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Nr. 36/2002 - 28. August 2002
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Waffenbruderschaft gefährdet

Großbritannien. Eine klare Mehrheit der Briten, so das Ergebnis verschiedener Umfragen, lehnt einen Krieg gegen den Irak ab. Auch innerhalb der Labour-Partei und den Gewerkschaften wächst die Kritik. Beim Parteitag in Blackpool im September wollen Teile der Basis das Vorgehen gegen den Irak auf die Tagesordnung setzen. Und der einflussreiche ehemalige Außenminister Robin Cook will nach der Sommerpause die lange von Blair verhinderte Kabinettsdebatte über das Thema erzwingen. Einflussreich genug sollte er sein, schließlich ist er als parlamentarischer Geschäftsführer für Labours Strategie im Parlament zuständig. Außenminister Jack Straw könnte Cook dabei unterstützen, da er ohnehin als Gegner dieses Krieges gilt. Gut möglich ist auch, dass die Gewerkschaften sich auf ihrem Kongress, der drei Wochen vor dem Parteitag stattfindet, ebenfalls gegen einen Krieg aussprechen. Der mögliche Schaden für Blair dürfte sich dennoch in Grenzen halten, hat er es doch bislang vermieden, sich zu einer Militärintervention ohne UN-Mandat öffentlich zu erklären.



Südamerika liegt in Europa

Spanien. Tausende Kinder von Mitgliedern linker Organisationen, die im Spanischen Bürgerkrieg gegen die Truppen des faschistischen Generals Francisco Franco gekämpft hatten, wurden nach dem Krieg verschleppt, mit neuen Namen ausgestattet und zur Adoption durch regimefreundliche Ehepaare freigegeben. Das belegt eine Studie der Wissenschaftler Montse Armengou und Ricard Belis mit dem Titel »Die verlorenen Kinder der Franco-Diktatur«, die im Oktober veröffentlicht werden soll. »Die Trennung von frühester Kindheit an könnte die Gesellschaft von der furchtbaren Plage des Marxismus befreien«, zitiert die Studie einen Mitarbeiter Francos. Der Fall wurde erst bekannt, nachdem die katalonische Regierung beschlossen hatte, die politisch Verfolgten der Franco-Zeit zu entschädigen. Erst seit kurzem setzt sich Spanien kritisch mit dieser Ära auseinander.



Die Welt ist ein Zoo

Belgien. Der »Oasis-Nationalpark« ist um eine Attraktion ärmer. Die zehn Pygmäen aus Kamerun, die dort Touristen »ihre Kultur und ihre Lebensart« vorführten, reisen wieder ab. Vor zwei Monaten waren fünf Männer und fünf Frauen in das 75 Kilometer südöstlich von Brüssel gelegene private Naturreservat gebracht worden, wo sonst tropische Fische und andere Tiere zu sehen sind. Menschenrechts- und Immigrantenorganisationen hatten die Ausstellung als neokolonialistisch und rassistisch kritisiert. Die Kameruner wollten mit dem versprochenen Entgelt in ihrem Dorf Brunnen, Schulen und Krankenhäuser errichten. In Belgien, wie auch in anderen europäischen Kolonialstaaten, waren bis zum 20. Jahrhundert Menschenausstellungen eine beliebte Show. So ließ König Leopold II. Ende des 19. Jahrhunderts mehrere »echte Kongolesen« vorführen, die von einer Million Schaulustigen begafft und mit Erdnüssen beworfen wurden. Sieben der Afrikaner erfroren damals während der makabren Ausstellung in ihren Käfigen.



Endlich beitrittsfähig

Jugoslawien. Die jugoslawischen Teilrepubliken Serbien und Montenegro stehen kurz vor einer Einigung im Streit um eine gemeinsame Verfassungscharta. Der Radiosender B92 in Belgrad berichtete in der vergangenen Woche, dass der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic mit dem montenegrinischen Präsidenten Milo Djukanovic einen Entwurf ausgehandelt habe. Die Charta soll die Beziehungen der Teilrepubliken nach ihrer Vereinigung zu einem Staatenbund regeln. Noch am Dienstag der vorigen Woche hatte der Europarat Serbien und Montenegro ermahnt, sich rasch auf eine gemeinsame Verfassung zu einigen, sonst könne sich die Aufnahme in den Europarat verzögern. Die EU hatte im März das Abkommen für die Gründung des Staatenbundes vermittelt, das eine Klausel enthält, derzufolge sich die Teilstaaten nach drei Jahren für unabhängig erklären können.



Schandmauer im Banlieue

Frankreich. Selbst die konservative Tageszeitung Le Figaro nannte die Absperrungen in der nordfranzösischen Stadt Douai in der vergangenen Woche eine »Mauer der Schande«. Seit Anfang August trennt ein zwei Meter hoher Zaun eine Hochhaussiedlung, die nicht einmal zu den »sozialen Problemzonen« der Stadt gehört, von einem Reihenhausviertel des Nachbarortes Cuincy. Bewohner der beschaulichen Siedlung hatten sich über Kinder und Jugendliche aus den benachbarten Hochhäusern echauffiert. Der sozialdemokratische Bürgermeister von Cuincy, Bernard Wagon, ließ daraufhin beide Siedlungen trennen. Der Zaun hat nicht einmal einen Durchgang, sodass Bewohner beider Quartiere zu langen Umwegen gezwungen sind, wenn sie eine Schule, eine Bushaltestelle oder einen Supermarkt auf der anderen Seite erreichen wollen. Im September soll ein Durchlass geschaffen werden, der jedoch nur bis 20 Uhr geöffnet bleiben soll.



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