Crisis? What Crisis?
Vom Senkrechtstarter zum Rohrkrepierer, das war die Story des größten US-Energieunternehmens Enron. Die Gewinne wuchsen von 6,7 Milliarden US-Dollar 1986 auf 101 Milliarden im vergangenen Jahr, am 2. Dezember dieses Jahres folgte die Pleite. Am Samstag hat nunmehr das US-Finanzinstitut Amalgamated Bank, ein Enron-Aktionär, vor einem US-Bundesgericht beantragt, Vermögenswerte von Enron-Managern in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar sicherzustellen. Begründet wurde der Antrag mit der Gefahr, dass die Manager mit dem Geld ins Ausland fliehen. Zuvor hatte die Amalgamated Bank 29 Spitzenmanager von Enron wegen des Verdachts auf Insiderhandel verklagt; sie hätten den Aktienkurs des Unternehmens durch Verschleierung der wahren Finanzsituation in die Höhe getrieben und am Verkauf von Enron-Titeln 1,1 Milliarden Dollar verdient.
In den USA kommen nun die Citibank und die Bank of New York mit jeweils mehr als zwei Milliarden Dollar ungesicherter Forderungen an Enron ins Schwitzen. Auch in Europa macht man sich Sorgen. Vorläufig werden die Investitionen europäischer Banken- und Versicherungsgesellschaften sowie sonstiger Konzerne auf 2,2 Milliarden Euro geschätzt.
GIs auf den Philippinen
Eine Ausrüstungs- und Ausbildungshilfe für den Kampf gegen bewaffnete islamistische Gruppen haben die USA der philippinischen Regierung bereits zugesagt. Am Freitag landeten auf der südphilippinischen Militärbasis Zamboanga mindestens 16 US-Soldaten nahe dem Gebiet, in dem die Armee gegen Guerilleros der islamistischen Abu Sayyaf-Gruppe kämpft. Es handele sich nicht um einen Kampfeinsatz, erklärte Karen Kelley, die Sprecherin der US-Botschaft, sondern um eine »routinemäßige militärische Austauschaktivität«. Tatsächlich konnte die Nachrichtenagentur AP bei den Soldaten keine Waffen entdecken.
Auch Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo wiederholte die offizielle Darstellung, dass die US-Truppen nicht an den Kämpfen teilnehmen, sondern die philippinische Armee trainieren und beraten sollen. Sie erklärte aber auch: »Wir sollten nicht überrascht sein, wenn wir eine Menge amerikanischer Soldaten in Zamboanga auftauchen sehen.« Die Abu Sayyaf-Gruppe, die Verbindungen zu al-Qaida haben soll, hält weiterhin ein US-amerikanisches Ehepaar und eine philippinische Krankenschwester als Geiseln fest.
Blutiger Wahlkampf in Sri Lanka
Eigentlich wollte Ranil Wickremesinghe Journalist in der Verlagsgruppe seiner Familie werden. Doch 1972 verstaatlichte die Präsidentin Sri Lankas, Sirima Bandaranaike, das Unternehmen, und Wickremesinghe ging in die Politik. Möglicherweise bedauert Bandaranaikes Tochter, die derzeitige Präsidentin Chandrika Kumaratunga, diese Enteignung nun. Nach dem Sieg der United National Party (UNP) bei den Wahlen am vergangenen Mittwoch sah sie sich gezwungen, ihren alten Feind Wickremesinghe mit der Regierungsbildung zu beauftragen. Seine UNP stellt mit ihren Koalitionspartnern 129 von 225 Abgeordneten. Sie setzt auf eine weitere Öffnung der Wirtschaft, ihr Wahlsieg führte an der Börse der Haupstadt Colombo am Freitag zu einem Kursanstieg um 20 Prozent. Vor allem die Unfähigkeit, den Krieg mit den tamilischen Separatisten der LTTE zu beenden, dürfte zur Niederlage von Kumaratungas People's Alliance (PA) geführt haben. Die UNP hat neue Friedensinitiativen angekündigt. Noch aber ist unklar, ob es wirklich zu einem dauerhaften Arrangement zwischen Wickremesinghe und Kumaratunga kommt. Die innenpolitischen Auseinandersetzungen werden immer härter geführt. Bei Gewalttätigkeiten während des Wahlkampfes starben 61 Menschen.
Ausweise auch für Frauen
Einige westliche Kommentatoren hatten nach dem 11. September gefragt, ob die engen Verbindungen zwischen al-Qaida und Saudi-Arabien womöglich etwas mit der streng fundamentalistischen Staatsideologie zu tun haben könnten. Gegen solche Unterstellungen hat sich Kronprinz Abdullah am Freitag noch einmal verwahrt. Eine gewisse Notwendigkeit, das Image des Landes aufzubessern, sieht man aber offenbar doch.
Erstmals können nun auch Frauen Personalausweise beantragen. Bislang wurden in Familienausweisen nur ihre Namen vermerkt. Am vergangenen Mittwoch gab ein Regierungssprecher bekannt, dass bereits 2 000 Frauen einen Ausweis erhalten hätten. Bei der Ausstellung der Ausweise, zu der die Frauen in Begleitung eines männlichen Verwandten erscheinen müssen, wird sorgsam darauf geachtet, dass fremde Männer ihr Gesicht nicht zu sehen bekommen. Da Frauen nicht ohne männliche Begleitung reisen dürfen, ist der Ausweis vor allem für Bankgeschäfte von Bedeutung. Mit den Familienausweisen werden nicht selten betrügerische Geschäfte im Namen nicht identifizierbarer Frauen abgewickelt. Von nun an können die Frauen ihre Ausweise selbst vorlegen. Natürlich nur in den Frauenabteilungen der Banken.
Annan schafft Frieden
Zumindest eine Friedensmission wird UN-Generalsekretär Kofi Annan im kommenden Jahr erfolgreich abschließen. Und sogar ohne den Einsatz von Soldaten mit blauen Helmen. Am vergangenen Donnerstag wurde in den USA eine Folge der »Sesamstraße« gedreht, in der Annan einen Streit zwischen Elmo, Telly, Zoe, Rosita, Grover und Lulu schlichtet. Sie können sich nicht einigen, wer das Alphabet-Lied singen darf. Auftritt des Generalsekretärs: »Gibt es ein Problem, bei dem ich helfen kann?« Zunächst ist Elmo misstrauisch: »Kommt drauf an.« Aber dann finden doch alle Monster Gefallen an Annans Konfliktlösungsstrategie. Sie singen das Lied gemeinsam. Die Episode gehört zu den neuen Folgen, die ab Februar 2002 in den USA gesendet werden.