Jungle World Banner
Nr. 52/01/2001 - 19./26. Dezember 2001
Im Archiv suchen:
Inhalt
Interview
Disko
Inland
Antifa
Euro
Dossier
International
Feuilleton
Heim & Welt
Medien
Sport
Junk Word
Rubriken
Nachrichten
Inland
Nachrichten
Euro
Nachrichten
International
Nachrichten
Feuilleton
Deutsches
Haus
action
Alternative Lebensformen
Sonstiges
Archiv
Jungle Abos
Impressum
Jungle World in Österreich
Neu: Kleinanzeigen
Ausgewählte
Texte und Vorträge
E-Mail
Redaktion
Webmaster

Winona Ryder verwirrt

Was mag nur im Kopf von Winona Ryder vorgehen? Für zwei Oscars ist sie schon nominiert worden. Als die Spex in ihrer Leserumfrage noch nach der Schauspielerin des Jahres fragte, gewann sie immer, selbst Politredakteure dieser Zeitung werden nervös, wenn sie ihren Namen hören. Obendrein ist sie reich und war mal mit Johnny Depp zusammen. Und was passiert? Sie lässt sich in einer Luxusboutique in Beverly Hills mit gestohlenen Waren im Wert von 10 000 Mark erwischen. Okay, das muss nicht viel sein, vielleicht war es nur ein Badeanzug, aber das ist ja noch nicht alles - außerdem wurde sie im illegalen Besitz von verschreibungspflichtigen Medikamenten erwischt. Schmerzmittel!

Das gibt Anlass zur Sorge. Zwar beschrieben die Polizisten, die sie festnahmen, sie als höflich, »eine echte Lady«, und sie wurde gegen Zahlung von 43 000 Mark Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt. Trotzdem: Macht Ruhm doch nicht glücklich? Und was uns viel mehr bewegt, braucht Winona Ryder am Ende tatsächlich Hilfe, die Hilfe, die ihre Augen Film für Film einfordern? Unsere Beschützerinstinkte lassen sich kaum noch im Zaum halten.



Adel für alle

Am letzten Donnerstag war der bulgarische Ministerpräsident in Berlin. Der bulgarische Ministerpräsident heißt Sakskoburggotski. Hätten seine Vorfahren, statt Könige auf dem Balkan zu werden, sich etwa um Schweden gekümmert, er hieße heute Sakskoburgsson, in Russland wahrscheinlich Sakskoburgov, in der Ukraine Sakskoburgev, in Georgien Sakskoburgdse und in Griechenland Sakskoburgos. Anlass genug, finden wir, die gute Idee zu übernehmen, endlich final mit dem ekligen deutschen Blutsrecht zu brechen und eine Silbe zu erfinden, die jeden Deutscher sein lässt, der Lust dazu hat. Und wenn wir unsere Leidenschaft für boulevardesken Klatsch und blaues Blut ins Spiel bringen, dann haben wir auch schon die Lösung: Die mit der Einbürgerung automatisch verbundene Erhöhung in den Adelsstand. Kein noch so dummes Faseln vom »Bin Laden in uns selbst« könnte uns jedenfalls davon abhalten, für einen Cem von Özdemir zu stimmen.



Herr Schily!

Im November 2001 hieß der Monatsgewinner des »Schlagerclub-Quiz« auf Super-RTL und folglich auch der Empfänger von 500 Mark Metin Kaplan (Köln). Der glückliche Kaplan hatte schon den Wochengewinn (16. - 22. November) des beliebten Ratespiels rund um den »Schlagerclub mit Frank« in Höhe von 100 Mark eingesteckt, meldet der Super RTL-Videotext vom 15. Dezember auf Seite 503. Wir wollten der Sache nach und bis auf den Grund des Kalifats von Köln gehen. Bedauerlicherweise war Herr Kaplan bis Redaktionsschluss telefonisch nicht zu errreichen. Wir bleiben dran, Herr Schily, obwohl das eigentlich nicht unser Job ist, und warten auf ein Wort der Anerkennung.



Wagners Vertretung

Wir wissen ehrlich gesagt nicht, ob Franz Josef Wagner noch Urlaub an der Copacabana macht, er kann jedenfalls dort bleiben, denn einer, der den Ekelpart übernimmt und in der Manier der wandelnden Belästigung etwas zusammenkrakelt, findet sich immer - etwa bei der Berliner Zeitung. »Wer hätte sich Christian Klars Gesicht so genau ansehen können, hätte er nicht in die Kamera geschwiegen?« fragt Arno Widmann in seiner Besprechung von »Zur Person. Günter Gaus im Gespräch mit Christian Klar«, und fährt fort: »Wenn die Kamera seine rechte Wange in der Großaufnahme zeigt, sieht man die drei großen Falten, die sie durchfurchen, und man sieht, wie sich dort bei dem 1952 in Freiburg geborenen Mann schon jenes feine Craquelé bildet, das man als Kind bei der geliebten Großmutter so bewunderte.«

Aus bekannten Gründen musste niemand aus der Generation von Arno Widmanns Großmutter für seine Taten oder Unterlassungen mit Isolationshaft büßen. »Da hockt es, das Ich, und wartet auf Zeiten, in denen es heraus kann aus seinem Panzer, in dem es sich nicht mehr fürchten muss vor der Welt.« Arno Widmanns Großmutter hatte solche Probleme nicht, die Welt war für sie nicht zum Fürchten, es war immer ihre Welt und die ihres Enkels, Arno Widmann; und wenn man in Günther Gaus' Sendung nicht gesehen hätte, was mit dem gemacht wird, dem diese Welt nicht als die allerbeste erscheint, man wäre versucht, sich weit weg von Widmanns World zu sehnen.



Springer-Verlag in der Krise

Der Axel-Springer-Verlag wird in diesem Jahr zum ersten Mal in seiner 50jährigen Geschichte Verluste erwirtschaften. Das hat der Verlag bekannt gegeben. Wie hoch die Verluste sein werden, darüber hüllte man sich in Schweigen. Als Grund wurden Restrukturierungsmaßnahmen angegeben. Sie sollen den Verlag aber auch wieder in die Gewinnzone bringen, Springer hat einen rigorosen Sparkurs angekündigt. Nicht nur die Welt und die Berliner Morgenpost sollen verschmolzen werden, insgesamt werden bis zum Ende des kommenden Jahres 1 400 Stellen gestrichen. (Hoffentlich bewerben sich die Entlassenen nicht alle hier).



Jungle World, Bergmannstraße 68, 10961 Berlin, Germany
Fax ++ 49-30-61 8 20 55
E-Mail: redaktion@jungle-world.com