Jungle World Banner
Nr. 16/2002 - 10. April 2002
Im Archiv suchen:
Inhalt
Interview
Disko
Inland
Antifa
Euro
Dossier
International
Feuilleton
Heim & Welt
Medien
Sport
Junk Word
Rubriken
Nachrichten
Inland
Nachrichten
Euro
Nachrichten
International
Nachrichten
Feuilleton
Deutsches
Haus
action
Alternative Lebensformen
Sonstiges
Archiv
Jungle Abos
Impressum
Jungle World in Österreich
Neu: Kleinanzeigen
Ausgewählte
Texte und Vorträge
E-Mail
Redaktion
Webmaster

Deutsches Haus

Zwei junge Deutsche haben am 5. April eine türkische Familie im sächsischen Brand-Erbisdorf angegriffen. Die alkoholisierten Jugendlichen hätten die Wohnungstür der Familie eingeschlagen und mehrfach »Scheiß Ausländer« gerufen, teilte die Polizei mit. Zuvor hatten sie sich Zutritt zu dem verschlossenen Haus durch Klingeln verschafft. Der Vater der sechsköpfigen Familie wurde geschlagen. Eine staatenlose Familie aus Rumänien, die seit 1990 in Ortenberg-Lißberg (Hessen) lebt, ist seit einigen Wochen von der Abschiebung bedroht. Die zuständige Ausländerbehörde will nach Informationen der Frankfurter Rundschau vom 4. April die Abschiebung der inzwischen untergetauchten Familie höchstens bis zum Ende des Schuljahres aussetzen. Der Vater der Familie hatte eine Stelle bei einer örtlichen Firma in Aussicht, die Töchter besuchten das Gymnasium. Das Oberlandesgericht Oldenburg (Niedersachsen) hat am 2. April das Urteil eines Gerichts aus erster Instanz bestätigt, wonach ein katholischer Pfarrer aus Papenburg wegen der Gewährung von Kirchenasyl eine Geldstrafe von 2 045 Euro zahlen muss. Er hatte seit dem November 1998 einer von der Abschiebung bedrohten neunköpfigen kurdischen Familie 14 Monate den Aufenthalt in der Kirche gestattet. Das Holocaustmahnmal an der Putlitzbrücke in Berlin-Tiergarten wurde in der Nacht zum 2. April erneut geschändet. Unbekannte beschmierten es mit einem großen Hakenkreuz. Zwei Neonazis verprügelten am 31. März in Klieken (Sachsen-Anhalt) einen 18jährigen Chinesen. Am 30. März grölte in Dortmund ein Dutzend Rechtsextremer ausländerfeindliche Parolen. Die Polizei trieb die Neonazis daraufhin auseinander. Auf dem jüdischen Friedhof in Bochum besprühten Unbekannte in der Nacht zum 30. März vier Grabsteine, unter anderem mit einem Hakenkreuz und dem Wort »Satan«. Eine Zeugin gab an, in der Nähe der Gräber Neonazis gesehen zu haben. In der Nacht zum 29. März verübten zwei Jugendliche im Alter von 15 bzw. 16 Jahren einen Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Staßfurt (Sachsen-Anhalt). In dem Gebäude hielten sich 25 Personen auf, als der Brandsatz kurz nach Mitternacht durch ein Fenster geschleudert wurde. Die Täter konnten gefasst werden und gestanden die Tat und ihre ausländerfeindlichen Beweggründe. Am 28. März wurde bekannt, dass der in der Türkei aus politischen Gründen von der Folter bedrohte Arslan Kalsen demnächst abgeschoben wird. Er kam 1992 nach Deutschland, wo insgesamt drei Asylanträge abgelehnt wurden. Daraufhin stellte er in Frankreich einen Antrag, der momentan noch geprüft wird. Bei einem Besuch in Deutschland im März wurde er nach einer Polizeikontrolle verhaftet und sitzt nun in Büren (Nordrhein-Westfalen) in Abschiebehaft. Die 18jährige Tochter der deutsch-türkischen Familie Canaydin aus Basdorf (Brandenburg) ist am 27. März erneut mit fremdenfeindlichen Sprüchen beschimpft geworden. Die Familie, die bis vor neun Monaten in Berlin lebte, erstattete schon mehrmals Anzeige wegen ausländerfeindlicher Übergriffe und steht seitdem unter Polizeischutz.

sei



Jungle World, Bergmannstraße 68, 10961 Berlin, Germany
Fax ++ 49-30-61 8 20 55
E-Mail: redaktion@jungle-world.com