Bald 'Berliner Tagesspiegel'?
Machen wir es kurz: Der Berliner Zeitungskrieg ist vorbei. Das vermeldet zumindest die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf ein Gutachten, das Wirtschaftswissenschaftler des Holtzbrinck-Verlags dem Bundeskartellamt vorgelegt haben sollen. Weder dem Holtzbrinck-eigenen Tagesspiegel noch der Berliner Zeitung, die Gruner und Jahr gehört, sei es gelungen, eine Metropolenzeitung zu produzieren, beide Blätter machten nach wie vor hohe Verluste. Für die Jahre 2001 bis 2004 könne man beim Tagesspiegel von 22 Millionen Euro ausgehen, bei der Berliner Zeitung von sieben Millionen, alles trotz der gigantischen Investitionen, die in den vergangenen Jahren in die Blätter geflossen sind.
Aber wie kommt der Holtzbrinck-Verlag dazu, ausgerechnet dem Bundeskartellamt diese Zahlen vorzulegen, denkt man sich, nachdem man kurz in sich hineingenickt und gemurmelt hat, das hätten wir denen schon vor acht Jahren sagen können? Es gibt Planungen, die Abteilungen für Druck, Vertrieb, Einkauf, EDV, Anzeigenakquisition und Buchhaltung der beiden Zeitungen zusammen zulegen - also alles außer den beiden Redaktionen.
'FAZ'-Feuilleton muss umziehen
Während der Berliner Zeitungskrieg also wegen der völligen Erschöpfung aller Beteiligten klammheimlich beendet worden ist, plant der eigentliche Sieger nun in der Hauptstadt einzuziehen. Frank Schirrmacher, so stand in der Süddeutschen Zeitung zu lesen, plant, das Feuilleton der FAZ nach Berlin zu verlegen.
Was für ein Coup. Erst mit den Berliner Seiten einen Lokalteil zu machen, wie ihn alle Journalisten gerne machen würden, einen Lokalteil, der die Latte für das, was smarter Hauptstadtjournalimus ist, so hoch legt, dass niemand sonst ihn produzieren kann, gerade weil die Berliner Seiten souverän darüber hinweg gehen können, wenn in Lichtenrade ein Müllsack umfällt. Es sei denn, sie entscheiden sich, genau dies zum Titelthema zu machen.
Und nun, wo sich alle totgerüstet haben, wo jedes Berliner Feuilleton versucht hat, zumindest so zu tun, als ob man mit den Berliner Seiten mithalten könne, wenn es schon der eigene Lokalteil nicht kann, nun lässt Schirrmacher in Frankfurt die Sachen packen und siedelt mitsamt seinem Feuilleton um.
Die FAZ wäre nicht die FAZ, wenn sie nicht komplizierte betriebswirtschaftliche Gründe für diesen Umzug hätte, doch auch nach wiederholter Lektüre des Artikels in der Süddeutschen erschlossen sich diese nicht wirklich. Irgendwie läuft es darauf hinaus, dass im Berliner Verlagsgebäude noch Platz ist. Das wird schon seine Richtigkeit haben. Dass das allerdings der Grund sein soll, kann uns keiner erzählen. Und sollte es wider Erwarten doch der Grund sein - noch gemeiner. Aber deshalb sitzt die Börse auch in Frankfurt und nicht in Berlin.
'Frankfurter Rundschau' muss sparen
Während das Feuilleton der FAZ umzieht und demnächst fröhlich am munteren Hauptstadtleben teilnimmt, muss die linksliberale Konkurrenz sparen: 16 Millionen Euro Miese soll der Verlag, 17 Millionen das Druckhaus im vergangenen Jahr Verluste gemacht haben. Deshalb, so meldet es wenigstens die Financial Times Deutschland, werde die FR in den kommenden Jahren rund 20 Prozent ihrer Belegschaft abbauen. 1600 Menschen arbeiten bei der FR. Die Redaktion, hört man allerdings aus derselben, soll nicht betroffen sein. Überhaupt - und das entnehmen wir der taz - scheint die gesamte Belegschaft die Krise realtiv kalt zu lassen. Die Sparmaßnahmen sollen sozialverträglich durch Abbau von Doppelbesetzungen und Altersteilzeitregelungen abgefedert werden.
So hätten wir das auch gemacht: Die Doppelbesetzungen abbauen. Müssen wir aber nicht. Denn wie der Boom der New Economy vollkommen spurlos an uns vorbeigegangen ist, so betrifft uns auch ihr Zusammenbruch nicht.
Gerd.Haffmans@Zweitausendeins
Wahrscheinlich ist es die beste Lösung für Gerd Haffmans. Dass er ein guter Verleger ist, darüber sind sich alle einig. Dass er ein schlechter Geschäftsmann ist, darüber auch. Eine Mischung aus beidem hat ja schließlich auch zu Aufstieg und Fall seines Verlags geführt. Nun soll er wieder in Erscheinung treten: Gerd Haffmanns soll für den Zweitausendeins Verlag eine Buchreihe betreuen. Seine Funktion wird die eines Herausgebers sein, nicht die des Verlegers.
Statt eines Nachrufs
Geht ein Hermeneutiker in einen Käseladen und sagt: »300 Gramm Gadamer, bitte!«