Feuer frei!
Gut gezündelt! Und sympathischerweise zwischen den beiden Atommächten Indien und Pakistan. Am Dienstag vergangener Woche haben drei Bewaffnete in Armeekleidung im von Indien kontrollierten Teil Kaschmirs ein Massaker angerichtet. In einem Vorort von Jammu, der Hauptstadt Kaschmirs, schossen sie zunächst aus automatischen Waffen auf einen Bus, wobei sieben Menschen ums Leben kamen. Dann töteten sie auf einem indischen Kasernengelände mindestens 23 Zivilisten und Soldaten, nach Polizeiangaben auch zehn Kinder. Nach einem stundenlangen Feuergefecht mit indischen Soldaten waren die drei Attentäter schließlich selber tot. Indischen Geheimdienstlern zufolge handelte es sich bei den Angreifern wahrscheinlich um Mitglieder der in Pakistan ansässigen islamistischen Gruppierung Lashkar-e-Toiba, die neben der Gruppe Jaish-e-Muhammad bereits für einen Angriff vom Dezember auf das indische Parlament, bei dem 14 Menschen starben, verantwortlich gemacht wurde.
Daraufhin stockten Indien und Pakistan ihre Truppen an der Grenze weiter auf, rund eine Million Soldaten stehen sich dort seither gegenüber. Seit der Attacke vom Dienstag der vergangenen Woche wachsen die Spannungen. Am Freitag kam es zu Feuergefechten, das indische Bundesparlament verabschiedete eine Resolution, in der härtere Maßnahmen gegen die Gewalt von Separatisten gefordert wurden. Am Samstag wies die von der hindunationalistischen BJP dominierte indische Regierung nach einer Krisensitzung des Kabinetts den pakistanischen Botschafter Ashraf Jehangir Qazi aus. Ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums bezeichnete die Entscheidung als bedauerlich, weil sie die Spannungen verschärfe, statt sie abzubauen.
Bereits 1999 soll sich Pakistan im Kaschmir-Konflikt mit Indien darauf vorbereitet haben, möglicherweise Atomwaffen einzusetzen. Das berichtete die Washington Post in der vergangenen Woche unter Berufung auf einen Report von Bruce O. Riedel, der unter William Clinton im Nationalen Sicherheitsrat der USA mit Südasien betraut war.
43 Jahre Missverständnisse
Für eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten von Amerika will sich der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter beim derzeitigen Herrn des Weißen Hauses, George W. Bush, einsetzen. Carter warnte allerdings vor zu großen Erwartungen: Nach »43 Jahren Missverständnissen und Abgrenzung kann eine kurze Rundreise die Beziehungen zwischen zwei Völkern nicht verbessern«, sagte er in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN bei seiner Abreise aus Kuba in der vergangenen Woche.
Zum ersten Mal seit der kubanischen Revolution hielt sich ein namhafter US-amerikanischer Politiker auf der größten Karibikinsel auf. Bei seinem als »historisch« bezeichneten sechstägigen Aufenthalt wurde Carter von Staatspräsident Fidel Castro empfangen. In einer Rede in der Universität von Havanna, die direkt im kubanischen Fernsehen übertragen wurde, forderte Carter umfassende gesellschaftliche Reformen. Der ehemalige US-Staatschef unterstützte dabei nachdrücklich eine Initiative kubanischer Dissidenten, die vom kubanischen Parlament eine politische Öffnung des Landes, die Zulassung von Oppositionsparteien, eine Amnestie für »politische Gefangene« und eine Reform des Wahlgesetzes verlangt. Mehrmals hatte sich Carter mit kubanischen Dissidenten getroffen.
Djerba, Omar und Ussama
Am Wochenende rauschten wieder massenhaft News von al-Qaida ein. Die in London herausgegebene Tageszeitung Asharq al-Awsat will ein Interview mit einem ranghohen al-Qaida-Kommandanten geführt haben. Abdul Azeem Muhajer eklärte demzufolge, al-Qaida sei für den Anschlag auf die Synagoge von Djerba in Tunesien verantwortlich. Die »Djerba-Operation« sei vom al-Qaida-Mitglied Nizar Seifuddin (Kampfname »Seif«) durchgeführt worden.
Die gleiche Zeitung veröffentlichte ein angebliches Interview mit Mullah Omar. Demnach sagte der Taliban-Chef, die Schlacht in Afghanistan habe gerade erst begonnen, ihr Feuer werde das »Weiße Haus erreichen, denn es ist die Zentrale der Ungerechtigkeit und der Tyrannei«. Im Übrigen sei Ussama bin Laden, der Chef der al-Qaida, noch am Leben.
Der Sunday Times wiederum liegt nach eigenen Angaben ein bislang unveröffentlichtes Video bin Ladens vor. Die Zeitung gibt an, das Video von einer islamischen Nachrichtenagentur aus Birmingham erhalten zu haben. Die Agentur habe erklärt, einer ihrer Journalisten habe das Video von einem Pakistaner erhalten, der gesagt habe, die Aufnahmen stammten aus dem Monat März. Die Aufzeichnung sei auf einer verschlüsselten CD-Rom gewesen. Sollte das Video echt sein, wäre dies der erste Beweis, dass bin Laden die Bombenangriffe in Afghanistan auf al-Qaida- und Talibanstellungen überlebt hat.
Kim im Knast
Hoppla! Am Samstag ist Kim Hong-gul, der jüngste Sohn des südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jong, in Seoul verhaftet worden. Nach Angaben des Gerichts, das den Haftbefehl ausstellte, hat er unter anderem 66 000 Aktien im Wert von umgerechnet gut einer Million Euro von einem Geschäftsmann erhalten, um einer Lotteriegesellschaft beim Aufbau ihres Geschäfts zu helfen, meldete die Nachrichtenagentur Reuters. Der Korea Herald zeigte sich ungewohnt kritisch: »Das politische System der Nation räumt dem Präsidenten fast unumschränkte Macht ein, wovon ein Teil auf Verwandte und enge Berater übergeht. (...) So verwundert es kaum, dass das Blaue Haus (der Präsidentensitz) das Ziel zahlloser Lobbyisten und nach Einfluss Suchender ist.«