fraktionsvorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern. Oder doch? »Wenn Berlin die Werkstatt der Einheit ist, dann sind wir vielleicht deren Badewanne.«

Warum wählt gerade der Ostler diese Leute? Stefan Kretzschmar, Handballnationalspieler, erklärt es uns: »Ich denke, Ossis sind kameradschaftlicher, gruppenbedürftiger, dementsprechend teamfähiger und anspruchsloser - aber auch (...) sexuell bewusster.« Der Ostler hat einen Hang zum Herdentrieb, ist obenrum ein wenig unter- und untenrum ein wenig überbelichtet. Damit unterscheidet er sich kaum vom Westdeutschen. Wenn es die PDS noch schaffen sollte, auch das Volk im Westen zu überzeugen, wird sie eine gesamtdeutsche Volkspartei bzw. die Kloschüssel der Einheit.

thomas blum



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