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Nr. 28/2002 - 03. Juli 2002
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Mittlerweile fragen wir uns in der Redaktion bereits, ob die Misere auf dem Zeitungsmarkt irgendwelche Auswirkungen auf unser Blatt haben könnte. Wenn die anderen keine Anzeigen mehr zugesteckt bekommen, kriegen wir sie dann? Wenn alle ihre Ressorts eindampfen und Stellen einsparen, kommen die Leser dann zu uns, wo die Seitenzahl ebenso konstant bleiben wird wie die üppige Anzahl an Redakteuren? Wir sind jedenfalls guter Dinge. Natürlich könnte die Abozahl höher sein, aber die Abozahl kann natürlich immer höher sein.

Während alle anderen sparen, sparen, sparen, steht bei uns jedenfalls fest: Auch in Zukunft wird erstmal alles so bleiben, wie es ist. Konsolidierung auf, na ja, sagen wir: mittlerem Niveau, lautet das Motto.

Es mag überheblich klingen, aber in Wahrheit haben wir die Krise der Zeitungsbranche schon immer vorausgesehen. Wir wussten von Anfang an, dass Dienstfahrzeuge, Essensgutscheine bei Edelitalienern und ein lockerer Umgang mit Spesenrechnungen irgendwann zur Disposition stehen könnten. Deswegen haben wir von vorneherein auf solche Dinge verzichtet. Und die momentane Entwicklung in der deutschen Presselandschaft bestätigt uns ja schließlich.

Rein psychologisch spricht derzeit alles für uns. Alle schrumpfen, haben Angst vor neuen Einschränkungen, werden immer ärmer, während wir sowas von krisenresistent sind und auch nach Feierabend wissen, dass die mittelprächtige Kaffeemaschine, der flimmernde Fernseher und der ächzende Computer am nächsten Morgen nicht wegrationalisiert sind. Und alles wird besser, Ihre Spenden vorausgesetzt (siehe Seite 32).

Vielleicht finden es die anderen zynisch, dass wir in diesen schweren Zeiten sogar feiern werden. Für manch anderes Blatt mag bald sogar Schluss sein, wir jedoch werden fünf, und das ist so sicher, wie Deutschland nicht Weltmeister geworden ist. Geradezu pietätlos mögen es manche finden, dass uns die Tatsache, dass Gruner + Jahr einschlägige Produkte des Hauses, wie die Berliner Stadtzeitung Tip oder die Berliner Zeitung an das ebenfalls schwächelnde Konkurrenzunternehmen Holtzbrinck verkaufen werden, in dieser Ausgabe nur eine Meldung wert war.

Sorry. Wir hatten zwar einen Artikel über die aktuellen Veränderungen in der deutschen Medienlandschaft eingeplant. Aber auf der vorgesehenen Seite war leider doch kein Platz mehr frei. Denn er war schon für eine große Anzeige reserviert.



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