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Nr. 50/2001 - 05. Dezember 2001
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Der ewige Dritte

Er war der Dritte im Bunde. Ein undankbarer Posten. Selbst die Rolle von Ringo war genauer definiert. Er war das vierte Rad am Wagen, der Clown, den man nicht so richtig ernst nehmen konnte, hinter John und Paul - aber George? Er war der Dritte. Der, ohne den zwar nichts funktioniert, der, den man aber nicht so recht einzuschätzen weiß. Nicht alle Beatles-Songs waren Lennon/McCartney-Kooperationen, »While My Guitar Gently Weeps« etwa war ein Harrison-Stück, genau wie das wunderbare »Something«. Aber selbst die schluchzende Gitarre spielte nicht Harrison, sondern Eric Clapton, der ihm später auch noch die Frau ausspannte.

Doch ohne Harrison hätte es die Beatles niemals gegeben. Paul McCartney wechselte zum Bass, damit George weiter Gitarre spielen konnte, als sich die Beatles formierten. Und ohne den spirituellen Beistand, den er sich bei seinem indischen Guru suchte, hätten sich die Hippies niemals so sehr auf Indien fixiert. Er war der Dritte. Nicht der lachende Dritte, auch nicht der weinende. Und als sich die zwei Frontmänner zerstritten, hatte er auch keinen Grund zur Freude: Seine Solokarriere war von keinen spektakulären Erfolgen gekrönt.

Am vergangenen Freitag starb George Harrison an Krebs. Er wurde 58 Jahre alt.



Aretha Franklin will Respekt

Nicht gestorben ist Aretha Franklin, und das ist der einzige Scherz, den wir uns auf ihre Kosten erlauben. Ansonsten unterstützen wir mit bedingungsloser Solidarität eine Klage, die sie gegen den amerikanischen Medienkonzern American Media Inc. eingereicht hat. Fünfzig Millionen Dollar möchte sie von dem Unternehmen haben, weil es in seiner Zeitung Star berichtet hatte, die Soul-Diva würde sich »ins Grab« trinken und durch ihren Alkoholkonsum den »Respekt« ihrer Hörer verlieren.

Eine schwere Beleidigung. Denn implizit wird Aretha Franklin damit die Berechtigung abgesprochen, noch glaubwürdig ihr Stück »Respect« singen zu können, das Stück, mit dem sie 1967 berühmt wurde und das lange Zeit den Status der inoffiziellen Hymne der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung hatte. Und das wiegt viel schwerer als der eigentliche Vorwurf, sie würde zu viel trinken. American Media Inc. ist by the way die Firma, die vor einigen Wochen in den Schlagzeilen war, als einer ihrer Mitarbeiter das erste Opfer der Anthrax-Attacken wurde.



Nichts Neues bei Wagners

Jede Zeitung hat ein paar alte Bekannte, die sie in solchen Spalten immer wieder auftauchen lässt. Über diese Figuren und über das ständige Austarieren von Nähe und Distanz, durch das kontinuierliche Betrachten ihres Treibens und durch eine deutlich erkennbare Absetzbewegung versucht man so etwas wie eine Position zu konstruieren. Die taz macht dies mit Reinhard Mohr, konkret hat Wolf Biermann, und wir haben die Familie Wagner.

Warum die Wagners? Erst einmal gibt es da den Deutschlandbezug. Für alle, die es noch nicht gemerkt haben sollten, diese Zeitung steht dem Land, in dem sie erscheint, mit großer Distanz gegenüber. Deshalb müssen wir uns leider immer wieder an Deutschlands letzter übrig gebliebener Königsfamilie und den Intrigen rund um ihren Stammsitz abarbeiten. Gleichzeitig demonstrieren wir mit der ständigen Wagner-Berichterstattung unser Verhältnis zur Hochkultur, sie ist für uns eine Soap Opera. Hochkultur wird auf diesen Seiten gerne profanisiert, ungefähr so gerne, wie wir Populärkultur in den Himmel der Ernsthaftigkeit heben. Aber trotzdem finden wir die Wagners gerade in ihrer Seifenoperhaftigkeit natürlich ernsthaft interessant, so interessant wie wir alles finden, was wir eigentlich nicht mögen.

Etwas Neues aus dem Hause Wagner gibt es diese Woche allerdings nicht zu vermelden.



Nicht die Bohne

Noch rascher als sonst legen wir am 29. November den Tagesspiegel beiseite, um den Prospekt der Berliner Pro-Märkte nach Weihnachtsgeschenken zu durchforsten. Wir bleiben bei der Jura N3 hängen, der Neuheit unter den Espressomaschinen aus dem Hause Nestlé. Kostet 639 Mark, wir bekommen aber stante pede 100 Mark in Form eines Geschenkschecks zurück. Davon können wir im »Nestlé-Club« »Kaffeekapseln« kaufen, denn die Jura N3 hat ein System: »Es wird eine optimale Dosierung und eine saubere Zubereitung gewährleistet, ebenso bedarf es keinerlei Kenntnisse zur Maschine oder Kaffeekultur.«

All die mühsam antrainierten Wein-, Ess-, Genuss- und sonstigen Kulturen mit einem Satz weggewischt, ein Paradigmenwechsel ohne Vertrauensfrage und Parteitagshype, die endgültige Befreiung des Konsumenten durch den Neoprollismus - ist gekauft!



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