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Nr. 19/2002 - 30. April 2002
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Der letzte linke Student XXVIII

Zeigt Solidarität!

Der letzte linke Student ist noch immer der letzte linke Student. Denn: Er ist richtig radikal. Und er isst noch immer richtig. Und macht keinen Scheiß. Und das: nie. Aber: Der letzte linke Student ist nicht mehr allein. Denn: Der letzte linke Student hat Freunde gefunden. Die sind: fast so links wie er. Und sind nicht: heimliche Spießer wie die Vorsitzende des AStA oder die schönste Studentin. Oder: der, der sich noch immer Kommunist nennt. Nein, die neuen Freunde sind revolutionär.

Heute bereitet sich der letzte linke Student auf die 1. Mai-Demo vor. Denn: Der 1. Mai ist der Tag, an dem die Arbeiter zeigen, dass sie da sind. Und sie zeigen: dass sie wissen, dass sie Rechte haben. Und sie demonstrieren vor allem: für den Umsturz. Da möchte der letzte linke Student nicht danebenstehen. Und, und das ist eine richtige Freude: Die neuen Freunde möchten auch nicht danebenstehen. Denn sie sind: voll solidarisch. Der letzte linke Student ist auch voll solidarisch. Deswegen: trägt er sein neues rotes Hemd. Deswegen: trägt er sein neues Palästinensertuch. Deswegen: hält er eine rote Fahne in der Hand.

So demonstriert der letzte linke Student nun schon im Bus seine Solidarität. Und er zeigt: Krieg ist scheiße. Und er zeigt auch: Kapitalismus ist scheiße. Und er zeigt sogar noch: Dass alles besser werden muss. Und das Beste ist: Das alles zeigt der letzte linke Student ohne Worte. Denn: Er sieht aus wie ein Revolutionär. Und folglich: erkennt man ihn als Revolutionär. Weil: im Sozialismus ist stets genau das drin, was draufsteht.

Doch: Als er auf dem Demoplatz ankommt, wird ihm mulmig. Polizei ist da. Die Polizisten und Polizistinnen stehen in Kampfmontur herum. So demonstrieren sie: die Macht des Staates. Und: Dass sie ganz fies gewaltbereit sind. Daher denkt der letzte linke Student: oh, oh. Und er stellt: sich an den Rand der Demo. Die Demonstranten wollen: eine Revolution. Die Polizei aber will: Krieg. Und wird: ihn sich holen.

Das analysiert der letzte linke Student. Und sucht: nach seinen neuen Freunden. Denn allein: machen sie dich ein. Die neuen Freunde aber haben kein rotes Hemd an. Und haben auch keine rote Fahne. Aber sie tragen: ein Palästinensertuch. Allerdings: vor Nase und Mund. Und: die neuen Freunde haben keine Angst. Im Gegenteil: sie kämpfen bereits. Und zwar: mit Provokateuren. Das sind: die, die eine Israelfahne dabei haben. Dass das Provokateure sind, das ist klar. Weil: Israel ist ein Staat. Doch Staaten sind: scheiße. Und: Israel führt Krieg. Krieg ist aber: eine Sache der Polizei. Denn die Linke: die ist keine Freundin des Krieges. Ihre Sache ist: die revolutionäre. So definiert es: Trotzki. Oder: Lenin.

Auf jeden Fall: Plötzlich gibts Krawall. Die neuen Freunde beginnen die Provokateure zu stoßen. Und jetzt kommt: die Polizei dazwischen. Das beweist: Die Provokateure sollten die Demo sprengen. Und die Polizei: hat darauf gewartet. Jetzt aber: kriegt die Polizei Dresche. Und dann: verdrischt sie die Demonstranten. Und: hin. Und: her. Der letzte linke Student aber steht in einem Hauseingang. Er steht: hinter der Tür. Bekanntlich: muss er sich tarnen. Weil er: überleben muss. Denn er ist: ein Theoretiker.

Heute Abend wird er etwas in sein goldenes Notizbuch schreiben. Es wird sein: eine gelungene Beobachtung. Oder: ein Apercu. Wir jedoch sollten jetzt erst mal voll solidarisch kämpfen.

jörg sundermeier



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