Staying Alive
Zu Zeiten des kalten Krieges sollten sie hinter den feindlichen Linien klandestine Kampftruppen aufbauen, falls die Sowjetunion in Westeuropa einmarschiert. Doch die antikommunistischen Undercovereinheiten entwickelten sich zu geheimen Organisationen für die Aufstandsbekämpfung gegen die linke außerparlamentarische Opposition in allen Mitgliedsländern der Nato. Besonders berüchtigt ist Gladio, die italienische Version des Stay-Behind-Netzes. Das Aktionsbündnis aus Faschisten, CIA-Agenten, den parapolizeilichen Carabinieri und Geheimdiensten, das in den letzten Jahrzehnten für mehr als 100 Tote in Italien verantwortlich gemacht wurde, scheint unter der rechten Regierung von Silvio Berlusconi wieder Aufwind zu bekommen.
Mitte Oktober forderte der ehemalige italienische Staatspräsident und Senator auf Lebenszeit, Francesco Cossiga, in einer Grußbotschaft an die 6. Tagung der italienischen Stay-Behind-Söldner in Pordenone vom Außenministerium »die Rehabilitation« von Gladio »in den Augen der Öffentlichkeit«, wie die kommunistische Tageszeitung Liberazione berichtete.
In der aktuellen Situation wittert man offenbar eine neue Mission. Angesichts des aktuellen Bedrohungsszenarios durch den internationalen Terrorismus schlägt der als rechter Hardliner bekannte Cossiga, Liberazione zufolge, außerdem die »Schaffung einer Vereinigung der Kommandanten und Einsatzkräfte des Stay-Behind-Netzes aus den Ländern des atlantischen Bündnisses« vor.
Plumpe Attacke
Die Situation der MigrantInnen in Italien wird nach Angaben der Pressesprecherin des Flüchtlingsrats in Rom, Daniela Florida, zunehmend prekärer. Allerdings nicht wegen vermehrter Übergriffe seit dem 11. September, wie man vielleicht vermuten könnte. In den vergangenen Wochen kam es zwar zu vereinzelten rassistisch motivierten Attacken gegen Muslime, die eigentliche Gefahr liegt nach Meinung von Florida aber in der Politik der Berlusconi-Regierung. So hat das Kabinett in Rom am 12. Oktober einen Gesetzesentwurf zur Neuregelung des Ausländerrechts verabschiedet. Der Entwurf sieht unter anderem vor, die Familienzusammenführung stark einzuschränken, und die Möglichkeit, mit Hilfe eines Bürgen einzureisen, soll ganz gestrichen werden. Zudem ist geplant, die Aufenthaltszeit an einen Arbeitsvertrag zu koppeln. Selbst diese Verschärfungen gehen vielen Mitgliedern der Lega Nord noch nicht weit genug. »Niemand zwingt uns, Moslems aufzunehmen«, erklärte der Europa-Abgeordnete Francesco Speroni vor zwei Wochen in einem Interview mit dem Mailänder TV-Sender »Telelombardia«. Eine Plumpheit, die sogar einige seiner Parteifreunde in Verlegenheit brachte.
Der Weg nach unten
Das große Geschäft ist längst vorbei. Nach Nokia, dem weltweit führenden Handyhersteller aus Finnland, musste vergangene Woche auch das schwedische Unternehmen Ericsson seine Erwartungen reduzieren. Die Umsätze fielen im dritten Quartal dieses Jahres deutlich geringer aus als geplant. Noch vor kurzem hatte der Vorstand ein schwaches Plus vorausgesagt. Schließlich hat er im vergangenen Jahr ein Sparprogramm beschlossen und zehn Prozent des Personals entlassen. Allein, es reicht alles nicht. Jetzt sagt Ericsson für die Branche Verluste von zehn Prozent weltweit voraus, außerdem werde es zu weiteren Entlassungen kommen.
Der einzige Trost für die Schweden dürfte vermutlich darin liegen, dass es der Konkurrenz auch nicht besser geht. So will der US-Konzern Motorola nach eigenen Angaben 7 000 Arbeitsplätze aufgeben, um seine Verluste zu reduzieren. Damit würde die Zahl der gestrichenen Stellen bei Motorola allein in diesem Jahr auf 39 000 steigen. Und auch Siemens, die Nummer Drei der Branche, will im Bereich Mobilfunk 2 000 Arbeitsplätzen abbauen.
Kommunistische Emanzipation
Nach 81 Jahren hat es auch die Kommunistische Partei Frankreich eingesehen: Frauen an der Spitze der Partei bedeuten nicht den Untergang. Erst am letzten Samstag wählte die Delegiertenversammlung auf ihrem 31. Parteikongress die feministische Kommunistin Marie-Georges Buffet zur neuen Nationalsekretärin. Ein Amt, das seit der Gründung der Partei ausschließlich Männer besetzten. Die 52jährige gilt als Pragmatikerin und will gemeinsam mit ihrem Vorgänger Robert Hue, der für die Partei als Präsidentschaftskandidat antreten wird, die KPF vor weiteren Wahldebakeln bewahren.
Doch die Prognosen für die Doppelspitze stehen schlecht. Nur noch sechs Prozent der Stimmen werden der Partei in den jüngsten Umfragen eingeräumt. Jetzt sollen einige strukturelle Veränderungen noch schnell ein paar zusätzliche Wähler bringen. Vorgesehen sind unter anderem eine Öffnung der Partei für Nichtmitglieder, eine Frauenquote und eine Verschlankung der Leitungsgremien.
Easy Smoking
Für die Briten wird das Leben demnächst wohl etwas unbeschwerter - zumindest für die Cannabiskonsumenten unter ihnen. Der Besitz von Marihuana soll statt mit fünf nur noch mit zwei Jahren Höchststrafe geahndet werden. Experten gehen sogar davon aus, dass es in den meisten Fällen bei einer mündlichen Verwarnung bleibt. Für diese Neuregelung machte sich am vergangenen Mittwoch Innenminister David Blunkett in einem Ausschuss des Unterhauses stark. Seine erklärten Feinde sind vielmehr Heroin und Kokain, die er mit dieser Gesetzesänderung stärker von leichten Drogen trennen möchte. Allerdings müssen sich die britischen Kiffer noch ein wenig gedulden. Die endgültige Entscheidung des Parlaments steht erst im Frühjahr an.
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