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Nr. 25/2002 - 12. Juni 2002
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David Lee Roth beim Grillen

Der Erfolg der »Osbournes«, der Reality-TV-Soap über den Fledermauszerbeißer Ozzy Osbourne und seine Familie, ist gewaltig. Nie in der Geschichte von MTV lag die Quote des Senders höher als bei diesem Format. Nun fühlen sich anscheinend weitere Rockgruftis, von denen man nicht mal wusste, dass sie noch leben und das auch gar nicht wissen wollte, dazu aufgerufen, MTV zu noch mehr Glück zu verhelfen. Typen wie David Lee Roth, der ganz früher bei Van Halen shoutete, bevor Sammy Hagar übernahm, und sogar Gene Simmons von Kiss, der Mann mit der längsten Zunge der Welt, wollen ihren gruseligen Altrockeralltag gerne nach dem Vorbild der »Osbournes« von MTV verbraten lassen. Sogar Probeaufnahmen existieren bereits. Die eine zeigt Lee Roth, den ehemaligen Gigolo mit der geilsten Metallermatte aller Zeiten, beim Grillen und die andere Simmons, wie er von der Mutter seiner Kinder mit einem Kuchen beworfen wird. Wollen wir so etwas wirklich sehen? Sogar als Fortsetzung? Ehrlich gesagt: ja.

Doch nicht nur die wirklich verranzten Rocker wollen ihre TV-Shows, auch Sean Combs, ehemals Puff Daddy und heute bekannt als P. Diddy, und Courtney Love wollen ins Fernsehen. Beide verhandeln ebenfalls mit MTV über eventuelle Serials. Love würde sich sogar, nach eigener Aussage, für ihre Show angezogen in die Badewanne legen.



MTV kills Viva

Eine wirklich tolle Pointe wäre es, wenn die Übernahmeschlacht um die Viva Media AG mit dem Sieg von Viacom enden würde. Dann würde nämlich der Mutterkonzern von MTV Dieter Gornys Videoclip-Dudelkanal übernehmen und damit wäre der Konkurrenzkampf zwischen MTV und Viva wohl gelaufen. Jedoch ist es ganz egal,was am Ende passiert, ob nun AOL Time Warner oder Viacom die Anteile der bisherigenen Viva-Großaktionäre EMI und Vivendi Universal übernehmen werden: Schlimmer kann es mit Viva nicht mehr kommen. Seit dem Ende von Viva 2 und dem Start von Viva Plus schaut eh niemand mehr Musikfernsehen. Zumindest niemand, der keine Lust auf eine Bindehautentzündung durch die Sichtung von zuviel Powackel-Clips hat. Soll Viva übernehmen, wer will, sollen sie mit dem Laden machen, was sie wollen. Ist uns völlig egal. Denn wenn Viva Popkultur ist, dann scheißen wir auf Popkultur.



Schrei, wenn du kannst

»Scream 4« läuft nicht etwa im Kino, sondern fand bereits im wirklichen Leben statt. Ein 17jähriger Schüler aus Nantes hat sich an die Fortsetzung der Slasher-Trilogie von Wes Craven gemacht. Er hat sich wochenlang die »Scream«-Filme angeschaut, die einerseits virtuos mit der Mythologie des Slasherfilm-Genres an sich spielen und sich andererseits von Fortsetzung zu Fortsetzung auf ein selbstkreiertes »Scream«-Regelwerk beziehen. Die »Scream«-Trilogie gilt wegen ihres wilden Zitatgeflechts und ihrer intertextuellen Verweise als ein Musterbeispiel für postmodernes Kino.

Der »Scream«-Fan hatte nach dem intensiven Konsum von Gemetzel auf dem Bildschirm dann irgendwann Lust, selber jemanden abzumurksen, am besten ein Mädchen. Denn wie man spätestens seit Jamie Lee Curtis' Gekreische in »Halloween« weiß, schreien Mädels schließlich am besten. Der Junge aus Nantes rief also nacheinander zwei Freundinnen an, die jedoch keine Zeit hatten. Aber die dritte. Sieben Mal stach der Slasher zu.

Natürlich wird dieser Fall weiter die internationale Gewaltmediendebatte anheizen. Nach den Ego-Shootern könnte nun der Horror- und Brutalofilm wieder in den Fokus der Ankläger geraten. Und Wes Craven selbst kann sich schon mal, wie zuletzt sein Kollege Oliver Stone nach einem Mord, der »Natural Born Killers« zum Vorbild hatte, auf eine Anklage gefasst machen.

Künstler sollen schließlich für die Wirkung, die ihre Kunst bei labilen Menschen auslösen kann, haftbar gemacht werden können. Diese Forderung, so schwachsinnig sie auch sein mag, hört man in letzter Zeit immer öfter. Wes Craven kann im Übrigen froh sein, dass niemand auf die Idee kam, eine explizite Szene aus seinem Schocker-Klassiker »The house on the left« nachzustellen. Das Aufsehen wäre bestimmt noch größer als beim »Scream«-Mord. Wird hier doch die Kettensäge angeschmissen und mit viel Liebe zum Detail ein Schwanz abgeschnippelt.



Einmal zu oft gekuschelt

»I Believe I Can Fly« war sein größter Hit. R. Kelly ist einer der Superstars des R&B, dazu noch einer mit einem ausgeprägten Kuschelimage. Seine Songs sollen geradezu zum Sex auf Seidenlaken einladen, sie sind immer ein wenig lasziv, aber nie wirklich anrüchig. Doch jetzt wird R.Kelly von wirklich handfestem Schmuddelkram eingeholt. Ihm drohen 15 Jahre Haft wegen Kinderpornografie. Er soll sich mit einer 14jährigen vergnügt haben, doch nicht nur das, er hat das Ganze auch noch gefilmt. Das dabei entstandene Video bezeichnen R.Kelly und seine heute 17jährige ehemalige Partnerin als Fälschung. Das Urteil steht noch aus.

Anscheinend wird der anrüchige R. Kelly-Porno inzwischen in den USA an jeder Straßenecke verscherbelt. Eine gelungene Promotion dürfte sich der amerikanische Superstar wahrscheinlich anders vorstellen. R. Kellys Fall wird dadurch noch brisanter, dass er in den letzten Jahren bereits von drei Minderjährigen verklagt wurde, die er aber jeweils mit außergerichtlichen Entschädigungen besänftigen konnte.



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