Was geht vor? Spaß gehabt?
Bruce Wayne und Dick Greyson verpassen etwas. Batman und Robin kehren zurück. | Raymond Pettibon
DICK: (Erscheint mit dem arg zerzausten Mädchen.) Hab ich was verpasst?
WAYNE: (Zu Dicks Mädchen.) Sie! Los, verschwinden Sie!
SICHERHEITSMANN: Ich helf ihnen raus. (Wirft sie hinaus.)
KUNSTHÄNDLER: Bitte ... Kann ich? ... Kann ... meine Damen?
WAYNE: (Finger an den Lippen.) Schscht. (Sie beruhigen sich.) Ich danke Ihnen.
KUNSTHÄNDLER: Dank Ihnen, Mr. Wayne. Vielen Dank. Wir alle schulden ihm Dank, nicht wahr, liebe Freunde.
ALLE: Vielen Dank. Du hast es ihr gezeigt, Bruce. Die Schlampe hat's verdient, jede Minute davon.
KUNSTHÄNDLER: Also, dann. Wie machen wir weiter. (Räuspert sich.) Ähem. Wir haben hier mit einer öffentlichen Präsentation begonnen und einem Vortrag über Kunst und, ja, daraus wurde dann ... wurde dann eine öffentliche ... Präsentation... eine Art ... eine eher vulgäre, unglückliche, und, ähm, man höre und staune, lassen Sie uns diesen heilsamen, oder besser ... erbaulichen, sollte ich sagen, Vortrag nicht vergessen ... eine wirklich öffentliche Lektion, nicht über Kunst, nein, aber über ... das Leben.
ALLE: (Applaus.) Es ist uns ein Vergnügen. Jederzeit, Mr. Wayne. Ihr Vortrag, Mr. Wayne. Bravo! Bravo!
KUNSTHÄNDLER: Und was ist schließlich das eine ohne das andere? Kunst, Leben ... Ich beispielsweise fühle mich heute Abend doppelt geehrt ... Mr. Wayne ... einige Worte?
WAYNE: Nur wenige. Ja, also ... wie soll ich beginnen. Ich weiß nichts über Kunst, aber ich weiß, was mir gefällt und was nicht. Und ganz am Ende meiner Liste - ich meine Dinge, die mir gar nicht gefallen - steht ein Flittchen mit einem losen Mundwerk. Es kümmert mich nicht, ob es die Mona Lisa war oder die bemalte Hure, die vor wenigen Minuten in dieses kultivierte Ambiente eingedrungen ist. Wenn Sie meine Aufmerksamkeit zu erregen wünschen, als Kunstliebhaber und als Intellektueller, als Sammler und Kenner der Szene, dann geben Sie mir das wunderschöne Porträt einer Dame, wie auch immer es gestaltet sei, ob als Ölgemälde oder geschaffen aus der Erde des himmlischen Meisters. Geben sie mir ein Kunstwerk, das ein Meisterstück ist, aber eines, das ich mein Eigen nennen darf. Bis ich dieses Werk gefunden habe, was auch immer der Preis dafür sei, und ich kann Millionen bieten auf Auktionen, habe aber nur ein Herz, das man mir brechen kann, bis zu diesem Tag also, an dem ich entweder Küsse und Zuneigung oder Dollars und Cents investieren werde, solange Sie sie aufhängen, werde ich nicht aufhören, sie zu betrachten.
RÄUBER: (Stürmen herein.) Was liegt an? Was läuft denn hier? Pfoten hoch, wir machen keine Scherze.
ALLE: (Tumult.) Nein! Das können sie nicht tun! Oh Gott! Nicht jetzt!
RÄUBER: Ne Runde Strippoker gefällig?
RÄUBER 2: Ein Spielchen?
RÄUBER: Ein Spielchen. Ja. Wir werden uns ein bisschen auf eure Kosten amüsieren, ihr Idioten. Her damit! Schmuck und Brieftaschen zuerst.
FRAU: Nein. Ich spiele nicht.
RÄUBER: Nimm die Pfoten hoch und gib mir das Zeug. Jetzt!
FRAU: Das werde ich nicht!
RÄUBER: Beweg dich. Ich hab gesagt, das ist ein Überfall.
FRAU: Ich werde mich ausziehen, aber ich werde Ihnen nicht meinen Schmuck geben, Sie Rohling.
