Jungle World Banner
Nr. 10/2002 - 27. Februar 2002
Im Archiv suchen:
Inhalt
Interview
Disko
Inland
Antifa
Euro
Dossier
International
Feuilleton
Heim & Welt
Medien
Sport
Junk Word
Rubriken
Nachrichten
Inland
Nachrichten
Euro
Nachrichten
International
Nachrichten
Feuilleton
Deutsches
Haus
action
Alternative Lebensformen
Sonstiges
Archiv
Jungle Abos
Impressum
Jungle World in Österreich
Neu: Kleinanzeigen
Ausgewählte
Texte und Vorträge
E-Mail
Redaktion
Webmaster

Was tun, wenn's brennt?

Ganz ist es zwar nicht abgebrannt, aber zur Hälfte liegt Europas größtes Abschiebegefängnis in Großbritannien in Schutt und Asche. Und elf Tage nach dem Brand in Yarl's Wood sollen sich 14 geflohene Asylbewerber noch immer in Freiheit befinden. Neun Flüchtlinge konnte die Polizei in einem Großeinsatz wieder einfangen. Die genaue Zahl der Entkommenen sei wegen der Zerstörung der Computer unklar, erklärte ein Behördensprecher. Aber höchstwahrscheinlich seien bei dem Brand keine Menschen zu Schaden gekommen. Die 385 abgelehnten Asylbewerber und die anderen Abschiebehäftlinge sollen während eines Aufstandes das Feuer selbst gelegt haben. Den von der privaten Betreiberfirma Group Four angestellten Wärtern wurden anschließend die Schlüssel für den Knast abgenommen. Die Versicherung machte inzwischen die Polizei für den Brand und den dadurch entstandenen Schaden verantwortlich und weigert sich, für die Kosten aufzukommen. Angelegt für 900 Häftlinge, war das erst im November eröffnete Yarl's Wood ein elementarer Bestandteil des Plans von Innenminister David Blunkett, in Zukunft 2 500 Abschiebungen pro Monat durchzuführen. Nachdem der 160 Millionen Euro teure Neubau nun zur Hälfte zerstört ist, dürfte es mit diesen Plänen vorerst Asche sein.

Auch ohne ein Feuer konnten am Donnerstag neun Asylbewerber aus einem Abschiebegefängnis in Harmondsworth entkommen.



Saft- und kraftlos

Albanien hat eine Energiekrise und eine neue Regierung. Nachdem das Land drei Wochen lang ohne politische Führung auskommen musste, wählten die albanischen Abgeordneten am Freitag den Sozialisten Pandeli Majko zum neuen Ministerpräsidenten. Sein Vorgänger Ilir Meta, ebenfalls von der Sozialistischen Partei, hatte Ende Januar wegen politischer und persönlicher Differenzen mit dem Parteivorsitzenden Fatos Nano sein Amt niedergelegt. Nano hatte ihm Korruption und Inkompetenz vorgeworfen. Infolge des strengen Winters und der anhaltenden Energiekrise wuchs die Kritik am ehemaligen Ministerpräsidenten. In manchen albanischen Städten kann die Stromversorgung nur vier Stunden am Tag gewährleistet werden. Die Sozialistische Partei, die im Parlament über 74 von 140 Sitzen verfügt, lehnte die Forderung der Opposition nach einer Allparteienregierung »zum Wohle des Landes« ab.



Zeitgemäße Urteile

Das macht Jörg Haider noch immer am liebsten selbst: Der Kärntner Landeshauptmann hat dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Franz Vranitzky gerichtlich untersagen lassen, ihn weiter mit dem Nationalsozialismus in Verbindung zu bringen. Ein Wiener Gericht verurteilte Vranitzky in der vorigen Woche wegen übler Nachrede zu einer Geldstrafe von 11 200 Euro auf Bewährung. Vranitzky hatte Haider in einem Interview im Oktober 1999 als gemeingefährlich bezeichnet, weil er »im Kopf noch keine Abgrenzung zu Hitler-Deutschland« vollzogen habe.

Um den guten Ruf von Antifaschisten scheinen sich österreichische Richter allerdings weniger zu sorgen. Anfang Februar verlor der jüdische Journalist Karl Pfeifer einen Prozess gegen die rechtsextreme Wochenzeitung Zur Zeit. Das Blatt darf den Journalisten weiterhin ungestraft einen »Tugendterroristen« und »Hetzer« nennen. Pfeifer hatte vor sieben Jahren in der jüdischen Zeitung Gemeinde den rechtsextremen Politologen Werner Pfeifenberger wegen seiner »Nazi-Töne« kritisiert.



Hauptsache Arbeit

Ob sich das für den EU-Beitritt so gut macht? In Polen ist im Januar die Arbeitslosenquote auf 18 Prozent gestiegen. Wie das nationale Statistikamt am Donnerstag der vergangenen Woche in Warschau mitteilte, stieg die Quote damit um 0,6 Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat. Ende Januar waren in Polen 3,253 Millionen Menschen arbeitslos. Im Jahr zuvor betrug die Arbeitslosenquote noch 15,4 Prozent. Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, versucht das regierende Linksbündnis, die von ihren Vorgängern beschlossenen Privatisierungsmaßnahmen zu kippen. So hat der neue Finanzminister Wieslaw Kaczmarek in der vorigen Woche die Privatisierung der polnischen Sparkasse rückgängig gemacht. Auch den Verkauf der letzten vier Staatsbanken will man noch einmal überdenken. Die neue Linie betrifft zudem die Privatisierungsvorhaben im Energiesektor, bei der Warschauer Börse und der Luftfahrtgeseschaft Lot.

Einige Beerdigungsunternehmen in Polen haben dagegen unkonventionellere Methoden gefunden, ihre Geschäfte anzukurbeln. Sie sollen Mitarbeiter in Unfallstationen für die Vermittlung von Bestattungsaufträgen bezahlt haben. Da das polnische Klinikpersonal sehr wenig verdient, sollen einige Sanitäter in Lodz mit tödlichen Medikamenten nachgeholfen haben, um ihr Gehalt aufzubessern.



Rache ist Blutwurst

Am empfindlichsten sind Männer, wenn es um ihre Autos geht, müssen sich Beamte der Madrider Stadtpolizei gedacht haben. Sie ließen 30 Privatautos von Angehörigen der Nationalpolizei abschleppen, die vor einer Polizeikaserne im Parkverbot standen. Die nationale Bereitschaftspolizei hatte am Donnerstag der vergangenen Woche eine Kundgebung von 2 000 Kollegen der Stadtpolizei mit Schlagstöcken und Gummigeschossen aufgelöst. 26 Kundgebungsteilnehmer wurden verletzt. Die Polizisten wollten für höhere Löhne demonstrieren, obwohl sie vom Innenministerium keine Erlaubnis erhalten hatten. Dafür wurden sie von ihren Kollegen zusammengeprügelt.



Jungle World, Bergmannstraße 68, 10961 Berlin, Germany
Fax ++ 49-30-61 8 20 55
E-Mail: redaktion@jungle-world.com