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Nr. 36/2002 - 28. August 2002
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Putenfreie Zone

Arno-Schmidt-Gemeinde. Zeit seines Lebens fühlte sich Arno Schmidt, der als einer der größten Käuze der deutschen Literatur angesehen wird, der Natur eng verbunden. Das Wohnhaus des Literaten liegt nicht grundlos am Rande des schnuckeligen Heidedorfs Bargfeld in Niedersachsen, also dort, wohin es höchstens mal einen seiner unzähligen Bewunderer verschlägt. Nun soll aber skandalöserweise in die Nähe dieses inzwischen zum Wallfahrtsort gewordenen Hauses so etwas durch und durch Profanes wie eine Putenmastanlage hingepflanzt werden. Und schon ist das Geschrei im Ort groß. In einer eilig verfassten Petition heißt es: »Denkmalschutz: gilt für Schmidts Häuser, Garten, Grab, leider nicht für die Umgebung.« Eine Putenmastanlage in der Nähe zu haben, ist natürlich nie etwas Schönes; man hätte ja die ganze Zeit das Gekreische von Puten mit Magenleiden im Ohr und immer den pervertierten Umgang des Menschen mit seiner Natur vor Augen. Schmidt hätte die Klage wohl selbst unterstützt, deshalb fordern wir ebenfalls: Keine Putenmastanlage in Bargfeld!



Oberwasser für Deutschrocker

Wolf Maahn. Dass sich der deutsche Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin für eine Radioquote einsetzt, die deutschsprachigen Musikern zugute kommen soll, darüber haben wir an dieser Stelle bereits in der letzten Woche berichtet. Nun meldet sich zu dieser abgestandenen Idee auch noch die Spezies der Dumpfbackenrocker zu Wort, die sich ministerlich gebauchpinselt fühlt und sich nun, kurz bevor die Altersdemenz droht, zu Dank verpflichtet sieht.

Also: Vorhang auf! Fanfaren! Der edle Deutschrockrecke Wolf Maahn hat was zu sagen, und zwar: »Deutsch singende Künstler werden diskriminiert.«

Wer hier diskriminiert wird und mit »Künstler« gemeint ist, dürfte klar sein: vor allem Wolf Maahn selbst, einer der Schlimmsten, die je unter dem Stichwort »Deutschrock« zu Gräueltaten angetreten sind. Nun werden sich manche vielleicht fragen: Wer ist dieser Wolf Maahn überhaupt, dieser Held der klaren (deutschen) Worte? Na ja, er ist tatsächlich noch furchtbarer als Bap und Peter Maffay zusammen, und das sollte zu seiner Charakterisierung genügen.

Das einzig Gute an ihm war bisher, dass sich niemand mehr für ihn interessierte. Doch der Kulturstaatsminister macht's eben möglich. Ein »Naturschutzgebiet deutschsprachiger Rock- und Popmusik« fordert Wolf Maahn deshalb gleich, also ein Radio, dass dazu verpflichtet wird, vom Aussterben bedrohte Deutschrockheinis wie ihn rauf und runter zu dudeln. Welches Schutzgebiet den Radiohörern dann aber überlassen wird, das würde uns interessieren.



Eminem schockt die Queen

Spielverbot. Als Eminem zusammen mit Elton John vor einiger Zeit einen Versöhnungsrap intonierte, nachdem der amerikanische Skandalrapper dauernd als homophob beschimpft wurde, musste man sich Sorgen um ihn machen. Mit der »Candle in the Wind«-Schnulzenbacke Händchen zu halten, das kann einfach nicht gut fürs Image sein. Wohl endgültig die Sache wieder gerade gerückt haben dürfte nun die englische Königin Elizabeth. Sie hatte im Auto ihres Enkels, Prinz William, dessen Lieblingsmusik gehört, nämlich die von Eminem, und daraufin verboten, diese Musik irgendwo in den königlichen Palästen zu spielen. Zu ihrem Jubiläumskonzert vor kurzem hatte sie dagegen den ehemaligen Schockrocker und telegenen Familienvater Ozzy Osbourne geladen.



Ja zu Greenpeace

Leni Riefenstahls Bekenntnis. Was man überhaupt nicht erträgt, sind Mitmenschen, die glauben, man könne sich eventuell für ihre Träume interessieren. Tut man im allgemeinen aber nicht. Dass andere im Schlaf fliegen können oder sich ein tolles neues rotes Auto zulegen, möchte man echt nicht wissen. Der Zeit ist das völlig egal, dort wird geträumt, Woche für Woche, im Ressort Leben, und zwar von Prominenten, und es ist eigentlich immer schrecklich. Doch der aktuellen Ausgabe der Zeit haben wir nun den Traum von Leni Riefenstahl zu verdanken, und der ist toll. Sie träumt von einer besseren Welt, vom Einklang des Menschen mit der Natur, nur schöne Sachen, eine nette Frau, die Riefenstahl. Aber das wahrhaft Bemerkenswerte dieses Traums ist die folgende Aussage, sie ist einfach traumhaft: »Ich war niemals in der NSDAP und fühle mich nicht der Naziideologie verbunden. Die einzige Organisation, der ich angehöre, ist Greenpeace.«



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