Die Musikindustrie klagt bekanntlich seit einiger Zeit über Umsatzrückgänge. Die Hauptursache für die viel beschworene Krise ist längst ausgemacht: die fehlende Moral der Musikkonsumenten. Diese ziehen sich fleißig ihre MP3-Files aus dem Internet, ohne sich irgendeiner Schuld bewusst zu sein, und inzwischen werden gar mehr CD-Rohlinge als bespielte CDs verkauft. Nun hat jedoch eine Studie der Universitäten von Connecticut und Buffalo das bestätigt, was man schon immer geahnt hatte. Und zwar, dass die Musikindustrie eine recht anzweifelbare Gleichung aufgestellt hat. Richtig sei zwar, dass wegen den Tauschbörsen im Internet die bereits etablierten Superstars weniger Platten verkaufen würden, Newcomer hätten deswegen jedoch bessere Chancen, Aufmerksamkeit zu erregen und so auch Platten zu verkaufen.
Das Marktforschungsinstitut Jupiter Research fand ergänzend dazu heraus, dass zwar 34 Prozent der Tauschbörsen-Stöberer weniger, 52 Prozent jedoch mehr Geld für Musik ausgeben würden. Schließlich gehe es bei den Tauschbörsen nicht nur darum, sich kostenlos Songs herunterzuladen. Viele würden sich einfach nur informieren und dabei neue Acts kennenlernen, deren Platten dann doch im Laden erstanden würden.
Diese Erhebungen machen nochmals deutlich, dass die Musikindustrie mit den Angriffen auf Internet-Tauschbörsen lediglich ihre eigene Behäbigkeit kaschieren möchte. Lief es für sie doch so toll, als noch alle blind die jeweils neuesten Alben der Michael Jacksons und Mariah Careys dieser Welt kauften und man sich deshalb um den progressiven, aber weniger gewinnbringenden Nachwuchs kaum kümmern musste.
Der Zugang zu Tauschbörsen ermöglicht nun eben den skeptischeren, mündigeren Endverbraucher, der sich nicht mehr einfach jeden Quatsch vorsetzen lässt. Und der war seitens der Major-Labels einfach nicht eingeplant. Auch wenn es die Musikindustrie anders sieht, Tauschbörsen wie »Kazaa« oder »Morpheus« bringen bessere Musik ins eigene Wohnzimmer und berauben Musiker erst recht nicht ihrer Existenzgrundlage.
Stefan Faad
Man kennt das noch von früher, von der Grundschule. Witzchen über Nachnamen zu machen, war immer schon ein beliebter Pennälersport. Und da Stefan Raab bekanntlich kein Niveau zu niedrig wäre, um eines seiner flauen Späßchen zu machen, hat er nun eins von ihnen der 17jährigen Schülerin Lisa Loch aus Essen gewidmet. Sie wurde vor kurzem Schönheitskönigin in einem Mühlheimer Einkaufszentrum, was der »RTL«-Sendung »Explosiv« einen Beitrag wert war, der natürlich bei den Gag-Sichtern von »TV Total« landete. Sie übergaben ihn an Raab, der die großartige Idee hatte, Lisa Loch könne sich fortan ja den Künstlernamen - Buhaaa! - »Petra Pussy« zulegen oder wenigstens unter ihrem herkömmlichen und äußerst prägnanten Eigennamen eine Karriere in der Pornobranche starten.
So weit, so fad, und eigentlich auch nicht weiter berichtenswert. Doch irgendwie scheint Raab dieses Mal zu weit gegangen zu sein. Lisa Loch geht inzwischen per Strafantrag gegen Raab vor, weil ihre Mitschüler seit dem Beitrag in »TV Total« aus dem Namenswitzchenmachen nicht mehr herauskommen. Eine erreichte Einstweilige Verfügung verbietet Raab bereits, nochmals einen Zusammenhang zwischen Lisa Loch und dem Pornobusiness herzustellen, und selbst »Pro 7« distanziert sich inzwischen von dem TV-Totalausfall Raabs. Denn Lisa Loch ist minderjährig, und da muss man nun wirklich nicht prüde sein, um Raabs Scherzchen mit einer Schülerin geschmacklos zu finden. Wird Raab gegenüber dem Mädchen nochmals auffällig, droht ihm ein Ordnungsgeld in Höhe von 250 000 Euro. Wir drücken die Daumen.
Erschütternd: Penis immer noch klein
Die Schweizer Botschaftergattin Shawne Fielding-Borer hatte vor kurzem eine Fehlgeburt, was der Bild einen Aufmacher mit der Schlagzeile »Sex-Schock - Baby verloren« wert war. Daraus zimmerte Gerhard Henschel auf der »Wahrheit«-Seite der taz ein Textchen, das sich unter der Überschrift »Sex-Schock! Penis kaputt?« mit einer angeblichen und auch noch missglückten Penisverlängerung des Bild-Chefredakteurs Kai Diekmann auseinandersetzt. Darin wird Skandalöses rund um den Vorfall aufgedeckt und u.a. behauptet, Diekmann habe sich für seinen Selbstversuch an »Fleischteilen aus den Genitalien einer männlichen Leiche« bedient. Diese Unterstellung fand der Bild-Sheriff nun gar nicht lustig und verklagte deshalb die taz auf 50 000 Euro Schmerzensgeld. Ausgerechnet Schmerzensgeld. Aber was kann denn nun die taz dafür, wenn die Operation so schmerzhaft verlaufen ist?
Prüfstelle lief nicht Amok
Wir sehen uns auf der nächsten »Counter Strike«-LAN-Party. Denn wider Erwarten ist das seit Erfurt arg in die Kritik geratene Ego-Shooter-Game »Counter Strike« von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften nicht indiziert worden. Man kann also ruhigen Gewissens auch weiterhin Terroristen und Anti-Terror-Einheiten auf dem Bildschirm aufeinander hetzen. Bundeskanzler Schröder und so mancher besorgte Pädagoge finden diese Entscheidung natürlich nicht so gut. Denn vor allem »Counter Strike« soll Robert Steinhäuser, der das Game anscheinend dauernd zockte, dazu animiert haben, mit der Lehrerschaft an seiner früheren Schule mal so richtig aufzuräumen. Deshalb lautet die These der Gewaltspielgegner, dass »Counter Strike« den Steinhäuser in uns allen wecken kann. Nicht also die Unzufriedenheit mit einer eventuell bestehenden miesen Lebenssituation macht uns zu Amokläufern, sondern das harmlose Spiel an einem Computer.