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Nr. 19/2002 - 30. April 2002
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Der tolle Bulle

Im »Leben«, dem Supplement der Zeit für eine Fungeneration, wie sie sich so nur dem Hamburger Bleiwüsten-Wochenblatt erschließt, kann man sich vor lauter sinnlosen Kolumnen gar nicht mehr retten. Eine davon ist »7 Tage mit ...«, wo Semi-Promis oder einfach »interessante« Menschen ihre Planung für die nächste Woche präsentieren können. Dieses Mal durfte Polizeioberrat Christian Matzdorf, 37, ran. Er legt dar, wie bei ihm die Woche vom 25. April bis zum revolutionären 1. Mai aussehen wird. Interessant ist, sich vorzustellen, was für unglaublich dufte Typen unsere Polizisten sein müssen, wenn sie alle so drauf sind wie unser Polizeioberrat. Bisher dachte man ja eher, das wären alles so Spacken, bei denen es für einen anständigen Job nicht gelangt hat und die zum Böhse-Onkelz-Konzert auch privat gehen. Aber nein. Ganz falsch.

Hier ein wenig Poesiealbumartiges von unserem funky Bullen, einem Schöngeist und sportlich lässigen Typen, den man am liebsten vom Fleck weg heiraten möchte. Donnerstag: »Am Ende eines Tages steht bei mir immer der Sport: Radfahren, Fitnesstraining, Win Tsun, eine asiatische Form des Kampfsports, oder Iscrima, ein philippinischer Stockkampf. Vielleicht gehe ich danach mit Freunden zu einer After-Work-Party. Ich liebe Techno, einen guten Mojito und die Bewegung.« Freitag: »Habe ich Karten fürs Cabaret, Cora Frost singt. Am Abend legt ein Freund von mir in einem Club auf.« Samstag: »Die Woche war anstrengend. Zur Entspannung höre ich Musik, meistens Techno, elektronische chill out-Klänge, manchmal auch die Brandenburgischen Konzerte.« Sonntag: »Bei gutem Wetter fahre ich raus zum Rollerbladen.« Montag: »Um zehn bin ich als Zeuge beim Amtsgericht geladen: Es geht um einen unterschlagenen Hund.«



Ja zur Insolvenz

Dass Insolvenzen auch positive Seiten haben können, beweist nun das Aus für den Berliner Idiotenkanal TV Berlin. Nicht mal beim Zappen trifft man gern auf ihn, weil sich dort nicht mal guter Schund, sondern nur totale Ödnis auf dem Bildschirm breit macht. Der Fernsehsender gehört appetitlicherweise auch noch Thomas Kirch, dem Sohn von Leo Kirch, womit langsam der ganze Familien-Clan in die Bredouille gerät.

Ein extrem positiver Nebeneffekt des Ganzen ist, dass bereits der unsägliche Frank-Steffel-Fan und PDS-Hasser Georg Gafron von seinem Pöstchen als Geschäftsführer zurückgetreten ist und dieselbe Position bei Radio Hundert, 6 gleich noch dazu aufgegeben hat. Jetzt muss Hundert, 6 nur auch noch Insolvenz beantragen und es besteht wieder Hoffnung für den Medienstandort Deutschland.



Endgültig PorNo

Spätestens seit Alice Schwarzer wissen wir ja, dass Pornos ganz arg pfui sind. Wegen der Ausbeutung der Frauen und so. Raus aus der Schmuddelecke in den Videotheken ist der Balzfilm ja auch wirklich nie gekommen. Mit einer Ausnahme vielleicht. Der Porno »Deep Throat« von 1972 ist längst Kult und hat die Aufnahme in so manches Programmkino mit Kunstanspruch gefunden. Vor allem, weil es darin eine Art Handlung gibt, eine bizarre bis surreale noch dazu. Das Tolle an der Protagonistin des Films, die von Linda »Lovelace« Boreman verkörpert wird, ist außerdem, dass sie ihren G-Punkt nicht dort hat, wo er im allgemeinen zu finden ist, sondern in ihrer Kehle. Was den gemeinen Blowjob um einiges schillernder erscheinen lässt. Boreman, die später zur erbitterten Pornogegnerin wurde, starb in der vergangenen Woche im Alter von 53 Jahren an den Folgen eines Autounfalls.



CDU für bessere Discos

In Baden-Württemberg bricht ausgerechnet die CDU eine Lanze für die DJ-Culture. Um die Nebenwirkungen von zu lauter Musik in Diskotheken zu verhindern, möchte sie »Führerscheine« für DJs und Disco-«Gütesiegel« einführen. Das können wir natürlich nur begrüßen. Und bei schlechtem Mixing wird der Lappen einfach eingezogen.



50 Jahre lang dasselbe

Der New Musical Express feiert seinen 50. Geburtstag. Zum Jubiläum des Wochenblatts für die britische Popjugend gibt's eine Sondernummer, die von 50 Jahren Sex, Drugs and Rock'n'Roll kündet. Dieser Aufhänger macht recht gut das Dilemma klar, in dem sich der NME befindet: Ihm fällt einfach nichts mehr ein, und so verkauft er die immer gleichen Mythen einfach dauernd neu.

Das Blatt, das zu den Hochzeiten des Punk enorm einflussreich war und vor allem mit Julie Burchill eine der großartigsten Verkünderinnen eines neuen Aufbruchs am Redaktionsschreibtisch sitzen hatte, ist längst nur noch zwanghaft auf der Suche nach neuen Hypes, die die Welt meist nicht braucht. Gut, zuletzt hat die Zeitschrift entscheidend dazu beigetragen, dass die Strokes nun überall als Retter des Rock'n'Roll gefeiert werden. Doch die Penetranz, mit der dies durchgesetzt wurde, diese Mischung aus Boulevard und blinder Ehrfucht, nervt längst gehörig. Den käsigen Hype-Popjournalismus, der irgendwelche Gitarrenschwingerbands im Olymp sehen möchte, braucht man heutzutage wirklich nicht mehr.

Derzeit bedrängt den NME zu allem Überfluss auch noch die Konkurrenz des Nu-Metal-Magazins Kerrang, das über amerikanischen Crossover-Quatsch berichtet, den die Briten zum Leidwesen der Britpop-Fahnenträger beim NME zur Zeit lieb haben. Da kann man für den NME nur hoffen, dass die nächste Platte von Oasis gut wird.



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