Neues vom Schlossplatz
Die Wahrscheinlichkeit, dass das Berliner Stadtschloss tatsächlich gebaut wird, wird von Tag zu Tag geringer. Der neue Kultursenator Thomas Flierl hat nämlich in der vergangenen Woche bekannt gegeben, dass er das Votum der Expertenkommission Historische Mitte für fragwürdig halte.
Wir erinnern uns: Die Kommission Historische Mitte war jenes Gremium, das einer der zahllosen Vorgänger von Flierl berufen hatte, um Vorschläge zu entwickeln, was man denn nun machen solle mit dem Schlossplatz, wo der Palast der Republik vor sich hin gammelt und nichts passiert. Die Kommission empfahl, man möge doch so eine Art Kombigebäude auf den Platz stellen: außen Schloss, innen Kultur und Anverwandtes wie Bildung und Toleranz. Das Abstimmungsergebnis für den Nachbau der Schlossfassade war aber denkbar knapp, eine Stimme gab den Ausschlag. Nun hat Flierl bekannt gegeben, er halte das Votum für fragwürdig. Von den Stimmberechtigten 23 Personen seien nur 16 anwesend gewesen.
Ein interessanter Nebenaspekt dieser Geschichte ist die rote Flierl-Seilschaft. Der Vater von Thomas Flierl, Bruno Flierl, galt als Chefideologe der DDR-Architektur und Stadtplanung unter Erich Honecker. Er war in den frühen Sechzigern Chefredakteur der Zeitschrift Deutsche Architektur. Flierl ist ein entschiedener Schloss-Gegner und in seiner Funktion als Professor an der Humboldt-Universität und der Kunsthochschule Weißensee war er auch Mitglied der Kommission Historische Mitte.
Währenddessen hat die Kommission vorgeschlagen, die Stadt solle eine Schlossplatz-Aktiengesellschaft gründen, um so den Wiederaufbau zu finanzieren. Ob das gestandenen Neinsagern, Verhinderern und Investorenschrecks wie den Flierls gefallen wird? Ein Stadtschloss, das dann auch noch durch eine Aktiengesellschaft finanziert wird?
Neues vom Goethe-Institut
Jutta Limbach, die Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, wird Chefin des Goethe-Instituts. Damit wird sie Nachfolgerin von Hilmar Hoffmann, der nach neun Jahren aus dem Amt ausscheidet. Was hat das zu bedeuten?
Hoffmann hatte einen schweren Job. In seine Amtszeit fiel das weltweite Durcheinander nach dem Wegfall der Blockkonfrontation. Das war das eine. Auf der anderen Seite musste er sich damit anfreunden, dass ihm im großen Stil das Geld gekürzt wurde. Und in Anbetracht dieser Lage war Hoffmann eigentlich recht erfolgreich. Zwar musste er 30 Goethe-Institute schließen - und Hand aufs Herz, jedes geschlossene Goethe-Institut ist eine Katastrophe, nicht nur in ärmeren Ländern, genauso in hochentwickelten Industriestaaten. Jeder der mit den Segnungen des Institut Français aufgewachsen ist, weiß, was es bedeuten kann, wenn Staaten sich Kulturinstitute leisten. Aber gleichzeitig konnte Hoffmann 19 neue Institute eröffnen. Er hat zwar gespart, aber durch geschicktes Taktieren wurde ihm längst nicht so viel Geld gekürzt wie ursprünglich vorgesehen.
Nun hat Hoffmann zum Abschied eindringlich gefordert, das »fundamentale konzeptionelle Defizit« der deutschen Außenpolitik nach dem 11. September zu beseitigen. Die Wiederbegründung des Goethe-Instituts in Kabul koste etwa 400 000 Euro, sehr viel weniger als ein Spürpanzer. Was haben wir nun von Jutta Limbach zu erwarten, warum bezeichnete das Goethe-Institut ihre Berufung wohl als »inhaltlich-politisches Signal«? Als Kulturexpertin ist Limbach bisher noch nicht hervorgetreten, dafür gilt sie als Expertin für Menschen- und Bürgerrechte. Sie hat viele Staaten beraten, die sich nach deutschem Vorbild ebenfalls ein Bundesverfassungsgericht gegeben haben. Wird Jutta Limbach künftig Rechtsexperten statt DJs in Länder wie Kasachstan schicken?
Bürohochhaus statt Kirche
Mit alten Gebäuden ist es so eine Sache. Mal findet man die alten Gemäuer kulturell bedeutsam und schickt den Denkmalschutz in die Spur, um einen Abriss zu verhindern. Mal ist aber auch der Abriss genau das Richtige, weil der schmerzhafte Schnitt in die gewachsene Struktur der Stadt das ist, was sie vor Erstarrung und Musealisierung bewahrt. Wollen wir schließlich in einem Museum leben? In einer Art Echtzeit-Disneyland?
In Frankfurt am Main hat der Evangelische Regionalverband nun Plänen zugestimmt, die Matthäuskirche an Investoren zu verkaufen, die sie abreißen wollen, um ein Bürohochhaus auf dem Grundstück zu errichten. Der Regionalverband erklärte, nur mit einem Verkauf könne man genug Geld einnehmen, um andere Kirchen weiter betreiben zu können.
Die Matthäuskirche wurde in der Gründerzeit errichtet, wurde 1944 durch Bombenangriffe fast vollkommen zerstört - nur die Umfassungsmauern blieben stehen - und schließlich in den Fünfzigern wieder aufgebaut. Sie war ein beliebtes Fotomotiv, da der Kirchturm, wie die FAZ es so schön formuliert, »zwischen den Hochhausriegen und den Baukränen des Messegeländes aufragt wie der gereckte Arm eines Ertrinkenden«.
Westantarktis schrumpft nicht
Alle Welt redet vom Klimawechsel, hier wird er gestoppt. Wissenschaftler vom California Institute of Technology haben herausgefunden, dass die Westantarktis, die bisher als besonders abschmelzgefährdet galt, nicht schrumpft. Im Gegenteil, sie legt an Masse zu. Was das nun zu bedeuten hat, wagen wir Geisteswissenschaftler an dieser Stelle nicht zu beurteilen. Die Wissenschaftler spekulieren, dies könnte ein Zeichen sein, dass das Eis, das seit dem Ende der Eiszeit zu schmelzen begann, nunmehr wieder zunimmt.