Schlag ins Gesicht
Einige Tausend Palästinenser haben am Sonntag zur Unterstützung ihres Präsidenten Yassir Arafat demonstriert, der weiterhin in Ramallah festsitzt. Die vergangene Woche hat nach einer Zeit relativer Ruhe eine erneute Eskalation mit sich gebracht. Am Donnerstag überfiel ein Mitglied der Al-Aksa-Märtyrerbrigade in Hadera eine private Feier und feuerte auf die Besucher; sechs Israelis starben, Dutzende wurden verletzt. Die israelische Armee (IDF) bombardierte daraufhin ein Gebäude der Palästinensischen Autonomiebehörde in Tulkarem sowie die Radiostation Voice of Palestine, zwei Symbole palästinensischer Souveränität.
Das bringt die Europäer, die die PA finanziell unterstützen, in Rage. In der Vorwoche, als nach einem Überfall der Hamas die IDF den palästinensischen Flughafen von Gaza zum Teil zerstört hatte, schrieb die FAZ: »Die Israelis wussten, dass sie Objekte zerstörten, an deren Finanzierung die Europäer - und nicht zum geringen Teil die Deutschen - beteiligt gewesen sind. Das schlägt allen Forderungen ins Gesicht, die Europäer möchten eine intensivere Rolle im Nahen Osten übernehmen.«
»Yankees raus«
Im saudischen Königshaus mag man die USA offenbar nicht mehr. Am Freitag schrieb die Washington Post in einem langen Artikel, dass Saudi-Arabiens Herrscher sich mit der US-Militärpräsenz »unwohl« fühlten und möglicherweise schon bald deren Ende fordern. Seit dem zweiten Golf-Krieg haben die USA Truppen in Saudi-Arabien stationiert, gegenwärtig sind es noch 5 000 Soldiers; auf der Prince Sultan Air Base benutzen US-Militärs eine Anlage als Kommando- und Kontrollposten im Krieg gegen die Taliban.
Saudische Offizielle erklärten der Washington Post zufolge, Kronprinz Abdullah sei der »Notwendigkeit gegenüber aufgeschlossen, den Eindruck zu vermeiden, dass er dem Druck von Ussama bin Laden nachgebe«. Dieser hatte dem saudischen Königshaus insbesondere vorgeworfen, »Ungläubige« auf dem heiligen saudischen Territorium zu dulden. »Es gibt keine bedeutendere Pflicht, als den amerikanischen Feind aus dem heiligen Land zu treiben«, hatte er 1996 erklärt. Und diese Ansicht scheint sich auch in der saudischen Bevölkerung zu verbreiten.
Generalstreik in Nigeria
Wäre es nicht so abgeschmackt, würde man am liebsten das alte Schlagwort von der Ironie der Geschichte bemühen. In Nigeria, einem der wichtigsten Öl-Exportländer der Welt, hat am Mittwoch und Donnerstag der vergangenen Woche ein Generalstreik das öffentliche Leben in vielen Städten weitgehend lahm gelegt. Denn am 1. Januar war der Benzinpreis um 18 Prozent erhöht worden. Und zwar nicht zuletzt, um den Forderungen des IWF und »internationaler Investoren« nach einer Beendigung der Subventionen für den Treibstoffmarkt nachzukommen.
Die Regierung unter Präsident Olusegun Obasanjo hatte den Streik zuvor für illegal erklärt. In der Hauptstadt Abuja wurden der Gewerkschaftsführer Adams Oshiomole und weitere Funktionäre der Dachorganisation Nigerian Labour Congress festgenommen. In Lagos feuerte die Polizei Tränengas auf revoltierende Jugendliche. Nach zwei Tagen setzte der NLC den Streik am Freitag aus, als die Unterstützung. Journalisten zufolge, schrumpfte. Noch im Juni 2000 hatte ein fünftägiger Generalstreik eine 50prozentige Benzinpreiserhöhung verhindern können.
Schüsse im Himalaya
Rund eine Million Soldaten stehen sich mittlerweile an der line of control in Kaschmir gegenüber, und am Wochenende wurden sowohl in Indien als auch in Pakistan Berichte über Schusswechsel bekannt. Zuvor hatte sich der US-Außenminister Colin Powell zunächst nach Pakistan, dann nach Indien begeben, um das Verhältnis zwischen den beiden Atommächten zumindest ein wenig zu entspannen. Viel hat das offenbar nicht geholfen. Der indische Verteidigungsminister George Fernandez erklärte am Sonntag im US-Fernsehen, eine Reduzierung der Truppenstärke an der Grenze hänge davon ab, dass Pakistan dem »grenzüberschreitenden Terrorismus« ein Ende setze. Zudem fordert Indien, dass Pakistan 20 auf einer Liste aufgeführte angebliche Terroristen oder Kriminelle ausliefert. Pakistan will höchstens die indischen Staatsbürger ausliefern, hat aber seinerseits eine Liste mit Namen angeblicher Krimineller aufstellen lassen, die man von indischer Seite ausgeliefert sehen möchte.
Gute Nacht
Niemand hat gerne Wanzen im Bett, auch nicht der chinesische Präsident Jiang Zemin. Wie am Freitag bekannt wurde, sind in einer für ihn in den USA umgebauten Passagiermaschine über 20 Abhörgeräte entdeckt worden, eines davon im Kopfteil seines Bettes. Die satellitengesteuerten Wanzen waren bereits im August bei einem Testflug aufgefallen, weil sie seltsame Signale aussendeten. Zwar hatte Jiang noch keine Gelegenheit, sich in seiner verwanzten Schlafstätte niederzulegen, denn die völlig auseinander genommene Boing 767 steht unbenutzt auf einem Flughafen in Peking. Dennoch soll der Präsident nach Berichten der Financial Times vor Wut getobt haben.
Die Wanzen im Flugzeug des Präsidenten könnten auch Auswirkungen haben auf das Gipfeltreffen zwischen Jiang Zemin und George Bush Ende Februar. China macht den US-Geheimdienst für die Abhörmaßnahmen verantwortlich. Bereits im vergangenen Jahr waren einige diplomatische Verrenkungen nötig, um die chinesische Regierung zu beruhigen, nachdem ein US-Spionageflugzeug in China hatte notlanden müssen.