Fest neuer Rowohlt-Chef
Wenn sich gebeutelte Intellektuelle zusammensetzen und darüber klagen, dass früher alles besser war (früher im Sinne der zwanziger oder sechziger Jahre natürlich), dann wird auch gerne mal darüber lamentiert, dass es keine großen Verleger mehr gebe. Früher, da gab es diesen und jenen, heißt es dann. Und heute? Da gibt es nur noch Unseld und der ist auch schon alt und wirr. Wie jede Form des Kulturpessimismus ist das selbstverständlich Quatsch (Kulturoptimismus, ein Phänomen von dem man nur selten hört, weil es auch nur selten auftritt, ist im Übrigen auch Quatsch. Wieso? Weil eigentlich immer alles gleich bleibt, glauben wenigstens wir hier. Es sind die kleinen Unterschiede und Mikroveränderungen, die zählen. Bleibt uns bloß mit den großen Thesen vom Hals: Es ist weder alles besonders schlimm noch besonders gut, das einzige, was heute besonders schlimm ist, sind die Deppen, die glauben, alles sei besonders schlimm).
Also: Auch heute gibt es noch Verleger von Format. Einer - Gerd Haffmans - hat vor einem Vierteljahr abgewirtschaftet. Ein anderer ist Alexander Fest. Auch er wird seinen Verlag demnächst zusperren, im Unterschied zu Haffmans muss er aber nicht in den Schuldturm, sondern wird nach Reinbek bei Hamburg gerufen: Fest wird Chef des Rowohlt Verlags.
Das ist doch mal eine gute Nachricht. Da gibt es also den Rowohlt Verlag mit seiner großen Vergangenheit von Hemingway und Sartre bis Pynchon und Gaddis und seiner etwas glanzlosen Gegenwart. Diverse prominente Autoren haben ihn in den vergangenen Jahren verlassen. Und es gibt Alexander Fest, dem es in den letzten fünf Jahren gelang, den Fest-Verlag zu einem der angesehensten deutschsprachigen Literaturverlage zu machen. Er verhalf Denis Johnson auf dem deutschen Markt zum Durchbruch, er verlegte einen Autor wie Georg Klein, von dem über ein Jahrzehnt kein Verlag ein Buch veröffentlichen wollte, und gewann Schriftsteller wie Max Goldt und Eckhard Henscheid. Das ist doch eine prima Kombination.
Hildegard Knef gestorben
Alle Menschen werden älter. Doch während die meisten schlicht vor dem Spiegel stehen und die Stirn kraus ziehen, wenn sie ein neues graues Haar entdecken, steht Diven diese Möglichkeit nicht offen. Sie können sich entweder völlig aus der Öffentlichkeit zurückziehen, so wie Marlene Dietrich, oder sie machen ihren körperlichen Verfall zum großen Thema ihres letzten Lebensdrittels - so wie Hildegard Knef. Sie schrieb ein Buch über ihre Krebserkrankung und machte nie ein Hehl daraus, dass sie sich liften ließ.
In »Die Mörder sind unter uns« hatte sie 1946 ihre erste große Kinorolle, ihre Nacktszene in »Die Sünderin« führte zu dem ersten großen Kinoskandal im Nachkriegsdeutschland. Nicht nur wegen ihrer sekundenkurzen Nacktheit, sondern auch weil sie mit einem amerikanischen Filmoffizier verheiratet war, dieser nackte Körper sich also mit der Besatzungsmacht eingelassen hatte. Sie trat am Broadway auf, spielte in Hollywood und fing an, Songs zu schreiben, in einer einzigartigen Mischung aus Chanson-, Jazz- und Liedelementen.
Ach, was soll diese ganze Aufzählerei. Hildegard Knef war toll, weil sie die »größte Sängerin der Welt ohne Stimme« (Ella Fitzgerald) war, weil sie so gelebt hat, dass alle Spießer sie gehasst haben, und weil es ihr egal war. Am vergangenen Freitag starb sie im Alter von 76 Jahren in Berlin an ihrem Krebsleiden.
Schlauer Nida-Rümelin
Die goldenen Worte der Woche stammen vom Staatsminister für Kultur, Julian Nida-Rümelin: »Die derzeit bestehende Projektfilmförderung wird von Gremien vergeben, in denen Menschen mit einem ganz anderen biografischen Hintergrund sitzen als die 16- bis 30jährigen, an die sich die von ihnen beurteilten Filmprojekte wenden«, sagte Nida-Rümelin dem Spiegel. Wohl wahr. Man stelle sich etwa vor, Heinz-Rudolf Kunze hätte darüber zu befinden, welche Platten Fördergelder bekommen würden. Aber halt - Popmusik wird ja glücklicherweise gar nicht gefördert, weil sie auch ohne Subventionen funktioniert. (Wie das Hollywood- und Hongkong-Kino übrigens auch, und die Auswüchse der filmerischen Planwirtschaft kann man Woche für Woche in den auf französischen Film spezialisierten Programmkinos begutachten, aber das nur aus dem Off).
Doch wer nun noch mehr schlaue Sätze aus dem Munde Nida-Rümelins erwartet, wird leider enttäuscht. Irgendwie will er den Qualitätsfilm fördern, irgendwie aber auch den Publikumserfolg haben. Irgendwie glaubt er, es habe keinen Sinn zu versuchen, mit Hollywood in Konkurenz zu treten, irgendwie scheint es aber bei den Fernsehfilmen doch zu gehen.
Robbie Williams düpiert die Queen
Wenn das mal nicht das endgültige Zeichen für das nahende Ende der britischen Krone ist: Robbie Williams hat die Einladung ausgeschlagen, bei einem Konzert zu Ehren des 50jährigen Kronjubiläums von Queen Elisabeth II aufzutreten. Nun denkt man sich, höhö, die alte Provo-Nummer, ein bisschen frech werden und die Autoritäten beleidigen, immer gut, aber doch schon tausend Mal gehabt. Aber nichts da. Das Management des Sängers teilte dem new musical express mit, Williams werde bei dem Konzert im Garten des Buckingham Palast nicht auftreten, weil er in den kommenden sechs Monaten keine Promotermine wahrzunehmen gedenke. So weit ist es gekommen: Ein Auftritt bei der Königin ist im Grunde auch nichts anderes als eine Autogrammstunde bei WOM. Stimmt ja auch, aber diese grunddemokratische Einsicht führt meistens direkt zur Abschaffung von Monarchien.