Fiasko für Musharraf
Die militaristische Regierung, die sich stark genug für die Konfrontation mit dem großen Nachbarn Indien fühlt, dürfte die Bilanz enttäuscht haben. Am Mittwoch vergangener Woche gab die pakistanische Armee bekannt, dass bei einem Gefecht mit mutmaßlichen al-Qaida-Mitgliedern zehn Soldaten getötet wurden. Nur zwei der 30 bis 40 Verdächtigen wurden erschossen, ein Jugendlicher wurde gefangen genommen, alle anderen entkamen.
Dass sich das Fiasko in den autonomen Tribal Areas abspielte, macht die Sache für Präsident Pervez Musharraf nicht einfacher. Denn jene lokalen Machthaber, die gedroht haben, sich der Fahndung nach al-Qaida-Mitgliedern zu widersetzen (Jungle World, 19/02), werden sich durch den Ausgang des Gefechts nicht entmutigt fühlen. Um sie und die Islamisten nicht zu provozieren, hat Musharraf die Präsenz der US-Truppen in der Region auf ein Minimum beschränkt. Generalstabschef Richard Myers lobte zwar die pakistanischen Anstrengungen. Doch ganz zufrieden dürfte er mit der Leistung seiner Waffenbrüder nicht sein.
Schiffe versenken während der WM
Kurz vor dem Halbfinalspiel haben sich nord- und südkoreanische Kriegsschiffe am vergangenen Samstag ein etwa 20minütiges Seegefecht geliefert. Vorläufige Bilanz: vier Tote und ein versenktes Schiff auf südkoreanischer Seite. Beide Seiten machten die je andere für den Zwischenfall verantwortlich. Das südkoreanische Verteidigungsministerium erklärte, nordkoreanische Schiffe seien vorsätzlich in südkoreanische Gewässer eingedrungen, eines hätte daraufhin dort das Feuer eröffnet. Die nordkoreanische Version lautete einfach umgekehrt. Choi Jin Wook, ein Experte des Koreanischen Instituts für Nationale Vereinigung, das an das Vereinigungsministerium der südkoreanischen Regierung angeschlossen ist, sagte der New York Times zufolge: »Es gibt einige Falken in Nordkorea, die die Weltmeisterschaft ruinieren wollten.« Die Tatsache, dass der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Il die Fernsehübertragung einiger Spiele, inklusive der südkoreanischen Siege über Italien und Spanien, genehmigt habe, könne zu dem Wunsch, einen Zwischenfall anzuzetteln, beigetragen haben.
Sorglos vor Gericht
Obwohl ihm theoretisch die Todesstrafe droht, scheint sich der indonesische Milizenführer Eurico Guterres wenig Sorgen zu machen. Er erschien am vergangenen Donnerstag gut gelaunt zur Eröffnung seines Prozesses wegen Verbrechen an der Menschheit und verkündete, er habe nur sein Vaterland verteidigt. Guterres und 17 weiteren Angeklagten wird vorgeworfen, für Morde und Folterungen während der Auseinandersetzungen um die Unabhängigkeit Ost-Timors im Jahr 1999 verantwortlich gewesen zu sein.
Indonesien hatte das Menschenrechtstribunal erst unter starkem internationalen Druck eingerichtet, um einem UN-Tribunal zuvorzukommen. Hohe Militärs, die für die Repression in Ost-Timor verantwortlich waren, wurden jedoch nicht angeklagt. Dass gemäß einem vor zwei Jahren verabschiedeten Gesetz nur pensionierte Staatsanwälte, die unter der Diktatur Suhartos Karriere machten, die Anklage vertreten dürfen, bürgt nicht unbedingt für schonungslose Ermittlungsarbeit. »Es wird immer klarer, dass Indonesien die Arbeit nicht machen kann und nicht machen wird«, erklärte John Miller vom East Timor Action Network.
Fire for Fire
Der nigerianische Polizeichef Tafa Balogun gibt sich liberal: »Es ist besser, wenn 20 Kriminelle der Justiz entkommen, als dass ein unschuldiger Bürger erschossen wird.« Allerdings entspricht die nigerianische Polizeiarbeit nicht immer diesem humanitären Gebot. Die gegen Straßenräuber gerichtete »Operation Fire for Fire« wird von vielen Polizisten als Freibrief für den Schusswaffengebrauch verstanden.
Nachdem am vorletzten Wochenende in der Hauptstadt Lagos zwei Studenten erschossen worden waren, kam es zu Protesten. »Wir Frauen werden eine Nacktdemonstration durchführen, um die Polizeibrutalität gegenüber unseren Kindern anzuklagen«, sagte Abiola Odunbaku, Abgeordnete des Regionalparlaments, am vergangenen Donnerstag der Zeitung Punch. Doch auch die Polizisten protestieren. Bereits im Februar streikten sie für höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen. Wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden, wollen die Polizisten im August erneut die Arbeit niederlegen.
The Winner Takes it All
Marc Ravalomanana, der mit seinem Konkurrenten Didier Ratsiraka seit Monaten um die Präsidentschaft Madgaskars streitet, hat einen wichtigen Verbündeten gewonnen. Am Mittwoch vergangener Woche haben die USA als erster Staat seinen Anspruch anerkannt. Dass diese Entscheidung pünktlich zum 22. Jahrestag der Unabhängigkeit von Frankreich verkündet wurde, mag Zufall sein. Mit der Anerkennung Ravalomananas stellen sich die USA jedoch gegen die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) und gegen Frankreich und signalisieren ein stärkeres politisches Engagement in Afrika. In der Vorwoche hatte die OAU noch beide Kontrahenten zum Kompromiss und zur Auflösung ihrer Milizen aufgefordert.
»Wir begrüßen Marc Ravalomananas Verpflichtung, eine Regierung der nationalen Versöhnung zu bilden«, erklärte Richard Boucher, Sprecher des US-Außenministeriums. Ravalomanana allerdings sagte der BBC, er wolle nicht länger mit seinem Rivalen verhandeln; seine Anhänger kündigten an, ihre militärischen Operationen in den von Ratsiraka kontrollierten Gebieten fortzusetzen.