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Nr. 28/2002 - 03. Juli 2002
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Spekulieren mit Moby

Ganz hoch anzurechnen ist Eminem der Diss auf seiner neuen Platte gegenüber Moby, diesem eierköpfigen Weichei mit dem Hang zur Unauffälligkeit. Schließlich nervt der Typ schon seit Jahren mit seinem entsetzlichen Langweiler-Image, dem zur Schau gestellten Gutmenschentum und dem ewigen Betonen, er sei ja trotz seinem immensen Erfolg so was von normal geblieben und so was von zufrieden damit, dass ihn beim Brötchenholen niemand um ein Autogramm anbettelt.

Doch nun hat Moby ausgerechnet dem SZ-Magazin ein Interview gegeben, das in den Teestuben dieser Welt zur öffentlichen Verbrennung der heißgeliebten Moby-CDs führen könnte. In diesem nämlich geht es endlich mal nicht darum, wie man am besten vegan kocht oder warum überhaupt wirklich gute Menschen einfach vegan kochen müssen, was es gegen den Walfang einzuwenden gibt und warum Seehundbabies so süß sind. Stattdessen bekennt sich Moby zu seiner Leidenschaft, an der Börse zu spekulieren und im ganz großen Stil Kohle zu zocken. 15 Millionen Dollar hat der Typ, dessen neue Platte »18« so öde ist wie er selbst, in Aktien angelegt. Im Portfolio werden sich vermutlich nicht ausschließlich Anlagen von Solarenergiefirmen tummeln. Tut man das, als einer, der sonst so sehr darum bemüht ist, um jeden Preis taz-Aboprämien-kompatibel zu erscheinen?

Aber es kommt noch viel derber. Denn außerdem bekennt sich Moby dazu, absolut gegen die Einführung der Tobin-Steuer zu sein, spricht sich für den hemmungslos freien Kapitalismus aus und findet Globalisierungsgegner eher doof. Anscheinend hat Moby inzwischen genug Platten verkauft, denn sonst hätte er bestimmt auch im SZ-Magazin weiter an seinem Image als netter Schlurfi von nebenan gefeilt, der alten Damen über die Straße hilft, und es nicht darauf angelegt, es sich mit seiner potenziellen Klientel zu verscherzen.



Der »Business Consultant«

Eine ganzseitige Anzeige in der SZ leistete sich letzte Woche eine kryptische Vereinigung, die sich zur Parole »Bürger für Schröder« bekannte. Initiiert von Michael Jürgs, Ex-Chefredakteur von Tempo und Stern, forderten er und seine 21 Mitspieler darin mit Hilfe der allseits beliebten Fußball-Metapher eine »Zweite Halbzeit für Schröder«. Schröder wird in der Anzeige zum Trainer Deutschlands erklärt. Die Spieler, die für ihren Trainer alles, bis zur Selbstaufgabe, geben und sich vielleicht sogar wie Ballack für den Erfolg der Mannschaft heroisch opfern würden, sind Sönke Wortmann, Hanns Dieter Hüsch, Iris Berben, Günter Grass. So in dieser Liga eben. Toll wird vor allem Jürgen Klinsmann eingeführt. Und zwar nicht als Bäckersohn aus Stuttgart, USA-Fan, VW-Käfer fahrender Ex-Weltmeister oder schwäbischer Westentaschen-Günter Netzer, sondern als »Business Consultant«. Wie Klinsmann, der Spätzle-Jürgen, zu so einem Titel kommt, bleibt wahrlich rätselhaft.

Das wirklich Peinliche und der wahre Grund, nach dieser Anzeige dann doch lieber Stoiber zu wählen, wird mit der Aufstellung der Puhdys als Ausputzer für Deutschland geliefert. Auch wenn sonst noch einiges gegen Schröder spricht - was man nun überhaupt nicht will, ist, bei der nächsten Bundestagswahl das Kreuzchen an dieselbe Stelle zu setzen wie die Puhdys.



Zeitungspoker

Inzwischen erreichen uns beinahe täglich Horrormeldungen aus der Zeitungsbranche. So klammheimlich wie die taz derzeit vor sich hinjammert, neigt man schon dazu, zu denken, sie wäre das einzige Blatt, dem es noch einigermaßen gut geht. Einigen anderen steht das Wasser inzwischen bis zum Hals, und bei denen ist langsam wirklich verzweifeltes Schreien angesagt.

Darüber, dass die FAZ zahlreiche Stellen abbaut, ihre »Berliner Seiten« bereits geknickt hat und das Feuilleton entschlackt wird, haben wir bereits berichtet. Doch nun gibt es neue Entwicklungen, die vor allem in Berlin, der Frontstadt eines lange Zeit heftigst geführten Zeitungskrieges, Folgen haben werden.

Denn wie nun bekannt wurde, wird der Verlagsriese Gruner + Jahr aus dem deutschen Regionalzeitungsgeschäft aussteigen. Wenn nun auch noch das Kartellamt zustimmt, werden Berliner Zeitung, Berliner Kurier, das Berliner Stadtmagazin Tip und das Anzeigenblatt Berliner Abendblatt für ungefähr 200 Millionen Euro an den anderen Verlagsriesen Holtzbrinck verscherbelt.

Vor allem der Verkauf der tief in den roten Zahlen versunkenen Berliner Zeitung ist dabei von besonderer Brisanz. Schließlich gehört Holtzbrinck bereits die direkte Konkurrenz der Berliner, der vor sich hinkrebsende, aber immerhin nicht defizitäre Tagesspiegel. Nicht nur der lange Zeit zwischen den beiden Blättern geführte Krieg um den Titel der einzig wahren Hauptstadtzeitung dürfte damit perdu sein. Man kann vielmehr auch davon ausgehen, dass danach kräftig Arbeitsplätze eingespart werden und dass eines der beiden Blätter, wahrscheinlich die Berliner, zu einem Provinzblatt umgemodelt wird. Der Tagesspiegel könnte fortan sozusagen konkurrenzlos zu einem noch banaleren, dafür umso pompöseren Langweilerblatt für Berliner, die sich gerne als Weltbürger fühlen möchten, ausgebaut werden. Schön ist das alles nicht.



John Entwistle ist tot

Roger Daltrey kennen alle, Pete Townshend auch, und Keith Moon, obwohl er längst tot ist, erst recht. Doch John Entwistle war eben nur der Bassist von The Who, nicht die Frontsau also, sondern der Wasserträger, der für den Groove zuständig war, auf dem sich die anderen austoben konnten. John Entwistle ist nun im Alter von 57 Jahren gestorben. Mehr muss man dazu wirklich nicht sagen.



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