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Nr. 16/2002 - 10. April 2002
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Jesus, der Weihrauch-Kiffer

Wie sich Jesus damals all seine schlauen Sprüche stante pede aus dem Ärmel ziehen konnte, hat man sich immer schon gefragt. Gerhard Haderer, Satiriker und Cartoonist für Zeitschriften wie Geo oder stern, hat dafür in seiner unautorisierten Jesus-Biografie »Das Leben des Jesus« einen Vorschlag anzubieten: Jesus war ständig von Weihrauch zugedröhnt und hat deswegen so locker rumgelabert. Eine schöne These. Nur kommt diese bei der österreichischen Allianz aus katholischer Kirche und Kronen-Zeitung nicht so gut an. Der Kardinal von Wien und Kolumnist der Krone, Christoph Schönborn, spricht von »Verhöhnung des christlichen Glaubens«, und sein Kollege, der Salzburger Weihbischof Andreas Laun, findet: »Über Gott lacht man nicht.« Dabei könnte die Kirche eigentlich froh sein, dass hier mal einer versucht, der Spaßgesellschaft Jesus näher zu bringen. Jesus als lässiger Freak, der aussieht wie ein Langzeitstudent, gerne über den See Genezareth surft und am Ende nicht am Kreuz, sondern auf einer rauschenden Weihrauch-Party mit seinen Engeln auf Wolke Sieben landet, ist doch durchaus ein Typ, den auch die Jugend gut finden könnte. Der Skandal hat jedenfalls bereits den Effekt, der sich gerne bei Verbotsforderungen von autoritärer Seite einstellt: Haderers Büchlein verkauft sich inzwischen überirdisch gut.



Krasses aus Entenhausen

Seit 1998 ist der Verkauf der Micky Maus um fast die Hälfte auf 380 000 Stück pro Woche gesunken. Das geht so natürlich nicht. Deswegen hat der Egmont Ehapa Verlag einen Relaunch beschlossen. Chefredakteur Peter Höpfner dazu: »Micky Maus soll wieder zu einem Muss für die Kinder werden.« Dass die Micky Maus nicht mehr so viel gelesen wird wie früher, liegt nach Meinung des Verlags an der zunehmenden Konkurrenz der Computerspielindustrie, und vor allem der Pokémon-Boom hat dem Heftchen in der letzten Zeit schwer zu schaffen gemacht. Mit dem Relaunch will man nun darauf reagieren. So wird die Micky Maus neben den üblichen Geschichten ab sofort auch einen kindergerechten Boulevard enthalten. In der aktuellen Ausgabe wird an den 24. Geburtstag von Franziska von Almsick erinnert, und es gibt eine bewegende investigative Story über ein getürmtes Hängebauchschwein im Kreis Wesel. Davon stand nicht mal was im Spiegel.

Ab sofort wird Dagobert Duck sich seine Ersatzbefriedigung nicht mehr durch sein tägliches Geldbad in Talern, sondern in Euros besorgen. Außerdem sollen Tick, Trick und Track in Zukunft verstärkt der HipHop-Jugend näher gebracht werden. Die Neffen von Donald Duck dürfen schon mal die Baseballkappen umgekehrt tragen und »fett« oder »krass« sagen. »Geil« jedoch wird in Entenhausen weiterhin ein Tabu-Wort bleiben.



Frank Tovey aka Fad Gadget ist tot

Vor ein paar Wochen, auf seiner Comebacktour, wirkte Frank Tovey aka Fad Gadget noch total frisch. Ausgemergelt sah er bei seinem Konzert in Berlin zwar aus, doch bei einem wie ihm gehörte das leicht Morbide ja schon immer dazu. Er zog eine schräge Show ab wie in seinen besten Tagen, kramte schon mal in der Schamgegend herum und zog daraufhin ein Büschel gekräuselter Haare hervor, kletterte auf Gerüsten herum wie ein 18jähriger, und zur Zugabe kam er nochmals geteert und gefedert auf die Bühne zurück. Toll.

Dabei sah es lange Zeit nicht danach aus, als könnte es Frank Tovey nochmals so richtig packen. Er war schließlich immer schon ein wenig die tragische Figur. Er war der erste Künstler überhaupt auf dem Label Mute, das in den Achtzigern dem Elektronikpop auf die Sprünge half. Depeche Mode waren zu Beginn ihrer Karriere noch die Vorband für ihn, und Songs wie »Back To Nature« und »Rickys Hand« wurden Underground-Klassiker. Doch Fad Gadget blieb immer der Freak, dessen von Antonin Artaud inspirierte Performances für den großen Erfolg zu sperrig waren.

Ab Mitte der Achtziger war dann Schluss mit Fad Gadget, Frank Tovey machte als er selbst weiter und nahm ein paar Folk-inspirierte Platten auf, musikalisch kam jedoch kaum noch Nennenswertes zustande. Heute, wo man sich wieder an die Pioniertaten von Fad Gadget erinnert und das Achtziger-Revival sich überall bemerkbar macht, wäre wieder Platz für Frank Tovey gewesen. Doch er verstarb am 3. April überraschend in seinem Haus in London.



Koks oder Rente

Was passiert, wenn man sich als Rockopa langsam von den Sex, Drugs&Rock'n'Roll-Gepflogenheiten verabschiedet, konnte man bei Mick Jaggers letzter Soloplatte feststellen. Für das anämische Werk wollte sich niemand mehr wirklich interessieren. Trotzdem scheint Jagger immer noch zu glauben, dass »Keine Macht den Drogen« auch der richtige Weg für die Rolling Stones ist. Wie die Sun berichtet, hat Jagger seinem Bandkumpel, dem Gitarristen Ronnie Wood, mit dem Rausschmiss gedroht, falls dieser weiterhin so tun würde, als hätte er eine implantierte Ersatzleber und Nasenschleimhäute ohne Verfallsdatum. Jagger befürchtet, dass Wood die anstehende Welttournee der Stones im September nicht durchstehen könne, weil dieser - wie er in Interviews zugab - bis zu drei Flaschen Wodka am Tag trinken und wöchentlich 2 400 Euro für Kokain seinen Dealern überlassen würde.

Eine spontane Umfrage in der Redaktion der Jungle World ergab, dass bei manchen drei Flaschen Wodka am Tag schon mal drin sein können, nur täglich würde das dann doch keiner schaffen, und 2 400 Euro für Kokain in der Woche hat leider auch niemand - trotz Überstunden - übrig. Doch hier muss man sich ja auch nicht so dermaßen zudröhnen, um einen Chef wie Mick Jagger ertragen zu können.



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