Konsens von Monterrey
Da auf den Straßen der mexikanischen Industriestadt Monterrey nur wenige Demonstranten zu sehen waren, blieb während der Entwicklungskonferenz der Uno die Kritik an der westlichen Politik dem kubanischen Präsidenten Fidel Castro überlassen. Sklaverei, Kolonialismus und Imperialismus seien schuld am Zustand der armen Länder, erklärte er: »Die Hauptverantwortung für die Finanzierung ihrer Entwicklung liegt bei jenen Staaten, die (...) heute von diesen Gräueltaten profitieren.« Anschließend reiste er ab, nach kubanischen Angaben auf Verlangen der mexikanischen Regierung, die dem US-Präsidenten George W. Bush eine Begegnung mit dem kommunistischen Erzfeind ersparen wollte.
Der am Samstag verabschiedete »Konsens von Monterrey« erneuert das 1975 gegebene Versprechen der westlichen Staaten, 0,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts für Entwicklungshilfe aufzuwenden. Die EU sagte sieben Milliarden Dollar zusätzliche Entwicklungshilfe zu, die USA versprachen zehn Milliarden. Sie sehen jedoch im Freihandel und in privaten Investitionen die wichtigsten Entwicklungsfaktoren und wollen die Finanzhilfe stärker als bisher an politische Bedingungen knüpfen.
Bombiger Empfang
Wenige Tage vor dem Staatsbesuch des US-Präsidenten George W. Bush in Lima verübten Unbekannte einen schweren Anschlag in Lima. Bei der Detonation einer Autobombe in unmittelbarer Nähe der US-Botschaft wurden neun Personen getötet und vierzig weitere verletzt. Verdächtigt werden neben der kolumbianischen Guerilla Farc die peruanischen Rebellengruppen Leuchtender Pfad und MRTA sowie Anhänger des derzeit inhaftierten früheren peruanischen Geheimdienstchefs Vladimiro Montesinos.
Bush zeigte sich bei seinem Besuch jedoch unbeeindruckt von dem Anschlag. »Keine miesen Terroristen werden mich davon abhalten, das zu tun, was wir tun müssen, nämlich freundschaftliche Beziehungen in der Hemisphäre zu pflegen.« Mit dem peruanischen Präsidenten Alejandro Toledo sowie den Staatschefs aus Kolumbien, Bolivien und Ecuador sprach Bush über die Öffnung der US-Märkte für Agrargüter - Kokaprodukte ausgenommen -, die Schaffung einer südamerikanischen Freihandelszone und die Bekämpfung des Terrorismus und des Drogenhandels. Eine mögliche Ausbreitung der Farc ins Nachbarland müsse, da waren sich alle einig, verhindert werden. Nach dem Treffen lief der US-Präsident zur Höchstform auf. »Länder mit Freihandel sind Länder, in denen die Menschen viel eher Erfolg haben können.«
Blühende Landschaften
Wenn der zimbabwische Präsident Robert Mugabe nach Beweisen für neokoloniale Positionen sucht, kann er sich auf britische Politiker immer verlassen. Außenminister Jack Straw sprach am vergangenen Donnerstag von einer »Tragödie, die dem einst blühenden Land von Robert Mugabe aufgezwungen wurde«. Da Mugabe seit der Unabhängigkeit herrscht, kann mit dem blühenden Land nur der Zustand unter dem rassistischen Siedlerregime des damaligen Rhodesien gemeint sein.
Mugabe, dessen Präsidentschaft in einer umstrittenen Wahl bestätigt wurde, gibt sich unbeeindruckt von den angedrohten Sanktionen und der einjährigen Suspendierung der Mitgliedschaft seines Landes im Commonwealth. Der Oppositionskandidat Morgan Tsvangirai wurde wegen Hochverrats angeklagt, Angriffe auf Mitglieder seiner Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) häufen sich. Der Aufruf zu einem dreitägigen Generalstreik in der vorigen Woche wurde nur teilweise befolgt. Die Androhung von Polizeigewalt und die Aussicht, bald ebenfalls zu den rund 60 Prozent Arbeitslosen zu gehören, hatte vor allem Regierungsangestellte an ihren Arbeitsplatz zurückgetrieben.
M 6 lockert das Bilderverbot
Könige gibt es in Marokko seit Jahrhunderten, offiziell aber keine Königinnen, sondern allenfalls Prinzenmütter und Königsfrauen. Nun hat König Mohammed VI., kurz M 6 genannt, den staatspolitisch bedenklichen Zustand seiner Ehelosigkeit beendet und die Computeringenieurin Salma Bennani geheiratet. M 6 ist, wie er kurz zuvor in einem Interview bekannte, von der »in Keuschheit, Tugend und Edelmut strahlenden Perle« entzückt. Bereits vor der Eheschließung kursierten Fotos der aus bürgerlichen Verhältnissen stammenden Gattin, auch von der Zeremonie wurden Bilder veröffentlicht, die die Braut in einem reich verzierten hellblauen Kleid und mit offenen langen Haaren zeigen. Von Mohammeds Mutter, der Ehefrau des verstorbenen Monarchen Hassan II., gibt es keine Fotos. Marokkanische Tageszeitungen feierten die Veröffentlichung der Bilder als »historisches und symbolisches« Ereignis oder gar als »Revolution«. Das war zwar etwas übertrieben - Revolutionen bedeuten für gekrönte Häupter in der Regel Exil oder Schafott -, wenn das aber nicht drin ist, wollen auch wir wenigstens in Tugend und Edelmut strahlende Perlen sehen.