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Nr. 38/2002 - 11. September 2002
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Deutsche Fußballfans

Jammern verboten

Sie haben es schon wieder getan. Ihre blöden Deutschlandfähnchen aus dem Fenster gehängt (der Nachbar von gegenüber), bei jedem Tor der voll verblödeten Völlers laut gejubelt oder die im letzten Jahr zu Silvester gekauften und extra aufgesparten Kracher gezündet (die minderjährigen Kinder des Nachbarn von gegenüber).

Selbst der Depp von der anderen Straßenseite, der an jedem zweiten Wochenende seine überdimensionierte Ferrari-Flagge vom Balkon im zweiten Stock wehen lässt und sie, vorausgesetzt das Kinn hat gewonnen, nicht vor dem folgenden Mittwoch wieder einrollt, packte zum EM-Qualifikationsspiel gegen Litauen die kleine Schwarzrotgoldene aus.

Darüber könnte man vielleicht noch hinwegsehen, käme nicht noch etwas besonders Ekliges hinzu: die überhebliche Hasenherzigkeit. Diese extrem widerliche Charaktereigenschaft scheint eine ausschließliche Spezialität deutscher Fußballfans zu sein. Die Bild-Zeitung forderte im Stil von »Rudi haudi Saudi« vor dem Spiel, nun sei Litauen zu verhauen. Die ARD übertrug zur Volksbelustigung das 2:2 der Färöer Inseln, einer Mannschaft, die ausschließlich aus Freizeitkickern besteht, gegen Hans Hubert Vogts' Schotten. War das lustig.

Aber dann, in der kurzen Zeit zwischen dem Abpfiff im hohen Norden und dem Anpfiff im litauischen Kaunas, bekamen all die depperten Deutschlandfans wieder Angst. Es gebe heutzutage keine leichten Gegner mehr, wurde die Nation unablässig auf das schlimmste aller vorstellbaren Fußballergebnisse, die Niederlage, vorbereitet, und man müsse jetzt sehr aufpassen und andere Länder könnten auch kicken und man dürfe auf keinen Fall überheblich werden, das räche sich sonst, das habe man ja gerade gesehen undundund.

Das ist ein derartiges Scheißverhalten, dass es »mit Worten kaum noch zu beschreiben ist« (Günther Netzer). Nicht mal mit Stil arrogant sein kann diese Blase, immer muss sie gleichzeitig überheblich und ängstlich sein, jubeln und jammern.

Wenn sein geliebtes Team die Qualifikation ohne große Probleme schafft, macht sich der deutsche Fan gleich Sorgen, dass die Mannschaft trotzdem am Ende nicht automatisch Europameister werden könnte. Winken die Völlers dann aber tatsächlich mit der Schale, mischen sich in den Jubel gleich wieder Bedenken, ob 2006 »im eigenen Land« auch wirklich der WM-Titel geholt werden kann. Und mit solchem Verhalten machen diese Deutschländer einem das Leben verdammt schwer. Wie soll man solche würdelosen Jammerlappen noch aufrichtig hassen?

Sie sollen verdammtnochmal weiter das tun, was ihr Job ist. Aufrichtig arrogant haben sie zu sein und unerträglich überheblich und souverän selbstsicher. Sie sollen an alle möglichen Titel glauben und an Carsten Jancker und Michael Ballack. Erst wenn das deutsche Team dann bei der EM in der Vorrunde rausfliegt, und nur dann, ist es den Fans vielleicht erlaubt, ein ganz klein wenig zu jammern. Reißt euch endlich zusammen, ihr Memmen!

kim bönte



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