Vielweiberei schuld am Desaster?
Eine ganz neue Interpretation der Motive der radikalen Islamisten fand sich am vergangenen Samstag in der taz. Auf die Frage »Warum hassen Islamisten die westliche Kultur?« antwortete der israelische Schriftsteller Joshua Sobol: »Ein wesentlicher Grund liegt für mich darin, dass islamische Männer Polygamisten sind und deswegen die Gleichheit der Geschlechter nicht zulassen dürfen. Dann blicken sie in die westliche Zivilisation, in der man monogam lebt, nicht mehr heiratet und die Geschlechter gleichberechtigt die Freiheit des Geschlechtsverkehrs suchen. Davor müssen Polygamisten Angst haben.«
Nun sind wir ja für jeden Quatsch zu haben, solange er den Emanzipationsbestrebungen der Menschen dient, aber was zu weit geht, geht zu weit. Erstens leben die meisten Menschen in der westlichen Welt nicht wirklich monogam, zweitens heiraten nach wie vor die meisten, und zwar oft mehrmals hintereinander, und drittens muss man sich nur die Aufzeichnungen Mohammed Attas anschauen, um zu erkennen, dass zumindest die Attentäter alles andere als polygam waren. Sie wollten eigentlich mit Frauen gar nichts zu tun haben, sie sollten ja nicht einmal in die Nähe des Grabes kommen. Oder meint Sobol, das Versprechen, im Paradies von 72 Jungfrauen umsorgt zu werden, könne nur einer polygam geprägten Welt entstammen?
Alles kulturalistischer Blödsinn. Dutzende von Frauen zur freien Verfügung zu haben, ist eines der gängigsten pornografischen Themen und vor allem überall dort verbreitet, wo es Pornografie gibt, wo also kein Bilderverbot herrscht. Und überhaupt: Atta und seine Kumpanen sitzen eh gerade in der Hölle, und wenn sie gerade nicht gefoltert werden, wundern sie sich, was sie falsch gemacht haben könnten, ihnen sei doch etwas anderes versprochen worden.
Casting in der Krise
Wieder einmal sind die Terroranschläge vom 11. September schuld. In Hollywood sinkt die Beschäftigung. 158 000 Menschen arbeiteten vor zwei Jahren noch in der Film- und Fernsehindustrie, nun sind es nur noch 143 500. Und wer muss die Zeche bezahlen? Der kleine Mann und die kleine Frau. Wie die Los Angeles Times berichtet, leiden vor allem die Castingagenturen für Statistenjobs. Die kleinen Rollen würden immer zuerst weggekürzt.
Da kann man nur hoffen, dass es noch eine Weile dauert, bis das neue Projekt von Martin Scorsese aus der Planung in die Phase der Realisierung übergeht. Er möchte nämlich das Leben Alexanders des Großen verfilmen. Ohne Statisten könnte das ziemlich erbärmlich aussehen. Möglich wäre natürlich auch, dass Scorsese an den Originalschauplätzen dreht, an potenziellen Statisten für großangelegte kriegerische Auseinandersetzungen dürfte zwischen der Ägäis und Afghanistan kein Mangel herrschen. Die Frage ist wahrscheinlich eher, ob die lokalen Statisten die Waffen nach Drehschluss wieder abgeben.
Bundeskulturstiftung kommt bald
Sie hätte so groß und schön werden können, die Bundeskulturstiftung. 500 Millionen Mark sollte das Stiftungsvermögen einmal umfassen. Aber seit dem 11. September hat sich ja einiges geändert, so auch - halt, stimmt gar nicht. Es gibt so oder so weniger Geld. Von 25 Millionen Mark ist jetzt noch die Rede.
In der vergangenen Woche saßen die Kultusminister der deutschen Bundesländer zusammen und beratschlagten wieder einmal, was denn jetzt eigentlich bei dieser lästigen Stiftung der Stand der Dinge ist. Kultur ist nun einmal Ländersache, und was Aufgabe des Bundes sein könnte, ist recht umstritten. Auswärtige Kulturarbeit? Dafür gibt es schon einige Institutionen. Bildende Kunst, die für ganz Deutschland repräsentativ sein kann? Was soll das sein, wie soll sie aussehen, wo soll sie aufgestellt werden?
Die Vorsitzende des Kulturausschusses des Bundestages, Monika Griefahn (SPD), ist aber optimistisch, dass die Stiftung doch noch irgendwann gegründet wird: Sie sagte am vergangenen Wochenende, sie halte die Probleme für »lösbar«.
Fliegen immer gefährlicher
Nicht nur die wegen der verschärften Sicherheitskontrollen abschreckend langen Wartezeiten an den Flughäfen machen den Fluggesellschaften zu schaffen, auch die Meldungen über das »Touristenklassensyndrom«. So seien vier Japaner zwischen 1993 und 2000 an Beschwerden nach Langstreckenflügen gestorben, hieß es in der am Sonntag vorgestellten Untersuchung des regierungsnahen Aeromedizinischen Forschungszentrums. Das Touristenklassesyndrom umfasst verschiedene Beschwerden, unter anderem wird das beengte Sitzen in Flugzeugen auch für Thrombosen verantwortlich gemacht.
Nadja ist kein Engel
Es ist schon recht merkwürdig, wie schwierig es zu sein scheint, als Frau mit nicht-weißer Hautfarbe in Deutschland ein Teeniestar zu bleiben. Die Geschichte von Nadja, einer der fünf Sängerinnen der momentan erfolgreichsten deutschen Girlgroup, die auch noch No Angels heißt, erinnert doch allzu sehr an die Geschichte der TicTacToe-Sängerin Lee. Damals wie heute: Gestalten aus der Vergangenenheit werden herausgekramt, die bezeugen, dass die Betreffende kalt und berechnend ist, was man ganz besonders daran sehen könne, dass sie früher auf den Strich gegangen sei und für den Erfolg diejenigen habe hängen lassen, die ihr damals geholfen hätten. Dabei ist das einzig Interessante an den No Angels doch, wie sie von ihrem aktuellen Management auf den Strich geschickt werden: Nach Angaben des Focus bekommen sie pro Monat 5 000 Mark und am Ende des Jahres noch eine Gewinnausschüttung von einer halben Million. Ihre Produktionsfirma macht in diesem Jahr voraussichtlich 30 Millionen Mark Gewinn.
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