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Nr. 02/2002 - 02. Januar 2002
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Tuvalu geht doch nicht unter

Wir hatten es uns schon so schön apokalyptisch vorgestellt. Dem südpazifischen Inselstaat Tuvalu drohe der Untergang, hatte die Agentur gemeldet. Der Treibhauseffekt, der ansteigende Meeresspiegel - Tuvalu, das drittkleinste Mitgliedsland der Uno, sei dem Untergang geweiht (Jungle World, 48/01). Wir gestehen, wir haben es nicht nachgeprüft. Nicht mal einen Blick in den Atlas haben wir geworfen, ob es dieses Land überhaupt gibt. Tuvalu. Das wird schon alles seine Ordnung haben, dachten wir, nicht zuletzt deshalb, weil die Meldung ja auf eine Studie des Washingtoner Worldwatch Institute zurückzugehen schien. Und das hörte sich amtlich an. Washington, Worldwatch Institute. Alles klar.

Zumal wir dem drohenden Schlamassel ja gleich noch eine migrationsphilosophische Note abgewinnen konnten, auf die nicht einmal die FAZ gekommen war, die die Meldung ebenfalls gedruckt hatte: Was tun mit den Einwohnern? Was tun mit Migranten, die nicht einfach aus ihrem Land geflohen sind, sondern deren Land einfach aufgehört hat zu existieren? Gibt es ein passenderes Bild für das identitätspolitische Elend einer globalisierten Welt, die ihre Bewohner zwingt, die Wahl ihres Wohnorts von der Ausgabestelle ihrer Pässe abhängig zu machen?

Nun ja. Wie der Spiegel nun herausgefunden hat, stimmt an der Meldung nichts. Das Worldwatch Institute hat niemals behauptet, dass Tuvalu untergehe, alles ist die Erfindung eines durchgeknallten britischen Journalisten. In Tuvalu scheint die Sonne. So kann man sich täuschen.



Mariah Carey in Schwierigkeiten

Ernsthafte Probleme scheint dagegen Mariah Carey zu haben. So scheint es zumindest, wenn man den Meldungen trauen kann. Ihre Plattenfirma will sie loswerden. Ihr Film »Glitter« ist gefloppt, von der dazugehörigen Schallplatte hat sie gerade einmal zwei Millionen Exemplare verkauft.

Oh je, denkt man sich, die arme Mariah Carey, zwei heftige Nervenzusammenbrüche musste sie im vergangenen Jahr hinter sich bringen, ob sie das verkraften kann? Doch die Plattenfirma hat ihr eine Menge Geld dafür angeboten, dass sie davon absieht, weitere Platten bei ihr zu veröffentlichen. Wie viel, wurde nicht bekannt gegeben, es dürfte mehr sein, als wir hier in der Bergmannstraße aus dem Fenster werfen könnten.

Wobei man sich vor Augen halten muss, dass Mariah Carey vor nicht allzu langer Zeit mit eben jener Plattenfirma den höchstdotierten Vertrag abschloss, den je ein weiblicher Popstar die Ehre hatte zu unterzeichnen. 118 Millionen Dollar garantierte ihr die Firma für vier Alben. So schlecht kann es der Musikindustrie also gar nicht gehen, wenn Mariah Carey noch Geld dafür gezahlt wird, diesen Vertrag nicht einzuhalten.



Dänemarks Subventionskultur am Ende

Land unter! rufen dagegen die Kulturschaffenden zwischen Nord- und Ostsee. Die frisch gewählte, rechtspopulistische Regierung Dänemarks hat einen Ausgabenstopp verhängt. Anfang Januar hätten die ersten Subventionszahlungen eingehen müssen, doch sie bleiben aus. Besonders hart, das vermeldet wenigstens die Süddeutsche Zeitung, treffe dies das dänische Musikleben. 140 Chöre, Orchester und Ensembles, die von staatlichen Zahlungen abhängig sind, gebe es dort, und ein Teil könnte nun vor dem Aus stehen.

Einer ist allerdings nicht von dem Subventionsstopp betroffen: Lars von Trier und sein neuer Film »Dogville«. Ein Umstand, der einer gewissen Komik nicht entbehrt. Erst war von Trier einer der wenigen Intellektuellen, die vor einem drohenden Wahlsieg der Rechten warnten und den Rest der dänischen Intelligenzia beschimpften, sie nehme das einfach so hin - und nun wird allen anderen das Geld gestrichen.



Kommission empfiehlt Schlossbau

Nun ist es heraus: Die Expertenkommission »Historische Mitte«, die der Berliner Senat eingesetzt hatte, um einen Vorschlag zur Bebauung des Schlossplatzes zu machen, hat sich entschieden. Das Schloss soll wieder aufgebaut werden, und zwar als multifunktionales Kulturzentrum für alle möglichen Museen und Bibliotheken, die sich bisher über die Stadt verteilen.

Nun ist ein originalgetreuer Wiederaufbau von vornherein unmöglich, weil das alte Stadtschloss selbst aus mehreren Flügeln bestand, die zu unterschiedlichen Zeiten gebaut wurden. Aber das will die Kommission auch gar nicht. Denn wenn tatsächlich die außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen, die wissenschaftsgeschichtliche Sammlung der Humboldt-Universität und die Zentral- und Landesbibliothek Berlin dort einziehen sollten, müssten die Räume ohnehin anders zugeschnitten werden als im Originalschloss.

Eigentlich eine putzige Vorstellung: In der Mitte der Hauptstadt wird ein Schloss im Stil des 19. Jahrhunderts wieder aufgebaut, das damals schon den Barock zitierte. Und wenn man hineingeht, kann man sich polynesische Einbäume anschauen. Wahrscheinlich ist diese Beliebigkeit wesentlich näher an der Berliner Lebenswirklichkeit, als sich das die Kommission vorstellen kann.



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