Israel als Zufluchtsort
Ein Armutszeugnis für Frankreich ist das Angebot der israelischen Regierung, französischen Juden bei der Ausreise behilflich zu sein. Der stellvertretende israelische Außenminister Michael Melchior erklärte am vergangenen Mittwoch, seine Regierung sei besorgt über den neuen Antisemitismus in Frankreich. »Wir erhalten viele Anrufe von französischen Juden, die sehr beunruhigt sind und sogar Angst haben.« Erst am vorletzten Wochenende griffen Jugendliche die Synagoge in Goussainville, einer Pariser Vorstadt, mit Brandsätzen und Steinen an. An dem Gebäude entstand leichter Sachschaden. Eine Woche zuvor war ein Brandanschlag auf eine jüdische Schule in einem anderen Vorort verübt worden. Seit dem Beginn der palästinensischen Intifada im letzten Jahr häufen sich die antisemitischen Übergriffe in Frankreich. Der Präsident des israelitischen Konsortiums in Frankreich, Roger Cukierman, sprach von einer antisemitischen Welle, die sich vom Antisemitismus alter Prägung unterscheide. Die Täter stammten aus den Maghreb-Staaten und seien politisch links zu verorten.
Trübe Stimmung
Seinen Besuch in den USA in der vergangenen Woche hatte sich der griechische Ministerpräsident Kostas Simitis eigentlich sehr harmonisch vorgestellt. Stattdessen beschuldigten US-amerikanische Medien und Politiker die griechische Regierung, nicht hart genug gegen die Terrororganisation »17. November« vorzugehen. So erklärte der ehemalige amerikanische Botschafter in Griechenland, Thomas Niles, am vergangenen Mittwoch in einem Interview, dass es Verbindungen zwischen der Regierungspartei Pasok und der Terrororganisation »17. November« gebe. Das sei der Grund dafür, dass die Regierung keine Anstalten mache, diese Gruppe zu zerschlagen. Völlig außer sich, nannte der Sprecher des griechischen Parlaments, der Nationalist Apostolos Kaklamanis, Niles daraufhin einen »gut bekannten anti-griechischen Propagandisten«. US-Präsident George Bush lobte zwar offiziell die Haltung Griechenlands im »Kampf gegen den Terror«, amerikanische Medien verbreiteten aber, dass Griechenland intern ebenfalls vorgeworfen wurde, nicht vehement genug gegen die Terroristen vorzugehen.
Bei dem ganzen Rummel ging es dann fast völlig unter, dass sich Simitis nach Gesprächen mit Bush dazu bereit erklärte, die griechische Armee zu reorganisieren und einige Einheiten auf Zypern zu verkleinern oder ganz zurückzuziehen.
Wolf im Schafspelz
Als Opfer einer groß angelegten Verschwörung präsentierte sich Bernard Bonnet, der ehemalige Präfekt von Korsika, während der Gerichtsverhandlung in Ajaccio. Das Strafgericht schenkte seinen Ausführungen allerdings keinen Glauben und verurteilte ihn am vergangenen Freitag zu drei Jahren Haft, wovon eines nicht zur Bewährung ausgesetzt wurde. Er soll Untergebenen befohlen haben, mehrere illegal errichtete Strandrestaurants abzufackeln. Drei seiner Mittäter, ein ehemaliger Kabinettsdirektor, ein Oberst der Gendarmerie a.D. und ein Gendarmeriehauptmann, erhielten sechs Monate Haft ohne Bewährung.
Die Gendarmen, die im April 1999 seinen Befehl ausführten und zwei Gebäude anzündeten, konnten schnell überführt werden. Einer von ihnen erlitt Verbrennungen an der Hand, außerdem ließen sie ein Walkie-Talkie mit einer Seriennummer der Gendarmerie zurück. Bonnet war 1998 als Nachfolger des ermordeten Präfekten Jean-Claude Erignac nach Korsika gekommen. Er hatte sich vorgenommen, mit James-Bond-Methoden alle Gesetzeswidrigkeiten auf der Insel in Windeseile zu beseitigen (Jungle World, 44/01). Ein Dorn im Auge waren ihm insbesondere die zahlreichen ohne Genehmigung betriebenen Strandlokale, die er auf unorthodoxe Weise beseitigen lassen wollte.
Pilgern ist international
Dass auch Pilger nach einem anstrengenden Tag der religiösen Ekstase gern in einem Hotelbett schlafen, will man in der Türkei nicht einsehen. »Zerstörung á la Taliban«, so und ähnlich lauteten die Schlagzeilen der meisten türkischen Zeitungen in der vergangenen Woche. Auch der türkische Kulturminister Istemihan Talay bediente sich dieses Vergleichs. Denn so wie die Taliban die Buddhastatuen zerstörten, so hätten saudische Behörden eine osmanische Festung aus dem 18. Jahrhundert abgerissen. Die Festung El Adschjad in Mekka musste einem Hotelkomplex Platz machen. Das Hotel soll für Muslime, die einen in der Nähe liegenden heiligen Schrein besuchen, gebaut werden. Die türkischen Politiker warfen Saudi-Arabien vor, türkische Spuren vorsätzlich zu verwischen. Unterdessen beschuldigte Saudi-Arabien die Türkei, sich in fremde Angelegenheiten einzumischen und die nationale Souveränität zu verletzen. Außerdem profitierten vom Hotelbau alle Pilger.
McDonald's ist an allem schuld
McDonald's ist nicht nur verantwortlich für die Vernichtung des Regenwaldes, den sauren Regen und die verfettete Weltbevölkerung, sondern auch für das Aussterben der Igel in Großbritannien. Der britische Igel-Schutzbund teilte am Dienstag vergangener Woche mit, dass die Fastfood-Kette trotz mehrfacher Aufforderung die Form seiner Speiseeisbehälter nicht ändern wolle. Die Igel werden vom Duft des Eises in den Restaurants angezogen und versuchen alles, um an die Köstlichkeit in den kugelförmigen Behältern zu gelangen. Dabei sind ihnen allerdings ihre Stacheln im Wege. Die Tiere bleiben am Rand der Eisbecher hängen, kommen nicht mehr vor oder zurück und ersticken. In den letzten 18 Monaten seien Berichte über 40 verendete Igel bei der Organisation eingegangen. Wenn das nicht der beste Grund für einen Boykott ist!