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Nr. 49/2001 - 28. November 2001
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Kommunistische Machtübernahme

Auch nach den Siegen der Nordallianz wollen die im Afghanistan Defence Council (ADC) zusammengeschlossenen pakistanischen Islamisten ihre Kampagne für die Taliban fortsetzen. Die Beteiligung an den üblichen Freitagsdemonstrationen war jedoch gering, die Islamisten scheinen deshalb jetzt auf die nationalistische Karte zu setzen. In einem Kommentar für die pakistanische Tageszeitung The Nation vertrat der islamistische Ex-Geheimdienstchef Hamid Gul die etwas eigenwillige Einschätzung, dass »kommunistische Generäle, unterstützt von Russland und Indien« in Kabul die Macht übernommen hätten. »Wir waren nahe daran, eine Route zu den zentralasiatischen Staaten für unser ökonomisches Wachstum zu finden.« Nun aber drohten Sicherheitsprobleme und wirtschaftliche Verluste.

Tatsächlich hat Pakistan kaum noch Einfluss auf die afghanische Politik, und das Wirtschaftsministerium schätzt nach Angaben der pakistanischen Tageszeitung The News die durch den Krieg verursachten Verluste für die Zeit vom 11. September bis zum Jahresende auf zwei Milliarden Dollar.

Solanas diplomatisches Debakel

»Schmerzhafte Vergeltung« kündigte Abdel Aziz Rantissi, der Hamasführer in Gaza an, nachdem sein Militärchef Mahmoud Abu Hanoud am Freitag bei einem israelischen Raketenangriff getötet worden war. Nach Angaben der israelischen Tageszeitung Ha'aretz bemühen sich Vertreter der palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Racheaktionen der Hamas zu verhindern. US-Außenminister Colin Powell hatte am vergangenen Montag erklärt, man erwarte von der PA im Kampf gegen den Terror »wirkliche Resultate«. Der ehemalige General Anthony Zinni und William Burns vom Außenministerium sollen weitere Verhandlungen führen und im Gegensatz zu früheren US-Vermittlern die Einhaltung getroffener Abmachungen vor Ort überwachen.

Die US-Initiative ist eine weitere Schlappe für die Interventionsversuche der EU. Der Powells Rede vorangegangene Besuch einer EU-Delegation in Israel wurde zu einem diplomatischen Debakel. Javier Solana, außenpolitischer Repräsentant der EU, hatte verkündet, es sei »Dummheit«, Verhandlungen von der Einhaltung eines Waffenstillstandes abhängig zu machen. Schließlich, so der belgische Premierminister Guy Verhofstadt, seien die vergangenen zwölf Tage »relativ ruhig« gewesen. Die israelische Regierung allerdings zählte in diesen Tagen 268 Angriffe von palästinensischer Seite, Premierminister Ariel Sharon riet den Europäern kühl, sich lieber um ihre eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Immerhin, so Michael Freund in der Jerusalem Post, »denken die Europäer nicht mehr, wir wären zu ðklugÐ (...). Ein erster Punkt im uralten Kampf gegen den Antisemitismus.«

Terrorgeschichten

Noch für die zweite Hälfte des Fastenmonats Ramadan wird im ägyptischen Fernsehen die Erstaufführung der »Protokolle der Weisen von Zion« des Produzenten Muhammad Sabhi erwartet. Unter dem Titel »Reiter ohne Pferd« präsentiert Sabhi seine Version dieses »Generalplanes, welcher die politischen Begierden Israels und dessen Rassismus bis in unsere Tage« bestimmt. Der Plot selbst beginnt erst im Jahre 1948 nach der Gründung Israels. Von besonderem Interesse dürfte jene Episode sein, in der es um »den Angriff auf die Moral der Welt mit den Mitteln des Sex, der Prostitution und der Drogen« geht.

Ein Fernsehsender aus Abu Dhabi hat die traditionelle Fernsehhochsaison des Ramadan bereits mit der Comedy-Serie »Terrorgeschichten« eingeläutet. Die verschiedenen Folgen präsentieren den israelischen Premierminister Ariel Sharon als Kinderblut trinkendes Monster und als Besucher eines Kannibalenmahls.

Göttlicher Wille

Nach Ansicht des algerischen Staatspräsidenten Abdelaziz Bouteflika waren die Menschen »machtlos« gegen den »göttlichen Willen«, der ihnen das Unwetter vom 10. November schickte. Ende vergangener Woche veröffentlichte die Regierung eine vorläufige Bilanz: Mindestens 683 Menschen starben, 170 werden noch vermisst. Doch dass überwiegend in den armen Stadtvierteln so viele Häuser in Folge der sintflutartigen Regenfälle wegrutschten, war vor allem eine Folge der Vernachlässigung von Bauvorschriften.

Die Regierung musste auch eingestehen, dass sie nach der Unwetterwarnung einen Tag verstreichen ließ, bevor sie den Katastrophenschutzplan Orsec ausrief. Regierungschef Ali Benflis erklärte dazu: »Wenn wir ihn früher ausgerufen hätten, hätte es weniger Tote gegeben - na, was soll ich Ihnen dazu denn noch sagen?« Die Einwohner Algiers akzeptieren die fatalistischen Erklärungen nicht. Bouteflika wurde bei seinem Besuch in den Trümmergebieten kräftig ausgepfiffen.

Ungehorsame Argentinier

Es war einer der in letzter Zeit seltenen Tage, an denen die Kurse an der Börse von Buenos Aires nicht sanken. Doch es gab ein anderes Ärgernis für die Aktienhändler: Mehrere Dutzend Demonstranten stürmten am vergangenen Mittwoch die Börse, um gegen die Sparpläne der Regierung zu protestieren. Nach dem Eintreffen der Polizei zogen sie sich zurück, doch weitere Aktionen könnten folgen. Am Tag zuvor hatte Hugo Moyano, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Lkw-Fahrer, bei einer Demonstration in Buenos Aires angekündigt, wenn die Regierung ihre Politik nicht ändere, werde man »zivilen Ungehorsam befürworten und organisieren«.

Um die Unterstützung des IWF für einen Abbau der Auslandsverschuldung von 132 Milliarden Dollar zu gewinnen, muss die argentinische Regierung eine Null-Defizit-Politik durchsetzen. Unter anderem sollen Gehälter und Pensionen gekürzt werden.



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