Jungle World Banner
Nr. 46/2001 - 07. November 2001
Im Archiv suchen:
Inhalt
Interview
Disko
Inland
Antifa
Euro
Dossier
International
Feuilleton
Heim & Welt
Medien
Sport
Junk Word
Rubriken
Nachrichten
Inland
Nachrichten
Euro
Nachrichten
International
Nachrichten
Feuilleton
Deutsches
Haus
action
Alternative Lebensformen
Sonstiges
Archiv
Jungle Abos
Impressum
Jungle World in Österreich
Neu: Kleinanzeigen
Ausgewählte
Texte und Vorträge
E-Mail
Redaktion
Webmaster

John Lennon schwul und gewalttätig?

Auch die dunkelsten Geheimnisse kommen irgendwann ans Tageslicht. Nichts kann man dauerhaft verbergen, eines Tages kommt alles raus. Mit dieser Geschichte hätten wir nun allerdings nicht gerechnet: John Lennon soll für den Tod von Stuart Sutcliffe, dem sagenumwobenen »fünften Beatle«, verantwortlich gewesen sein, mit dem er außerdem eine Affäre gehabt habe!

Das behauptet zumindest Pauline Sutcliffe, die Schwester von Stuart, die gerade an einem Buch über ihren Bruder arbeitet. Lennon und Sutcliffe waren dicke Kumpels bevor die Beatles berühmt wurden. Sutcliffe spielte zwar kein Instrument, aber Lennon nahm ihn immer überall hin mit, nicht zuletzt, weil er seinen sense of style bewunderte. Indirekt war er auch für die berühmten Pilzkopffrisuren verantwortlich, denn die Fotografin Astrid Kirchner, die sie den Beatles verpasste, war Sutcliffes Freundin. 1961 starb er im Alter von 21 Jahren an einer Gehirnblutung.

Pauline Sutcliffe behauptet nun, diese habe er sich bei einer Kneipenschlägerei zugezogen, die von Lennon initiiert worden sei. Lennon und Sutcliffe hätten eine Beziehungskrise gehabt, und Lennon habe seinem Geliebten eine Lektion erteilen wollen. Yoko Ono, so wird berichtet, soll ob dieser Geschichte außer sich gewesen sein.



Haffner-Kritiker im Unrecht

Eine ganz andere alte Geschichte hat sich nun durch die Amtshilfe des Bundeskriminalamts aufgeklärt. Im Sommer hatten der Dresdner Kunsthistoriker Jürgen Paul und der Adenauer-Biograf Henning Köhler behauptet, Sebastian Haffner habe zumindest Teile seines Buches »Geschichte eines Deutschen 1919-1933«, dessen Niederschrift bisher immer auf 1939 datiert wurde, nachträglich verändert, um vor der Nachwelt als Analytiker und Prognostiker besser dazustehen.

Schon philologisch waren die Vorwürfe äußerst dürftig. Köhler behauptete, Haffner habe Wörter benutzt, die 1939 nicht üblich gewesen seien, außerdem »wusste er mit Sicherheit nicht viel von der politischen Konstellation des Winters 1918/19, der Umsturz von 1918 war längst vergessen«. Worum es in Köhlers Kritik in Wirklichkeit ging, konnte man dem Satz »Kritik an den Deutschen verkauft sich derzeit gut« entnehmen: Der »linke Außenseiter«, wie Köhler Haffner nannte, sollte diskreditiert werden.

Das Gutachten des kriminaltechnischen Instituts des BKA stellt nun fest: Das Manuskript entstand 1939. Das Papier des Manuskripts stammt vom Format und der Qualität her aus dem England des Jahres 1936. Die benutzten Schreibmaschinen - eine Remington Elite 3 und eine Iris Elite 3 - wurden von 1928 beziehungsweise 1929 an produziert.



Hamburg ohne Kultursenator

Ein schönes Gefühl für jeden Berliner: Ausnahmsweise gibt nicht das politische Personal der Hauptstadt Anlass zum Amüsement, sondern das der Freien und Hansestadt Hamburg. Die neue Regierung dort hat nämlich nach wie vor keinen Kultursenator und auch wenig Aussichten, einen zu bekommen. Dabei gab es so eine illustre Reihe von Kandidaten: Nike Wagner sollte es erst werden, als Überraschungscoup wollte Ole von Beust sie präsentieren - doch sie sagte ab. Dann war die PR-Frau Alexandra Freifrau von Rehlingen im Gespräch. Eigentlich wollte Ole von Beust sie nur um Rat fragen, wen er noch fragen könne. Doch sie hatte so viele Namen im Angebot, dass von Beust sie gleich selbst fragte. Sie wollte aber auch nicht. Und die von ihr vorgeschlagenen Personen - Justus Frantz und Vicky Leandros - wollten auch nicht oder wurden nicht gewollt. Und zu guter letzt wollte auch Wilhelm Hornbostel nicht, der Direktor des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe. So ist die Kultur bis auf weiteres der Schulbehörde zugeordnet.



Die Debatte geht weiter

Bevor es in Vergessenheit gerät: Die Debatte über die Anschläge vom 11. September und ihre Folgen geht selbstverständlich nicht nur auf den Disko-Seiten dieser Zeitung weiter, auch die anderen da draußen machen sich ihre Gedanken. Etwa Salman Rushdie. In einem Artikel für den britischen Guardian schrieb Rushdie, dass es keinen Zweck habe, immer beschönigend darauf hinzuweisen, dass der Koran die Liebe zu Gott und den Mitmenschen in den Mittelpunkt stelle. Fanatische, »paranoide« Richtungen im Islam seien die am schnellsten wachsende Strömung innerhalb der Religion, und ihnen gehe es nicht um eine theologisch korrekte Auslegung des Korans. »Für eine beträchtliche Zahl 'gläubiger' muslimischer Männer steht der Islam in einer zusammengewürfelten, kaum durchdachten Weise nicht allein für Gottesfurcht, sondern für eine Kombination von Sitten, Meinungen und Vorurteilen«. Diese Islamisten machten die »Ungläubigen« für alle Probleme muslimischer Gesellschaften verantwortlich. »Es wäre absurd zu leugnen, dass dieser paranoide Islam eine Ideologie ist, die sich breit gestreuter Anziehungskraft erfreut.«



Mehr Geld für Dichter und Denker

Nicht alles wird immer schlechter. Zwar werden demnächst die Zigarettenpreise steigen, und wenn man im Taxi sagt, man möchte für fünf Mark da und da hin, muss man am Ende eine Mark mehr bezahlen, weil das Fünf-Mark-Taxi nun sechs Mark kostet. Aber die deutschen Dichter und Denker bekommen vom kommenden Jahr an mehr Geld. Wie kommt's? Im Zuge der Euro-Umstellung wird das Preisgeld der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt erhöht! Statt bislang 60 000 Mark werde das Preisgeld künftig 40 000 Euro betragen, was rund 78 200 Mark sind, teilte die Akademie am Donnerstag vergangener Woche mit.



Jungle World, Bergmannstraße 68, 10961 Berlin, Germany
Tel. ++ 49-30-61 28 27 31
Fax ++ 49-30-61 8 20 55
E-Mail: redaktion@jungle-world.com