Poppen für Gerhard
Politiker aller Parteien haben kapiert, dass man sich auf junge Wähler zubewegen muss. So landete die Westerwelle im Container, Oskar Lafontaine riskierte zu seiner Zeit noch eine heiße Sohle in der Disko, und Edmund Stoiber treibt sich neuerdings in hippen Berliner Szene-Clubs herum. Glücklich kann sich nun unser Bundeskanzler fühlen. Denn zwei in bestimmten jugendlichen Kreisen äußerst beliebte Supernasen haben ihm nun ihre aktive Hilfe zugesichert. Der eine, Sasha, das ist der, der gerne David Beckham und Robbie Williams in Personalunion wäre, aber leider nur eine gesichtlose Schmusebacke ist, soll sich laut Spiegel bereits mit SPD-Generalsekretär Franz Müntefering getroffen und um Einsatzmöglichkeiten gebettelt haben. Vermutliche Strategie: Die Teenies sollen in den Schlaf gelullt werden, danach unterzeichnen die wehrlosen Opfer den Wahlzettel an jeder gewünschten Stelle.
Der andere im Publicity-Kompetenzteam Pop der SPD soll Smudo von den Fantastischen Vier sein. Mit seinem unerträglichen Betroffenheitsgefasel, das ihn im höchsten Maße Biolektauglich gemacht hat, passt er wie maßgeschneidert zur SPD. Vermutliche Strategie: Smudo wird den von Sasha Eingelullten, die sofort eingeschlafen sind und deswegen noch nicht das Kreuzchen an die richtige Stelle gesetzt haben, so lange ins Gewissen reden und so richtig aufklärerisch für den Gerhard rappen, dass man sich um den Erfolg der SPD bei der jungen Wählerschaft schon jetzt keine Sorgen mehr machen muss.
Michael Jackson gegen Sony
Prince, George Michael, Mariah Carey - sie alle haben den großen Streit mit ihrer Plattenfirma schon hinter sich. Nun ist Michael Jackson, der ehemalige King of Pop, auf die Barrikaden gestiegen. Jackson leidet schon seit längerem an chronischer Geldknappheit, sein letztes Album »Invincible« hatte ihm da ein wenig die Kasse aufbessern sollen. Doch leider ist die Platte, zumindest nach Jackson-Maßstäben, derbe gefloppt. »Thriller« verkaufte sich immerhin weltweit 50 Millionen Mal, von »Invincible« gingen lediglich fünf Millionen Stück über den Ladentisch. Für Sony ist das auch deswegen bitter, weil allein die Produktionskosten für das Werk auf 30 Millionen Dollar taxiert werden. Die Sachlage ist nun die: Jackson fühlt sich von seiner Plattenfirma betrogen und diese wiederum von ihrem schwächelnden Superstar. Jackson behauptet, Sony habe seine Platte zu wenig promoted, Sony muss Jackson nun jedoch die Erkenntnis vermitteln, die der Rest der Welt schon längst hat: Nämlich dass »Invincible« eine mittelmäßige Platte ist, die man einfach nicht besser hat verkaufen können. Erscheint die nächste Platte von Michael Jackson vielleicht bei Kitty Yo?
Rod Steiger ist tot
Rod Steiger war einer der letzten großen des Method-Acting. Er wirkte dabei nie glamourös wie etwa Marlon Brando, sondern immer bullig, stiernackig und schwitzig. Seinen ersten großen Erfolg feierte er 1954 in Elia Kazans »Die Faust im Nacken« als skrupelloser Gewerkschaftsboss, der seinem jüngeren Bruder, dem glanzvollen Marlon Brando, zu wenig Raum zum Atmen ließ.
Rod Steiger war einer, der sich nach oben durchboxen musste. Sein Vater ließ die Familie schon bald im Stich, seine Mutter war Alkoholikerin. Mit Schwierigkeiten kannte er sich aus, vielleicht hat er sich deshalb später nie gesträubt, schwierige Charaktere zu verkörpern. Einen Oscar bekam er 1967 für seine Rolle als Kleinstadtsheriff in Norman Jewisons »In der Hitze der Nacht«. Es war auch hier seine körperliche Präsenz, die überzeugte. Rod Steiger ist am Dienstag vor einer Woche in Los Angeles gestorben.
John Frankenheimer auch
Und noch ein großer Toter Hollywoods mehr: Ebenfalls in Los Angeles ist Ende letzter Woche John Frankenheimer im Alter von 72 Jahren gestorben. Vor allem für das Genre-Kino hat er einiges in Gang gesetzt. Sein Rennfahrerfilm »Grand Prix«, der mit seiner Überlänge durchaus an die Ewigkeit erinnert, die man bei einem Formel 1-Rennen durchschreiten muss, ist ein Klassiker. »The Island of Dr. Moreau« dagegen ist ein wunderbares Stück Horror-Trash mit einem wirklich monströsen Marlon Brando als irrem mad scientist. Sein wahrer Lieblingsschauspieler aber war Burt Lancaster, den er immer wieder in der Hauptrolle besetzte. Ein kleines Comeback gelang ihm mit dem Actionstreifen »Ronin«, in dem sich Robert De Niro und Jean Reno ewige Verfolgungsjagden in Nizza und Paris liefern. Geschwindigkeit und Autos interessierten Frankenheimer bis kurz vor seinen Tod. So ist es nur folgerichtig, dass sein letztes Filmchen ein fünfminütiger Werbestreifen für BMW ist.
Sommerloch
Die Meldungen über Piranhas in schwäbischen Flüssen und vorsintflutliche Riesenschildkröten mit ekligen Beißern in bayerischen Badeseen häufen sich. Sommerloch. Wir sind in Frankreich. Am Strand. Sonne. Keine Piranhas und keine Riesenschildkröten. Und die anhaltenden Probleme zwischen Verona Feldbusch und Dieter Bohlen interessieren uns gerade auch nicht. Deshalb hier keine Meldung, Lücke, Platz für Notizen.