Neues Meisterstadion in München
Da sind wir Hauptstädter richtig neidisch: Das neue Fußballstadion, das sich die Münchner Vereine FC Bayern und 1860 in den Norden ihrer Stadt setzen werden, ist wirklich chic. So stellt man sich die Zukunft vor. Wie ein riesengroßes transparentes Schlauchboot sieht es aus, aus durchsichtigem Kunststoff wird es bestehen, der rot oder blau beleuchtet werden kann - je nachdem, ob der FC Bayern oder 1860 spielt.
Nur noch mal zur Erinnerung, damit niemand vergisst, wie wichtig die Zivilgesellschaft ist und wo ihre Grenzen sind. Ursprünglich sollte das Olympiastadion umgebaut werden. Eigentlich waren alle dagegen, aber die Verantwortlichen in Stadt, Land und den Vereinen waren wild entschlossen, eines der gelungensten Bauwerke der BRD zu verhunzen. Wütende Proteste führten zu nichts, bis ein Gutachten feststellte, der Umbau sei technisch nicht machbar. Also wurden diese Pläne fallen gelassen und ein Wettbewerb für ein Stadion im Münchner Norden ausgeschrieben. Wie sich bald herausstellte, war dies jedoch ein Wettbewerb, der sich nur an Ingenieursfirmen richtete, sich also nur um die Realisierung drehte. Weitere Proteste führten dazu, dass ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben wurde. Den haben nun die Basler Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron gewonnen.
280 Millionen Euro wird das Stadion kosten, einen Teil zahlen die Vereine, und einen Teil die Allianz-Versicherung. Deswegen heißt das Stadion auch Allianz-Arena, was zugegebenermaßen kein schöner Name ist, aber es könnte ja auch die Allianz der beiden Vereine gemeint sein, sich ein neues Stadion zu bauen. Ach - jetzt mal das Gemäkel beiseite, von wegen in München seien die Mieten so teuer, etc. - wie schön muss das sein, in einer Stadt zu wohnen, die so wohlhabend ist, dass es möglich ist, 1024 VIP-Logen zu Preisen zu vermieten, für die man hier in Berlin wahrscheinlich das ganze Abgeordnetenhaus bekommt.
Kirch in der Bredouille
Auch in München ist nicht alles Gold, was glänzt. Man nehme etwa Leo Kirch und sein Firmenimperium, die Kirchgruppe. Aber eigentlich geht es gar nicht um Kirch, eigentlich geht es um den Springer-Verlag.
Also: Die Kirchgruppe ist in finanziellen Schwierigkeiten, weil der Pay-TV-Sender Premiere World nicht läuft und in diesem Jahr eine ganze Reihe von Raten fällig werden, die Kirch bezahlen muss. Kirch hält einen Anteil von 40 Prozent am Springer-Verlag, und den hat er für einen 660-Millionen-Euro-Kredit an die Deutsche Bank verpfändet. Sollte Kirch zahlungsunfähig werden, könnte es sein, dass die Deutsche Bank diese Aktien verkauft.
Darauf warten alle: Vor allem Rupert Murdoch, der ultra-konservative Medienbösewicht aus Australien. Murdoch ist an Premiere World beteiligt und hat angekündigt, er werde dort im Herbst aussteigen und eine Option einlösen, die es ihm erlaubt, sein Investment in Höhe von 1,6 Milliarden Euro zurückzufordern.
Aber Murdoch will in Deutschland niemand haben. Die anderen Medienkonzerne nicht und die Politiker auch nicht. Um Murdoch draußen zu halten, soll Gerhard Schröder sogar bereit sein, über zweifelhafte Kreditvergaben der Bayerischen Landesbank an Kirch hinwegzusehen. Währenddessen soll unter den Managern der Fußball-Bundesliga-Vereine die Angst umgehen. Denn sollte die Kirchgruppe kollabieren, wäre unklar, wer ihnen das Geld für die Fernsehübertragungsrechte zahlt. Am kommenden Freitag wird es ernst. Dann wird die nächste Rate in Höhe von rund 100 Millionen Euro aus dem TV-Vertrag zur Bundesliga fällig.
Hauptsache der Stadionneubau in München-Fröttmaning ist nicht betroffen.
Philip Roth sagt, wie es ist
Für Philip Roth haben wir auf diesen Seiten etwas übrig. Das war schon immer so, aber nach seinem Interview im Spiegel ganz besonders. Da wird ihm folgende Frage gestellt (es geht um den 11. September und die Folgen): »Viele Verächter des Kapitalismus, auch bei uns in Deutschland, glauben, dass Amerika diese Bestrafung verdient hat.« Und Roth antwortet: »Wollte man dieser Logik folgen, dann hätte man mit der Bombardierung Deutschlands 1945 nicht aufhören dürfen, sondern sollte sie bis 2076 fortsetzen.«
Diesen Satz sollten sich alle Verächter des Kapitalismus genau anschauen, und zwar alle: Kommunisten, Antideutsche Kommunisten, Antiimperialisten, Restlinke, Poplinke, Zivilgesellschaftler, Wertkritiker, Trotzkisten, Autonome, schlicht alle. Das ist die hohe Schule der feinen Wenn/Dann-Argumentation.
Elisabeth Mann-Borgese gestorben
Wenn man sie in der großen Thomas Mann-Dokumentation von Heinrich Breloer so sah, gewann man den Eindruck, sie sei das einzige Kind aus der Familie Mann, das es geschafft habe, ohne größere seelische Schäden davonzukommen.
Geboren wurde sie am 24. April 1918 in München. Sie galt als das Lieblingskind Thomas Manns, der sie »Medi« oder »Kindchen« nannte. Doch wahrscheinlich ist es ungerecht, Elisabeth Mann-Borgese nur als Tochter ihres berühmten Vaters zu beschreiben. Denn im Unterschied zu allen anderen Kindern Manns war sie die einzige, der es gelang, ein eigenes Leben zu führen. Während all ihre Geschwister sich in irgendeiner Art und Weise am Vater abarbeiteten und alle daran zerbrachen, setzte sich Mann-Borgese von der Familie ab und wurde Meeresforscherin. 1972 war sie als einzige Frau Mitbegründerin des Club of Rome. Von 1980 lehrte sie Seerecht an der Universität von Halifax in Kanada und bis zu seiner Verabschiedung 1982 war sie maßgeblich am Seerechtsabkommen der Vereinten Nationen beteiligt.
Am vergangenen Freitag starb sie überraschend während eines Skiurlaubs in der Schweiz an den Folgen einer Atemwegserkrankung.