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Nr. 35/2002 - 21. August 2002
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Kiffen? Find ich gut

Eine vom Meinungsforschungsinstitut Emnid erstellte Studie belegt nun, dass erstmals eine Mehrheit der Deutschen gegen eine Strafverfolgung von Kiffern ist. Wer mit etwas Dope in der Tasche erwischt wird, so sieht das erstaunlicherweise inzwischen ein Großteil der Deutschen, soll behandelt werden wie ein Falschparker: etwas Bußgeld abdrücken, und das wars. Nur noch 36 Prozent der Befragten sprechen sich weiterhin für verstärkte Repressionen gegen Kiffer aus. Nachdem erst neulich das Karlsruher Verfassungsgericht erklärt hat, dass Kiffern nicht mehr willkürlich der Führerschein entzogen werden darf, befinden wir uns zumindest auf dem richtigen Weg.



Deutschrock? Find ich auch gut

Die Aufgabe von unserem Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin ist es, kulturell von wenig eine Ahnung zu haben, aber zu allem etwas sagen zu müssen. Falls nötig auch zur Kulturgeschichte des Breakdance oder zur nächsten Platte von Herbert Grönemeyer. Nun hat sich der Kulturstaatsminister anlässlich der soeben stattgefundenen Popkomm mal wieder so richtig über die Großwetterlage des deutschen Poptreibens informiert und ist dabei auf die Idee gekommen, dass eine Quotenregelung für deutsche Pop- und Rockmusik dem Popstandort Deutschland gute Dienste erweisen könnte.

Irgendwie kommt einem diese Debatte ja bekannt vor. Da war doch mal was? Ach ja, der Fall Heinz Rudolf Kunze. Der Sänger sprach sich einst für einen ähnlichen Unfug aus, doch eigentlich dachte man, mit der Erledigung des Musikers Kunze auch die Quotendebatte hinter sich gebracht zu haben und sich wieder besserer Musik zuwenden zu können. Falsch gedacht. Denn jene, die nachrechnen, wie sich das Verhältnis zwischen guter und deutscher Musik verhält, geben, weil keiner mehr CDs von Kunze kauft, noch lange keine Ruhe. Die deutschen Pop- und Rockproduktionen erreichen gerade mal einen Anteil von zehn bis 20 Prozent im Radio, deutschsprachige Pop- und Rockmusik versackt gar bei unter zehn Prozent, so eine vom Kulturstaatsminister in Auftrag gegebene Studie.

Und das darf natürlich nicht sein, Sie wissen schon: allein wegen der abnehmenden Bedeutung der deutschen Sprache, selbst in Deutschland. So blöd wie die Franzosen möchte unser Kulturstaatsminister allerdings nicht sein. Er will nicht, wie diese, eine staatlich verordnete Quotenregelung durchsetzen, um die Popmusik so richtig schön zu nationalisieren, er denkt dabei eher an eine »freiwillige Selbstverpflichtung«. Immerhin Verpflichtung.



Gegen Stoiber? Nicht so gut

Skandal: Die J. Erwin Blues Explosion darf ab sofort nur noch J-Blues Explosion heißen. Gegen ihren eigentlichen Namen hat nämlich ihr Namenspender, der Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin, geklagt. Wahrscheinlich, weil die Düsseldorfer Allstar-Combo nicht nur irgendeine Band ist, sondern eine, die sich als Anti-Stoiber-Truppe versteht. Der Song, wegen dem es sie überhaupt gibt, heißt: »Bleib da, wo der Radi wächst« und spricht sich ganz vehement gegen den »Spießer mit Silberhaar«, wie es an einer Stelle im Text heißt, aus. Die J. Erwin Blues Explosion bzw. J-Blues Explosion ist eine Art Bigband, die sich aus ehemaligen Mitgliedern von Bands wie den Fehlfarben und Family 5 zusammensetzt, ihr Song eine Mischung aus Reggae und Punk. Zum Schluss noch eine weitere Textprobe daraus: »Kleinkarierter Wies'nwicht / Du kriegst uns're Stimme nicht. / Stotterbazi sieh's doch ein: / Du wirst niemals Kanzler sein! / Du trinkst Weizen gegen Durst, / süßer Senf schmeckt nicht zu Currywurst / Und die Moral von der Geschicht: / Unsere Probleme löst ein Bayer nicht.« Na ja.



Joplin? Finden Kamele nicht so gut

Welche Musik hören Omas, wenn sie sich in den australischen Busch begeben? Die von Janis Joplin. Zumindest die beiden älteren Damen, die vor kurzem in der australischen Wildnis unterwegs waren und sich plötzlich einer Horde wilder Kamele gegenüber sahen. Die Höckertiere waren nicht von der Sorte, wie man sie aus dem Streichelzoo kennt, sondern ungezähmt und wohl nicht besonders schüchtern. Jedenfalls fühlten sich die Seniorinnen von ihnen bedroht. Die Ladies legten deshalb ihre Janis-Joplin-Tapes in ihren Casettenrekorder, stellten auf höchste Lautstärke und hielten sich die Kamele vom Leib. So gaben sie es später zu Protokoll.

Wie sich doch die Zeiten ändern können. Früher schlug man mit Janis Joplin Eltern in die Flucht, heute verjagen Omas mit ihr nur noch wild gewordene Kamele.



Schnauzer? Auch nicht mehr so gut

Eine Million Dollar habe ihm ein Rasierklingenhersteller geboten, wenn er Lech Walesa von seinem Schnauzbart befreien dürfe, brüstete sich einst der ehemalige polnische Arbeiterführer. Natürlich habe er abgelehnt, schließlich gehöre der Schnauzer zu ihm wie, sagen wir mal, das Hitlerbärtchen zu Hitler. In der letzten Zeit kümmerte sich niemand mehr groß um Lech Walesa und seinen Schnauzbart. Der ehemalige Volksheld hatte die Präsidentschaftswahl vor zwei Jahren grandios verloren, gerade mal ein Prozent der Wähler votierte für ihn. Und nun, als sich dafür nun wirklich niemand mehr zu interessieren schien, hat er es doch getan: Der Bart ist ab. Eine Million gab es dafür jedoch nicht mehr, dafür nochmal etwas Interesse an seiner Person. Die Bartgeschichte ist tatsächlich ein Fall für die polnischen Medien, die anscheinend ganz besonders stark unter dem Sommerloch zu leiden haben. Walesa gab jedoch nur zu Protokoll: »Ich hatte meine Gründe dafür, aber die werde ich nicht bekannt geben.« Wenigstens das.



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