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Nr. 21/2002 - 15. Mai 2002
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Blackness-Fahndung

Prinzipiell kann man eine neue Zeitschrift, die es sich vorgenommen hat, Musik nicht nach Genres sortiert wahrzunehmen, nur begrüßen. Schließlich haben Soul und Jazz dieselben Wurzeln wie HipHop, und außerdem gestaltet sich die gegenseitige Befruchtung einzelner Genres und Spielarten viel unübersichtlicher als es segmentierte »Fachzeitschriften«, die sich möglichst ausschließlich für HipHop oder Jazz zuständig zeigen, transparent machen können.

Das erste Problem allerdings, das auftaucht, wenn man sein Heft Black Music nennt, ist, dass es folgerichtig auch eine White Music geben muss. Und schon befinden wir uns in einer unseligen Debatte, bei der eine entscheidende Erkenntnis immer sein wird, es mit identitären Konstruktionen zu tun zu haben, die man mit seinem Pochen auf Differenz eher zementiert als unterminiert. Bei der gerade mit einer Mai/Juni-Nummer erstmalig erschienenen Zeitschrift Black Music macht man es sich eben doch wieder allzu leicht, obwohl man vorgibt, Schwieriges zu verhandeln. Das Konzept lautet: Wir kümmern uns um »Soul, Jazz, House, HipHop und Kultur«. Rock, das wird auch durch das inhaltliche Themenspektrum klar, wird draußen bleiben müssen, weil dieser mal wieder als weiße Musik verstanden wird. Was nicht nur angesichts von Jimi Hendrix, sondern auch angesichts der eindeutig vorhandenen Wurzeln in schwarzem R&B bei all den weißen Rockbands von Led Zeppelin bis Nirvana einfach Unfug ist.

Wie schnell man sich mit der konzeptuellen Fahndung nach Blackness in die Nesseln setzen kann, zeigt sich auch daran, dass man etwa die komische Neofolk-Tante Abraham mit ins Heft holt, der man tatsächlich die Produktion von Future Soul unterstellt, was eine reine Projektion ist. Auch angesichts der Tatsache, dass diese mit ihrem Image als etwas modernere Lagerfeuerklampferin ganz offensichtlich nur weiße Codes verhandelt.

Das wäre aber alles nicht so schlimm, und man würde bei der ersten Ausgabe einer neuen Zeitschrift auch darüber hinwegsehen, dass die Artikel gähnend langweilig sind, aber etwas zu absurd wird es dann doch im Editorial. Dort heißt es: »So haben wir uns u.a. das Ziel gesetzt, die deutsche Sprache, in den Medien mittlerweile zum Klon der englischen Sprache und eines wenig zuträglichen Gossenslangs (und schon wieder ...) fusioniert und verkommen, wieder zu beleben.« Ausgerechnet in so einem Blatt, das sich fast ausschließlich um afro-diasporische Musik kümmern möchte, kommt man auf die Idee, sich um die Reinhaltung der deutschen Sprache kümmern zu müssen. Wie erbärmlich. Warum heißt dieses Deppenblatt eigentlich nicht »Schwarze Musik«?



Statt einer Anzeige

Plötzlich geht es nicht mehr nur der taz so richtig dreckig, sondern die ganze Presse-Branche verfällt kollektiv der Jammerei. Die großen deutschen Tageszeitungen reiben sich derzeit nicht mehr nur in Kämpfen um Territorien wie NRW oder die Hauptstadt Berlin auf, sondern auch in der Schlacht um Anzeigen. Die fehlen nämlich. Nachdem vor ein paar Jahren das Internet so richtig explodierte, wurde dieses Schreckensszenario bereits entworfen, weil man annahm, die Werbebranche würde sich auf virtuelle Plattformen stürzen wie die Geier auf ihr Aas.

Nach der New Economy-Hysterie hätte man angenommen, dass nun aufgeatmet werden könnte, doch nun erwischt es die Branche tatsächlich eiskalt. 42 Prozent weniger Anzeigen konnte etwa die FAZ im Vergleich zum Vorjahr für sich einheimsen, und bei den Konkurrenten von der SZ oder der Welt sieht es kaum besser aus. Eine leicht panische Stimmung breitet sich deshalb aus bei all unseren tollen Spitzenblättern. Der Springer-Verlag hat ja bekanntlich bereits die Welt mit der Berliner Morgenpost teilfusioniert, die FAZ wollte ihr Feuilleton nach Berlin schicken, was sie dann doch nicht tat, dafür wurden die prestigeträchtigen »Berliner Seiten« gekürzt. Und auch die SZ ist ganz übel am Herumlavieren. Gerade hat man die Bleiwüste der Wochenendbeilage durch einen kruden Lifestyle-Mix ersetzt, in dem das längst öde gewordene Geschreibsel aus dem SZ-Magazin einfach für die Wochenendausgabe verlängert wurde, während das SZ-Magazin selbst, genauso wie die hauseigene Erbauungslektüre für coole Kids, das Jetzt-Magazin, inzwischen zur Disposition steht. Neuer Branchenführer wird, wenn alles nach Plan verläuft, demnach die Jungle World.



Zurück zur Natur

Er war der Lieblingsregisseur für die hemmungslos Frankophilen unter uns: Yves Robert. Sein Kinderfilm »Der Krieg der Knöpfe« aus dem Jahr 1961 war genauso ein Erfolg wie die Verfilmungen der autobiografischen Romane Marcel Pagnols »Der Ruhm meines Vaters« und »Das Schloss meiner Mutter«. Robert kultivierte den melancholischen Blick zurück in die Kindheit, auf das Gewesene, wobei sich gute und schlechte Zeiten abwechselten. Dieses vergangene Leben spielte sich nicht wie sonst im französischen Film in Paris ab, sondern auf dem Land, in der Provence, und damit in unseren liebsten kitschigen Imaginationen von ursprünglicher Idylle.

Allerdings muss man Robert auch für die Filme »Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh« und »Der große Blonde kehrt zurück«, die uns Pierre Richard bescherten, verantwortlich machen. Richard nervte gewaltig, und nervige Komiker hatten und haben wir in Deutschland schließlich schon selbst genug.

Yves Robert starb in der vergangenen Woche im Alter von 81 Jahren.



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