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Nr. 37/2002 - 04. September 2002
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Haben Sie noch Feldpostbriefe aus Stalingrad zuhause? Dann ab in ein Briefkuvert und losgeschickt an den Deutschlandfunk. Der wegen seiner tollen Features über die Stasi beliebte Sender widmet sich neuerdings nämlich einem anderen traurigen Kapitel der deutschen Geschichte: der Schlacht von Stalingrad.

Der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher ruft gegenwärtig dazu auf, sich an der Aufarbeitung der Geschehnisse, die sich in diesem Herbst zum 60. Mal jähren, zu beteiligen. Unterlegt mit ein paar Takten aus Gustav Mahlers sechster Sinfonie, erklärt er, Stalingrad sei »zu einem Synonym geworden für den verbrecherischen Hitlerkrieg, für unendliches Leid für deutsche und sowjetische Soldaten und ihre Familien, für die Menschen, die in Stalingrad lebten, Kinder, Frauen und Männer«.

Damals ging es ziemlich vielen Leuten ganz schön dreckig, Deutschen genauso wie Russen, Genscher macht da keinen Unterschied. Schuld war schließlich Hitler mit seinem verdammten »Hitlerkrieg«. Genscher erklärt weiter: »Von den rund 250 000 in Stalingrad eingeschlossenen deutschen Soldaten überlebten nur etwa 6 000.« Eingeschlossen waren sie in Stalingrad, die deutschen Soldaten, eingepfercht wie die Tiere, das Ganze war eine »Tragödie«, meint Genscher. Der Deutschlandfunk wolle nun »jene noch einmal zu Wort kommen lassen, die in Stalingrad kämpften, hungerten, fielen, die auf dem Marsch in die Gefangenschaft erfroren«. Und deshalb bittet Genscher die Hinterbliebenen der tapferen Helden um die Zusendung der Feldpost, die »eindrucksvollsten Briefe« würden zu einer Sendereihe zusammengestellt.

Warum aber befanden sich überhaupt 250 000 deutsche Soldaten in der russischen Stadt? Kamen sie mal kurz auf einen Kaffee vorbei und wurden nicht anständig begrüßt? Dass über eine halbe Million russischer Soldaten und Zivilisten bei den Kämpfen um Stalingrad getötet wurden, ist Genscher kein Sterbenswörtchen wert. Denn das Thema der Geschichtsstunde lautet: Stalingrad und was uns die Russen dort Schreckliches antaten. Eigentlich müssten wir entschädigt werden.

stefan wirner



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