US-Truppen unerwünscht
Die Diktion entspricht seinem Stil. Den saudischen Friedensplan als »Verrat« zu bezeichnen und zum Jihad aufzurufen, zeugt allerdings nicht von besonderer Originalität. Ob die E-Mail, die am vergangenen Donnerstag bei der Tageszeitung al-Quds al-Arabi ankam, tatsächlich von Ussama bin Laden stammt, lässt sich nicht feststellen.
Auch für das mehrfach berichtete Auftauchen bin Ladens im Osten Afghanistans gibt es keine Bestätigung. Zweifellos aber halten sich in dieser Region zahlreiche bewaffnete Islamisten auf, und es scheint ihnen wenig Probleme zu bereiten, die Grenze nach Pakistan zu überqueren. Nachdem der US-Generalmajor Franklin L. Hagenbeck über die Möglichkeit gesprochen hatte, sie dorthin zu verfolgen, machten Vertreter der pakistanischen Regierung klar, dass dies nicht erwünscht sei. Sie dürften sich vor allem Sorgen über die Reaktion in den weitgehend autonomen Federally Administered Tribal Areas machen, wo die Taliban viele Sympathisanten haben. »Amerika ist jetzt der Feind«, erklärte der Stammesführer Shakirullah Kokikhel dem Korrespondenten der New York Times. Seine Meinung wird von vielen anderen Notablen der Region geteilt.
Verfrühte Erleichterung
Olusegun Obasanjo war erleichtert. »Ich danke Gott und allen, die hart gearbeitet haben, um das Leben von Safiya zu retten«, erklärte der nigerianische Präsident in der vorigen Woche. Selbst im fernen Mexiko hätten ihn europäische Politiker nach der von einem Sharia-Gericht zunächst zum Tod durch Steinigung verurteilten Safiya Husseini gefragt.
Safiyas Freispruch erfolgte jedoch aus formalen Gründen, denn der außereheliche Geschlechtsverkehr fand vor der Einführung der Sharia statt. Zudem wurde bekannt, dass ein anderes Sharia-Gericht Amina Lawal Kurami wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt hat. Islamistische Fundamentalisten und konservative Muslime protestieren gegen Bestrebungen der Regierung, die Anwendung der Sharia zu beenden. »Ich bin sicher, dass Präsident Obasanjo das Land nicht in einen religiösen Konflikt stürzen will«, erklärte Lateef Adegbite, der Generalsekretär des Obersten Rates für Islamische Angelegenheiten. Da schon mehrere Tausend Menschen bei Auseinandersetzungen um die Sharia starben, muss das als Drohung aufgefasst werden.
Algerischer Vorwahlkampf
Fast sah es nach Entspannung aus. Dass alle angeklagten Demonstranten, die in den beiden kabylischen Regionalmetropolen Tizi-Ouzou und Béjaïa vor Gericht standen, am Ende freigesprochen wurden, konnte als Zeichen des guten Willens der Regierung gewertet werden. Doch Anfang voriger Woche drangen Polizisten in den Sitz der Protestkoordination des Kreises Tizi-Ouzou ein und verhafteten deren Führung. Am Wochenende war die Zahl der verhafteten Delegierten auf 37 gestiegen. Die Protestmärsche gegen die Verhaftungen am vergangenen Donnerstag in Tizi-Ouzou, Bejaïa und anderen Städten wurden zum ersten Mal von vornherein gewaltsam unterbunden. Fünf jugendliche Demonstranten wurden getötet, mehrere Dutzend verletzt. In mehreren Städten führte die Gendarmerie brutale Strafexpeditionen durch.
Vor den Wahlen im Mai, die der größte Teil der kabylischen Bewegung boykottieren will, geht die algerische Oligarchie hart gegen Protestierende vor. Auch außerhalb der Kabylei kam es zu Polizeieinsätzen, so im westalgerischen Oran gegen streikende Gewerkschafter.
Von Korea lernen
Anders als ihre deutschen Kollegen wollen viele südkoreanische Gewerkschafter von Sozialpartnerschaft nichts wissen. Seit nunmehr fünf Wochen hat die Mehrheit der Beschäftigten des staatlichen Energiekonzerns Korea Electric Power Corporation (Kepco) die Arbeit niedergelegt. Sie streikt gegen geplante Privatisierungen, in deren Folge Entlassungen und höhere Energiepreise befürchtet werden. Bis zum Ende vergangener Woche hatte die Konzernleitung etwa 200 Streikende gefeuert, zwischenzeitlich drohte sie mit der Entlassung von allen 3 700 Personen, die eine ultimative Aufforderung, zur Arbeit zurückzukehren, ignoriert hatten. Die Regierung will nur verhandeln, wenn die Streikenden zuvor die Privatisierung akzeptieren.
Die 600 000 Mitglieder starke Korean Confederation of Trade Unions (KCTU) kündigte jetzt an, die renitente Belegschaft zu unterstützen. Der zweitgrößte Gewerkschaftsverband des Landes droht mit Solidaritätsstreiks, wenn die Regierung keine neuen Gespräche mit den bei Kepco Beschäftigten aufnimmt.
Teuflischer Elch
Teuflisch und zynisch nannte die kubanische Regierung den mexikanischen Außenminister Jorge Castaneda in der vergangenen Woche. Er soll dafür gesorgt haben, dass der kubanische Präsident Fidel Castro die Uno-Entwicklungskonferenz in Monterrey Mitte März verlassen musste, bevor US-Präsident George W. Bush erschien. Castro war nach einer flammenden antikapitalistischen Rede überstürzt abgereist. Die mexikanische Regierung leugnet, Druck auf Castro ausgeübt zu haben.
Mexiko, das als einziges lateinamerikanisches Land nach der sozialistischen Revolution von 1959 die Verbindungen aufrecht erhalten hat, gilt als wichtigster Ansprechpartner Kubas in der Region. Dementspechend aufgeregt wurde der Vorwurf an Castaneda in mexikanischen Medien diskutiert. Viele sehen die Freundschaft zu Kuba als Beweis dafür, dass Mexiko nicht nur nach der US-amerikanischen Pfeife tanzt. Castaneda gehörte früher der Kommunistischen Partei an, wandelte sich aber in den letzten Jahren zu einem der schärfsten Kritiker Kubas.