Explosion auf Djerba
Ein »tragischer Unfall« war das, erklärten die tunesischen Behörden. Sie meinten damit die Explosion eines angeblich mit Gas beladenen LKW vor der Synagoge El Ghriba auf der tunesischen Ferieninsel Djerba. Ruckzuck wurde der Tatort auf höchste Anweisung aufgeräumt, was einer absichtlichen Spurenvernichtung glich. Bis Sonntagabend starben 17 Menschen an den Folgen der Explosion.
Doch niemand glaubt die offizielle Version. Die tunesische Menschenrechtsgruppe CRLDHT schrieb in einer Erklärung: »Die Version der Regierung ist insbesondere zweifelhaft, wenn wir berücksichtigen, dass die Synagoge in einer Sackgasse steht.« Da sich unter den Todesopfern auch elf deutsche Touristen befinden, wurden zwei Beamte des Bundeskriminalamtes zum out-of-area-Einsatz in Tunesien abgestellt.
Das autoritäre tunesische Regime unter Präsident Ben Ali geht seit rund zehn Jahren hart gegen die einheimischen Islamisten vor, die bislang als weniger militant eingeschätzt wurden als die islamistischen Gruppierungen in Algerien und Ägypten. Sollte die Explosion auf das Konto einer Islamistenorganisation gehen, dürften die Spannungen im Lande wachsen und die Einnahmen aus der wichtigen Tourismusbranche zusammenschmelzen.
Schnelle Truppe
Diesmal waren die Russen schneller. Vor der Ende des Monats erwarteten Ankunft der US-Soldaten, die georgische »Anti-Terror-Einheiten« trainieren sollen (Jungle World, 12/02), landeten russische Elitetruppen am Freitag in der georgischen Region Kodori. Im Gegensatz zu den US-Soldaten sind sie der Regierung nicht willkommen. Präsident Eduard Schewardnadse flog sofort nach Kodori und verkündete anschließend, man habe ihm einen schnellen Rückzug zugesagt. Der russische Kommandant allerdings erklärte: »Das Problem wird auf einer höheren Ebene diskutiert und gelöst werden.«
Die russische Regierung deklarierte die Operation als Verstärkung der Friedenstruppe, die den Waffenstillstand zwischen abchasischen Separatisten und georgischen Regierungstruppen überwachen soll. Doch obwohl die russischen Soldaten blaue Helme trugen, widersprach der UN-Gesandte Dieter Boden dieser Version. Der überraschende russische Einsatz soll wohl vor allem die georgische Regierung daran erinnern, dass die Nato zwar stärker, Russland aber näher ist und es daher unklug wäre, russische Interessen bei der Annäherung an die Nato zu ignorieren.
Unwillige Truppe
Weniger erfolgreich ist die russische Regierung im Tschetschenien-Konflikt. Dass das Europäische Parlament die russische Politik in einer am Donnerstag vergangener Woche verabschiedeten Resolution kritisierte, kann Präsident Wladimir Putin verschmerzen. Auch dass Umfragen zufolge mittlerweile nur noch etwas mehr als ein Drittel der russischen Bevölkerung den Krieg unterstützt, während fast die Hälfte ihn ablehnt, hat keine unmittelbaren Folgen.
Mitte vergangener Woche wurde jedoch bekannt, dass mehrere hundert Soldaten den Einsatz in Tschetschenien verweigert haben. Besonders beunruhigend für die Regierung ist es, dass die Verweigerer Elitetruppen angehören und auf Infanterieeinheiten verteilt wurden, um deren Moral zu heben. Einsätze als Kanonenfutter, schlechte Bezahlung, veraltete Ausrüstung und unfähige und korrupte Offiziere haben nun aber auch diese Soldaten demotiviert. Die Regierung hat bislang zurückhaltend reagiert, acht ungehorsame Offiziere wurden aus der Armee entlassen.
Freispruch für Dr. Death
Vom hippokratischen Eid hat er nie viel gehalten. »Medizin ist mein Beruf, Krieg ist mein Hobby«, erklärte der südafrikanische Kardiologe Wouter Basson 1997 nach seiner Festnahme. Zunächst schien es nur um ein Drogendelikt zu gehen, doch die Polizei kam durch die bei Basson gefundenen Ecstasy-Pillen auf die Spur eines geheimen Programms zur Entwicklung chemischer und biologischer Waffen.
Basson hatte das Project Coast des Apartheidregimes geleitet. Hergestellt wurden Substanzen für Giftanschläge auf Oppositionelle, er arbeitete aber auch an der Entwicklung von Substanzen, die ausschließlich Schwarze töten oder unfruchtbar machen sollten. Produktion und Verkauf von Drogen dienten der Finanzierung des Programms und der Aufrechterhaltung Bassons aufwändigem Lebensstil. Der Arzt, den die südafrikanischen Medien Dr. Death tauften, wurde wegen Mord, Verschwörung zum Massenmord und zahlreicher anderer Vergehen angeklagt. Sein Richter Willie Hartzenberg, selbst ein Relikt des Apartheidregimes, ließ jedoch schon während des Prozesses Sympathien mit dem Angeklagten erkennen. Er sprach Basson am Donnerstag vergangener Woche in allen 46 Anklagepunkten frei.
Moderne Ukraine
Auch die Ukraine hat am Samstag Anschluss an die internationale antisemitische Bewegung gefunden. Etwa 50 Jugendliche attackierten mit Flaschen und Steinen die zentrale Synagoge in Kiew. Nach Angaben von Moshe-Reuven Azman, dem Oberrabbiner der ukrainischen Hauptstadt, marschierte der Mob vor dem Angriff über den Hauptboulevard und rief: »Tötet die Juden!« 20 Scheiben der Synagoge seien zerstört worden, drei Juden verletzt. »Ich nenne diese Tat ein Pogrom«, erklärte Azman. »Es ist ein Wunder, dass nichts Schlimmeres passiert ist.« Das Innenministerium und die Polizei erklärten der Nachrichtenagentur Interfax zufolge, es habe sich nicht um einen antisemitischen Angriff gehandelt, sondern um einen Fall von Hooliganismus.