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Nr. 37/2002 - 04. September 2002
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Waz-Gruppe vs. Springer

Übernahmeschlacht. Der Orkan, der seit einiger Zeit die Medienbranche durcheinanderwirbelt, hat sich immer noch nicht verflüchtigt. Alles wird anders, dieses Motto betrifft nun eventuell sogar den Konzern Springer. Hier hielt bisher Leo Kirch 40 Prozent der Anteile, doch er ist bekanntlich ruiniert, und deswegen stehen seine Anteile für eine Übernahme bereit. Zugreifen möchte die Waz-Gruppe, die Blätter wie die Neue Ruhr Zeitung oder die Westfalenpost herausgibt. Man ist sich jedoch noch nicht handelseinig geworden, weil der potenzielle Käufer und der Verkäufer noch unterschiedliche Preisvorstellungen haben. Die Unterhändler von Kirch möchten mehr als eine Milliarde Euro für die Anteile, die Waz-Gruppe will aber nicht mehr als 800 Millionen bezahlen.

Auch im Falle einer Einigung wäre es noch nicht sicher, ob das Bundeskartellamt der Beteiligung der Waz-Gruppe an Springer zustimmen würde. Schließlich würde sie zu einer weiteren Konzentration auf dem Zeitungsmarkt führen, und darauf reagiert man glücklicherweise noch immer einigermaßen sensibel. Am stärksten gegen die Waz-Gruppe polemisiert aber der Springer-Konzern selbst. Via Bild wird verkündet, die Gruppe sei ein »mächtiger Pressekonzern von links«. Was so ganz sicher nicht stimmt, aber nicht so rechts wie Springer zu sein, ist für Springer eben automatisch links, und dann stimmt's wieder. Wie es weitergehen wird in dieser Übernahmeschlacht, muss abgewartet werden. Wir bleiben dran.



Tot oder lebendig

Popjournalismus. Eine Debatte über den Niedergang des Popjournalismus geistert mal wieder durch die Feuilletons. Nachdem die »Berliner Seiten« der Faz und die Berlinseite der SZ weggeräumt wurden und das jetzt-Jugendmagazin der SZ eingestellt wurde, wird überall darüber diskutiert, ob diese Streichungen nun zu begrüßen seien, weil der Popjournalismus eigentlich noch nie etwas getaugt habe, oder ob hier eine der wichtigsten Errungenschaften des Abendlandes zu Grabe getragen worden sei. In diesem Streit geht es derzeit hin und her. Die Zeit fand es super, dass dem Popjournalismus das Wasser abgegraben wird, die Taz meinte dagegen, dass die »Berliner Seiten« eh niemand vermisse, sie also gänzlich unnütz gewesen seien, die SZ schießt wiederum gegen die Zeit usw.

Es geht hier mal wieder um die Frage, wieviel Pop im Feuilleton sein darf, ohne dass die Bildungsbürgerlichkeit verloren geht. Also darum, ob man wieder mehr auf das klassische Rezensionsfeuilleton setzen sollte oder weiterhin gerne auf popjournalistische Abhandlungen über das himmelblaue T-Shirt oder ähnliches.

Benjamin v. Stuckrad-Barre jedenfalls hat aus der Debatte bereits seine Konsequenzen gezogen. Er ist für den Posten als Chefredakteur des deutschen Rolling Stone im Gespräch. Damit käme der Popjournalismus wieder dort an, wo er herkommt: in einem Popblatt.



Für hippe Nazis

Umbro. Damit Nazis nicht nur chic aussehen, sondern mit ihren Klamotten auch gleich ihre Weltanschauung kundtun können, haben sie sich Marken wie Lonsdale oder New Balance angeeignet, um über deren Logos zu kommunizieren. In Lonsdale steckt NSDA, das P muss man sich dazudenken, und New Balance reduziert das Logo seiner Turnschuhe auf ein N, ein Initial, von dem sich der Nazi sofort angesprochen fühlt.

Nun ist der britische Sportartikelhersteler Umbro auf die Idee gekommen, einen Sportschuh »Zyklon beige« zu nennen. Angeblich wollte man ihn nach einem Wirbelsturm »Zyklon« benennen, dabei fühlt man sich hier jedoch sofort an Zyklon B erinnert, das von den Nazis in den Gaskammern der Konzentrationslager eingesetzt wurde. »Ein bedauerlicher Zufall« sei das, so ein Firmensprecher von Umbro in einer ersten Stellungnahme. »Mehr als geschmacklos« findet es dagegen Paul Spiegel, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Dass die englische Firma mit »Zyklon beige« durch simple Schockwirkung Aufmerksamkeit auf ihre Treter lenken wollte, liegt eigentlich auf der Hand.



Bumm, bumm, Dieter

Dieter Bohlen. Wie konnte das passieren? Ausgerechnet Dieter Bohlen ist stolzer Besitzer einer Schrotflinte. Es gab einen nächtlichen Polizeieinsatz in Bohlens Villa, weil dort angeblich Einbrecher zugange seien, so will es ein anonymer Anrufer gesehen haben. Bohlen wiederum hielt die Polizisten für Einbrecher und gab einen Schuss aus seiner Flinte ab. Nun muss man sich ernsthaft fragen, wie weit es in Deutschland mit der Waffengesetzgebung ist. Wenn einer wie Bohlen, der Verona Feldbusch nach deren Angabe so manche Ohrfeige gegeben haben soll, mit einer Schrotflinte herumläuft, dann bräuchten wir alle Waffen, irgendwie muss man sich ja auch selbst verteidigen.

Bisher dachte man ja immer, Modern Talking falle irgendwann einmal unter das Waffenschutzgesetz, doch nie ist etwas passiert. Und jetzt ballert Bohlen auch noch mit einer Knarre umher. Genießt dieser Mann denn unendlich viele Sonderrechte? Wir sagen »nein« und unterstützen alle disziplinarischen Maßnahmen gegen ihn.



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