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Nr. 44/2001 - 24. Oktober 2001
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Anthrax und Co.

Ein Todesfall, einige Dutzend Menschen infiziert. Das war bis zum Wochenende das Ergebnis der mit Anthrax kontaminierten Postsendungen in den USA. Bemerkenswert waren die Empfänger der verseuchten Briefe: Massenmedien von dem Boulevardblatt Sun über die respektable New York Times bis zur New York Post, aber auch Microsoft, politische Institutionen und Repräsentanten wie der Vorsitzende der demokratischen Mehrheitsfraktion im US-Senat, Tom Daschle. Auch im US-Kongress tauchten Spuren auf. Die Ermittler fahnden, eine heiße Spur gab es bis zum Redaktionsschluss allerdings nicht. Für den russischen Militärexperten Pavel Felgenhauer ist zumindest eines klar: Nun sei die perfekte Anwendung von Anthrax und ähnlicher Stoffe gefunden worden. Sie seien die perfekten terroristischen Waffen, die einige töten können, unter Garantie aber alle in Schrecken versetzen. Insofern handelt es sich weniger um Killerkeime, wie der Spiegel meint, sondern eher um das wirksamste Panikpatent.



Ausgesprudelt

Lourdes ist nicht nur ein katholischer Wallfahrtsort mit einer wundertätigen Quelle in Südfrankreich. Lourdes heißt auch eine Quelle anderer Art nahe Havanna,Kuba, aus der massenweise intelligence sprudelte. Sie ist nämlich eine Radarstation und sorgt seit der vergangenen Woche für Spannungen zwischen der kubanischen und der russischen Regierung. Denn der russische Präsident Wladimir Putin hat angekündigt, die militärische Abhöranlage zu schließen, mit deren Antennenwald sich das US-amerikanische Telekommunikationssystem belauschen lässt. Der US-Kongress hatte zuvor Schuldenerleichterungen für Russland von der Schließung der Anlage abhängig gemacht, und auch wegen der neuen anti-terroristischen Interessengemeinschaft will Putin Lourdes im Januar 2002 dicht machen. Die kubanische Regierung erklärte in einem Kommuniqué, die Schließung sei »ein Zugeständnis an die USA« und gefährde die nationale Sicherheit. Mit dem Abzug werden dem kubanischen Staat jährlich 200 Millionen Dollar an Pachteinnahmen entgehen, die Russland zuletzt gezahlt hat.



Antiimperialisten? Djihadisten!

Ein echtes Schnäppchen will die venezolanische Zeitung El Universal gemacht haben. In einem »exklusiven Gespräch«, so schreibt die Zeitung in ihrer Sonntagsausgabe, habe Carlos alias Illich Ramírez Sanchez, der derzeit in der Pariser Santé im Knast sitzt, ihr Verschiedenes enthüllt. Er habe 1991 an einem Treffen von Antiimperialisten aus verschiedenen ideologischen Strömungen teilgenommen; die Absicht aller sei es gewesen, die »gleichen Ziele« in den USA wegen des Kriegs gegen den Irak mit Flugzeugen anzugreifen. Die Anschläge vom 11. September hätten »die Kommandozentren der imperialistischen Yankee-Aggression gegen die Völker der Welt getroffen: das Militär im Pentagon und die Finanzspekulation in New York«. Im Übrigen sei »der Kampf von Scheich Ussama (bin Laden) zur Befreiung der drei heiligen Städte Mekka, Medina und Jerusalem auch der meine«. Und - Überraschung, Überraschung: »Im Oktober 1975 bin ich zum Islam konvertiert, auf Drängen meiner Genossen, die mich bei sehr gefährlichen Operationen begleiteten.« Er sei aber weiter Kommunist und nicht Islamist. Jedenfalls aber sei »der Konflikt in Palästina das Epizentrum des revolutionären Krieges auf internationaler Ebene. Die djihadistische Bewegung befindet sich in vorderster Front des antiimperialistischen Kampfes.« Und damit keine Missverständnisse darüber aufkommen, wofür der islamische Kommunist kämpft: »Ich kämpfe gegen die Yankee-Imperialisten und ihr zionistisches Anhängsel. Die Vereinigten Staaten und Israel sind die hauptsächlichen Vektoren des Terrorismus in der Geschichte.« Da haben die Nazis aber Glück gehabt.



Königliche Krisengewinner

Besonders perfide an der weltweiten Krise nach dem 11. September ist es, dass nun auch wieder Gestalten an Bedeutung gewinnen, die vorher zu Recht abgemeldet waren. Der in Rom lebende ehemalige König von Afghanistan ist so ein Fall. Und nun ist seit dem vergangenen Wochenende auch noch der britische Thronfolger Prinz Charles als »Anti-Terror-Botschafter« im Gespräch. Wie die britische Nachrichtenagentur PA am Samstag berichtete, soll er seine engen Kontakte zur saudi-arabischen Königsfamilie nutzen, um die Anti-Terror-Koalition des Westens zu stärken. Ein Sprecher von Premierminister Tony Blair begrüßte den Vorschlag: »Es ist allgemein bekannt, dass der Prinz von Wales seit langem am Islam interessiert ist und in der moslemischen Welt großes Ansehen genießt. Wir würden selbstverständlich jede mögliche Anstrengung von seiner Seite unterstützen, um gute Beziehungen zur moslemischen Welt zu pflegen.« Weiß eigentlich jemand, was der der deutsche Adel so treibt?



Warnung

Die mexikanische Anwältin Digna Ochoa y Placido ist am vergangenen Freitag in ihrem Büro in Mexiko-Stadt erschossen aufgefunden worden. Nebem ihrem Körper fand sich eine handschriftliche Warnung an Mitglieder des Menschenrechtszentrums Miguel Augustin Pro Juarez: »Hurensöhne, wenn ihr weiter macht, wird mehr als einem das gleiche passieren!« Ochoa hatte inhaftierte Zapatistas verteidigt und sich für die Angehörigen von 17 Bauern eingesetzt, die 1995 bei dem Massaker von Aguas Blancas von staatlichen Kräften umgebracht worden waren.

Der Mord an Ochoa gilt den mexikanischen Behörden als »politisch motivierte« Tat. Menschenrechtsorganisationen sprechen von einem harten Schlag gegen die sich in Mexiko entwickelnde Demokratie.



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