RÄUBER: Enteignung, hab ich gesagt! (Frau händigt Schmuck aus.) Schon besser. Jetzt die anderen: Macht's wie die nette Dame hier und spendet!
RÄUBER 2: Bis es weh tut.
FRAU: Bruce! Tu doch etwas!
KUNSTHÄNDLER: Wo ist er? Wo ist Wayne?
FRAU: Was wollen Sie von ihm? Einen Vortrag? Soll er die abkanzeln, während wir hier abgezockt werden?
RÄUBER 2: Wayne? Du meinst Bruce Wayne? Und wir haben den dreckigen reichen Sack geradewegs durch unsre Fingerchen schlüpfen lassen?
RÄUBER: Was? Ihr meint, der is nich hier? Und ihr erwartet, dass wir das glauben? Wayne und sein Spielkamerad verschwinden im Mondlicht, ausgerechnet wenn's aufregend wird?
RÄUBER 2: Jah. Ein bisschen viel Glück, selbst nach Waynes Maßstäben. Ich sage, der muss hier gewesen sein.
RÄUBER: Ganz deiner Meinung. Diese Affen könnten so ne Show nich aufziehn.
RÄUBER 2: Nein. Nein. Ganz und gar nich.
RÄUBER: Wem sagst du das! Der sahnt doch für jeden Dreck die Lorbeeren ab.
RÄUBER 2: Los, Los! Ausziehen! Zeigt uns die Palm-Beach-gebräunte Haut.
FRAU: Nein. Ich kann nicht. Nicht vor ihr. (Zeigt auf das Porträt einer alten Dame.)
RÄUBER 2: (Dreht das Bild um.) Also gut. Jetzt macht schon!
MANN: Sie haben bereits meine Brieftasche. Was sonst könnten Sie von mir wollen.
RÄUBER: All diese Kunst-Schwuchteln tragen doch Cockringe, oder Kumpel?
RÄUBER 2: Ganz genau. Ausziehn! (Sie entkleiden sich.)
RÄUBER: Was hab ich dir gesagt? Jeder einzelne von denen protzt damit rum. Wie gefällt dir das? ... OK, her damit. Piercings auch.
RÄUBER 2: Is das nich niedlich?
RÄUBER: Prima! Wir müssen leider abhauen, Kumpels. Also macht nur weiter mit eurer kleinen Party.
RÄUBER 2: Ooch nö, Mann. Müssen wir wirklich schon los? War doch echt spaßig hier.
RÄUBER: Diese elenden Snobs spielen die ganze kranke Zeit Freakmonster. Diese ausgeflippten Orgien sind nichts Neues für die, das is mal sicher. Oder sag ich was Falsches, Frollein Flittchen Neureich?
RÄUBER 2: Los jetzt, lass uns abhauen. Raus-raus-raus-raus, G. (Sie flüchten.)
KUNSTHÄNDLER: Wayne, sollten Sie von irgendwo zuschauen und sich amüsieren, das geht an Ihren Spielkameraden: Blas mir doch einen!
MANN: Mit meinem wäre er besser dran. Er ist größer. Viel Vergnügen! (Sie ziehen sich an.)
MANN 2: Sie haben alles mitgehen lassen. Gut abgeräumt, sozusagen.
KUNSTHÄNDLER: Alles ... Alles bis auf die Kunst. Sehen Sie.
MANN 2: Das muss Ihnen doch den absoluten Nervenkitzel verschaffen, Mr. Kaufmann.
MANN: Guter Gott.
KUNSTHÄNDLER: (Sieht nach dem Safe hinter einem Gemälde.) Den Safe haben sie auch übersehen. Fein, fein.
MANN: Lausige Penner.
WAYNE: (Kommt mit Dick zurück.) Was geht hier vor? Spaß gehabt? Was wir auch verpasst haben, wir sind froh, es verpasst zu haben.
DICK: Und wie. Wir verspüren keinerlei Bedürfnis nach diesem sogenannten Spaß.
MANN 2: Wart ihr beide Zigaretten holen? Da habt ihr ja eine super Fluchtnummer hingelegt.
WAYNE: Sie wissen, dass wir nicht rauchen.
DICK: Ich nicht. Ich gehe noch zur Schule, wissen Sie.
