Beste Wünsche nach München
Wenn man in Berlin sitzt, zwischen den in Traufhöhe um einen herumstehenden Bauten, die irgendwann in der Gründerzeit einmal in den märkischen Sand gestellt wurden, entwickelt man automatisch Sympathien für den Katholizismus. Allein: Man ist nur von Protestanten umgeben. Auch in unserer Redaktion ist das nicht anders. Natürlich tun alle so, als seien sie Atheisten - aber geschenkt: Es regiert ein protestantisches Arbeitsethos und ein protestantisches Verhältnis zur Exegese heiliger Schriften.
Lieber Gustav Seibt! Sie sind aus München. Sie sind ein ausgewiesener Kenner der Geschichte der katholischen Kirche. Erst waren Sie bei der FAZ, dann sind Sie zur Berliner Zeitung gegangen, als es Ihnen da nicht mehr gefiel, haben Sie bei der Zeit angeheuert. Dann haben Sie ein Buch über die Geschichte Roms geschrieben. Nun lesen wir Ihre wunderbaren Artikel in der Süddeutschen Zeitung. Sollten Sie eines Tages eine neue Wirkungsstätte suchen - unsere Redaktion steht Ihnen offen. Viel bezahlen können wir zwar nicht, ein besserer Ort, dem Alter entgegenzugehen, lässt sich aber kaum denken: Hier ist immer was los.
Sie werden sich vielleicht nicht erinnern, aber Sie waren schon einmal für unsere Sportredaktion tätig. Wir haben Sie einmal gefragt, wo Sie waren, als das Sparwasser-Tor fiel. Sie glaubten, einem britischen Radiosender Ihre Antwort zu diktieren. Das waren aber wir. Jungle World, nicht Channel Four. Wir mögen zwar linksradikal aussehen, sind aber liberale, protestantische Sympathisanten eines aufgeklärten Katholizismus. Das Falsche tun und dann drüber reden.
Glückwünsche nach England
Als wir zwischen den Stapeln der Frankfurter Buchmasse herumstiefelten und alle uns bekannten Bescheidwisser abklapperten, um Spekulationen darüber auszutauschen, wer wohl in diesem Jahr den Nobelpreis für Literatur zugesprochen bekommen würde, fielen alle möglichen Namen. Salman Rushdie. Juan Goytisolo. Bob Dylan. Irgendjemand aus Asien. John Updike. Arundhati Roy. Astrid Lindgren. C.M. Coetzee. Ein schwedischer Lyriker. Harry Mulisch. Irgendjemand aus Afrika.
Nun ist es V.S. Naipaul geworden. Keine Angst, kennen wir auch nicht. Auf der Buchmesse hieß es, das sei so eine Art Frank Steffel der indo-britischen Reiseliteratur, weil er vor kurzer Zeit davor gewarnt habe, Tony Blair wolle in England den Sozialismus einführen. Ansonsten soll er den Preis verdient haben und schon eine ganze Weile auf ihn warten. Die Bezeichnung »Roman« für seine Werke soll er ablehnen, wer etwas über Fundamentalismus, hybride Identitäten, die Dritte Welt und Reisen erfahren möchte, soll bei ihm gut aufgehoben sein. Wir gratulieren.
Glückwünsche nach New York
Noch einen Glückwunsch wollen wir an dieser Stelle in die Welt hinaussenden: Die Uno und ihr Generalsekretär Kofi Annan bekommen den diesjährigen Friedensnobelpreis. Einfach so, nur dafür, dass es sie gibt. Das freut uns aus vollem Herzen. Wenige Institutionen genießen in der Bergmannstraße so großes Vertrauen wie die Vereinten Nationen und ihr sympathischer Generalsekretär. Die Idee, dass sich in New York ganz viele Menschen aus ganz vielen Ländern in einem wunderschönen Gebäude Tag für Tag zusammensetzen, um den Weltfrieden ein Stück voranzubringen, hat unsere volle Unterstützung.
Dass das nie klappt, schmälert das Ansehen der Uno nicht. Im Gegenteil: Die Uno ist eben eine dieser Ideen, die der Fortschrittsglaube der Fünfziger hervorgebracht hat, etwa so wie der Individualhubschrauber, der im Unterschied zur Uno aber nie verwirklicht wurde. Nun steht sie da, und tut Gutes. Niemand, der einmal eine Führung durch ihre Hallen gemacht hat und bewundernd vor Wandteppichen stand, auf die in 17 Sprachen »Friede auf Erden« geknüpft war, wird jemals daran zweifeln. Da ist ein Nobelpreis wirklich das mindeste.
Zivilgesellschaft für den Mittleren Osten
Noch etwas hat unsere volle Unterstützung: Der Börsenverein des deutschen Buchhandels hat bekannt gegeben, er werde verstärkt Buchprojekte in den arabischen Ländern fördern. Junge Intellektuelle in der islamischen Welt seien sehr daran interessiert, Bücher aus dem Westen zu bekommen, doch die Verlage dort hätten meistens nicht genug Geld für Veröffentlichungen. Es soll vor allem um Bücher gehen, die sich mit der Stellung der Frau in der Gesellschaft und den Rechten von Minderheiten beschäftigen. Allerdings, so sagte ein Sprecher des Börsenvereins am Rande der Buchmesse, sei es nicht ausreichend, einfach nur die Rechte zu verschenken - viele Verlage hätten nicht einmal genug Geld für Papier.
CIA fragt Hollywood um Rat
In Hollywood tut sich was. Die Studios sind zwar noch nicht von ihrem Verdikt abgerückt, keine Actionfilme mehr drehen zu wollen, aber die einschlägigen Regisseure und Drehbuchschreiber hätten im Moment ohnehin keine Zeit. Sie konferieren nämlich mit der CIA. Wie das Branchenblatt Variety berichtet, hat es in der vergangenen Woche eine Diskussionsrunde an der University of Southern California gegeben, an der neben einigen CIA-Agenten Steven De Souza, der Drehbuchautor von »Die Hard«, Joseph Zito, der Regisseur von »Delta Force One« und Randal Kleiser, der Regisseur von »Grease« teilnahmen. Was Kleiser dort zu suchen hatte, kann sich jeder selbst aussuchen: Wahrscheinlich wurde er als Spezialist für den ästhetischen Terror der Achtziger eingeladen.
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