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Nr. 36/2002 - 28. August 2002
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Spannungen zwischen Saudi-Arabien und den USA

Befreien Sie Arabien!

von jörn schulz

Nach Konzernpleiten und Bilanzfälschungsskandalen drohen der US-Wirtschaft neue Probleme. Saudische Investoren, so meldete es die Financial Times am Mittwoch vergangener Woche, hätten bereits 100 bis 200 Milliarden Dollar aus den USA abgezogen. Prinz al-Walid, ein Neffe König Fahds, dementierte den Bericht, doch ein hoher Beamter der Finanzbehörde bestätigte ihn der saudischen Tageszeitung arab news.

Saudische Geschäftsleute sorgen sich um die Sicherheit ihrer Investitionen in den USA, seit Angehörige der Opfer des 11. September Personen und Unternehmen, die sie der Beihilfe zu den Anschlägen beschuldigen, auf eine Billion Dollar Schadenersatz verklagt haben. Betroffen sind auch zahlreiche saudische Unternehmen sowie drei Prinzen. Sie hätten sich wohl gewünscht, dass die US-Regierung, wie Anfang August im Fall einer Klage indonesischer Menschenrechtler gegen Exxon, erklärte, dass ein Prozess »schädliche Folgen für bedeutende Interessen der Vereinigten Staaten haben könnte, einschließlich solcher Interessen, die direkt mit dem andauernden Kampf gegen den internationalen Terrorismus verbunden sind«. Das aber geschah bislang nicht, stattdessen häufen sich in den einflussreichsten Zeitungen der USA kritische bis feindselige Kommentare. Das Wall Street Journal forderte gar: »Free Arabia!«

Dass saudische Investoren ihr Geld überwiegend in den USA anlegten, war Teil eines informellen Arrangements zwischen dem Königshaus und dem Establishment der USA. Saudi-Arabien bildete ein Gegengewicht zu den radikal-nationalistischen Staaten der arabischen Welt und half bei der Kontrolle des Ölpreises, die USA schützten die Dynastie der Sauds vor ihren Feinden. Jahrzehntelang dominierte der so entstandene petro-militärische Komplex die Politik in der Golfregion.

Doch warum, so fragen sich Dissidenten der saudischen Oligarchie, sollte ein Land, das mehr als eine Billion Dollar für Auslandsinvestitionen erübrigen kann, nicht ehrgeizigere Ziele verfolgen? Ussama bin Laden, dessen Familie eng mit dem Königshaus verbunden ist, war nur ein besonders extremistischer und voreiliger Exponent einer Strömung, die eine islamistische Version von »Free Arabia« anstrebt und von einem Imperium träumt, dessen Aufbau mit Petro-Dollars finanziert und von fundamentalistischer Ideologie beflügelt wird.

Mehr Erfolg als der Terrorismus verspricht eine langfristige Strategie, die die Macht des Öls und des Geldes einsetzt und auch das Bündnis mit schiitischen Iranern und christlichen Europäern nicht verschmäht. Kronprinz Abdullah, der in Vertretung des schwer kranken Königs bereits das Land regiert, hat sich von den USA distanziert und hat die Beziehungen zum Iran intensiviert. Während Seine Majestät dahinsiecht, dürften sich die USA bemühen, bei den Machtkämpfen im Königshaus einen anderen Nachfolger zu etablieren.



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