WAYNE: Nein, wir waren nur auf ein paar Coca-Cola draußen.
DICK: Das ist wahr. Wollen Sie meinen Atem riechen?
MANN: Ich will es Ihnen erklären: Es hatte den Anschein, als wäre diese Auktion ein einziger großer Blindgänger, also haben wir beschlossen, uns auf andere Art zu vergnügen. Haben Sie was dagegen?
MANN 2: Ich wette, die Freaks sind rasend eifersüchtig.
KUNSTHÄNDLER: Also geraten Sie nur nicht ins Schwitzen, Wayne. Wir haben hier exzellente Arbeit geleistet, um Ihre Kunst zu beschützen, die Bilder, für die Sie vorher noch so hoch geboten haben. Sie sehen, sie sind alle noch da - nicht eines wurde angetastet, kein einziger Kratzer. Wirklich nett, oder?
***
ROBIN: (zieht Uniform an.) Fühlt sich gut an, sie wieder zu tragen.
BATMAN: Der Pyjama der Katze.
ROBIN: Jetzt fühle ich mich nicht mehr wie irgendein Verbrecher.
BATMAN: Du hättest dieser billigen Hure nicht hinterherlaufen müssen, dann wäre der ganze Unfug nicht passiert.
ROBIN: Ja. Und ich wäre bis zu meiner Robin-Rotkehlchen-Kehle ausgenommen worden und du bis auf deine Bat-Wäsche.
BATMAN: Du redest immer, als wäre es Reizwäsche. Halt besser dein Maul, du Dickschädel. Ich mein's ernst.
ROBIN: Nenn mich Robin, Meister. Wenn du das nicht cross-dressed nennst, weiß ich auch nicht. Mach nicht immer so ein Tamtam darum, als ob du was zu verbergen hättest.
BATMAN: Ich habe vor dir nichts zu verbergen.
ROBIN: Eines Tages wird das deinen Arsch in Schwierigkeiten bringen, das ist alles. Wegen diesem Pisskram wird noch mal deine Identität auffliegen.
BATMAN: Ich erwarte nicht, in Unterwäsche erwischt zu werden.
ROBIN: Ja, aber heute warst du so nah dran. (Zeigt mit Zeigefinger und Daumen.)
BATMAN: Zeig nicht mit dem Finger auf mich, Robin. Ich warne dich.
ROBIN: Ich hab nicht auf dich gezeigt, ich hab gesagt, du warst so nah dran.
BATMAN: Stecks dir sonstwo hin.
ROBIN: Witzig.
BATMAN: Was denn?
ROBIN: Witzig wie... Ich meine, was würden die über Comics denken, wenn sie wüssten, das Robins Penis so viel größer ist als der von Batman.
BATMAN: Geh mir nicht auf die Nerven.
ROBIN: Comics lassen eine Menge weg.
BATMAN: Die müssen sie eben schwulensicher machen, oder was?
ROBIN: Batgirl würde doch mit jedem ins Bett steigen, der eine gerade Linie ziehen kann, und eigentlich auch mit fast jedem, der es nicht kann, aber sie hat immer noch nicht ihr eigenes Buch.
BATMAN: Ihr eigenes? Sie würde sich doch mit den Teen Titans und der Justice League genauso wie mit irgendeinem Flash abrackern, nur um ein Gastspiel zu kriegen.
ROBIN: Die hören nicht auf, sie mit Silikon vollzupumpen, und dann wundern sie sich, dass keiner mehr eine ordentliche Perspektive zeichnen kann in den Comics.
BATMAN: Die ist doch nicht mal mehr mit der Druckerwalze zu retten. Inzwischen benutzen sie mehr white-out als Farbe. Aber aufs Papier kommt sie immer noch superheiß und bereit, alles zu tun - ja, sie sieht aus wie die Tochter von Pruneface, diese Lack- und Leder-Tussi ... na, egal.
ROBIN: Ich hatte sie nicht mehr seit - wann? Muss Prä-Comic-Code gewesen sein.
Aus dem Amerikanischen von Silvia Koerbl.
Die Auftritte stammen aus »Batman 10«, in: Raymond Pettibon, Plots laid thick, Barcelona 2002. Pettibon arbeitet seit etwa 1993 an Szenen mit Figuren aus Superheldencomics.
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