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Nr. 37/2002 - 04. September 2002
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Wahlwerbung der PDS

Knutschen macht den Osten stark

von fabian sänger

Die Menschen haben Maschinen erfunden, die für sie die Arbeit erledigen. Das ist gut so. Dennoch wollen alle Arbeit haben, weil man für Arbeit Geld bekommt. Arbeit und Arbeitslosigkeit sind daher in den meisten Wahlkämpfen das wichtigste Thema.

Vor vier Jahren erhob die PDS zum Beispiel auf einem Plakat die Forderung: »Arbeit her!« Jetzt widmet sie dem Thema gleich zwei Plakate. Um Arbeit geht es, so viel ist sicher. Das steht nämlich drauf. Ein tieferer Sinn lässt sich aber auch bei größter Anstrengung kaum erschließen.

»Arbeit soll das Land regieren«, lautet der eine Slogan. Arbeit soll regieren? Wie das? Meint die PDS etwa: Arbeiter sollen das Land regieren? Wünscht sie sozusagen die Diktatur des Proletariats in seiner modernisierten Form? Wohl kaum. Oder sollen die Unternehmen, die nun mal die Arbeitplätze verteilen, das Land regieren? Soll das ganze Land, das ganze Leben nur noch von der Arbeit bestimmt sein? Ist das ein Grund, die PDS zu wählen? Und last but not least: Wer ist die hässliche Frau mit der rosa Jacke und dem giftgrünen Schal, die da in irgendeiner Wartehalle sitzt und auf einen Zettel guckt? Das Motiv des Fotos macht das Plakat endgültig zu einem großen Rätsel.

Ebenso wie das zweite Plakat der PDS zum Thema Arbeit. »Von Arbeit muss man leben können«, ist da zu lesen. Auf dem Foto hinter dem Schriftzug erkennt man winterlich gekleidete Menschen, die vor dem Eingang eines Arbeitsamtes anstehen. Was wollen uns die demokratischen Sozialisten damit sagen? Ist es nicht das Geld, das man durch die Arbeit verdient, von dem man lebt? Und sollte man nicht auch ohne Arbeit leben können? Nur wer das Parteiprogramm der PDS studiert, kann erahnen, dass es offenbar um die Forderung der PDS nach einem Mindestlohn geht. Aber was bedeutet dann das Arbeitsamt auf dem Foto? Gilt auch das Anstehen dort als Arbeit, für die die PDS einen Mindestlohn fordert? Vorne und hinten ergibt das alles keinen Sinn.

Selbst werbestrategisch betrachtet ist das Ganze sehr merkwürdig. Wenn man etwas verkaufen will, dann wirbt man dafür mit schönen Landschaften, schönen Menschen und positiven Dingen. Nicht die PDS. Sie wirbt mit einem winterlichen Arbeitsamt und einer Sozialverliererin in geschmackloser Kleidung. PDS - da denken wir künftig an Arbeitslosigkeit und sozialen Abstieg.

Etwas geschickter waren die Parteistrategen bei einem anderen Thema. Auf einem Plakat küsst sich ein hübsches junges Paar, dabei steht das Motto: »Macht den Osten stark.« Aber auch hier bleibt man ratlos. Sind die beiden Ossis? Sollen sie sich vermehren, damit es mehr davon gibt? Warum wird der Osten stark, wenn sich zwei Menschen küssen? Und was zum Teufel hat die PDS damit zu tun?

Vielleicht ist es so: Die hässliche Frau mit der rosa Jacke ist die Werbetexterin der PDS und der Zettel, auf den sie schaut, ihr neuester Plakatvorschlag. Die Menschen vor dem Arbeitsamt sind die Mitarbeiter der PDS-Bundestagsfraktion, die sich schon mal nach einem neuen Job umschauen. Und die beiden Küssenden sind die Spitzenkandidaten, die sich nach der Wahl trösten. Denn mit Hilfe ihrer Werbung wird zwar in Zukunft vielleicht irgendeine dubiose Arbeit das Land regieren, niemals jedoch die PDS. Und deren Parteifunktionäre können sich dann freuen, dass man auch vom Arbeitslosengeld leben kann.



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