New German Beats
»Afghanische Hauptstadt Kabul erstmals am Tag attackiert« - »Stärkste Angriffe seit Beginn der Luftschläge« - »US-Bomber töten immer mehr Zivilisten« - »Berlin erwägt direkten Einsatz in Afghanistan. Bis jetzt noch keine Aufforderung Washingtons« - »USA setzen Streubomben ein« - »Wütende Proteste in der islamischen Welt« - »Der amerikanische Alptraum. Bomben ohne Sieg« - »Der Sieg wird dauern« - »Bombenpause gefordert« - »Bush gibt Taliban eine zweite Chance« - »Vom dürftigen Wissen über den Krieg in Afghanistan« - »Bin Laden setzt Kopfgeld auf US-Soldaten aus« - »Frieden gegen den Terror« - »Krieg der Welten« - »'Alles läuft nach Plan'« (Botschaften der deutschen Presse seit Anfang der vergangenen Woche)
Sicherheit durch Militär
Die Indizien für den versehentlichen Abschuss des russischen Passagierflugzeuges in der vorletzten Woche bei einem ukrainischen Militärmanöver verdichten sich. Der ukrainische Präsident Leonid Kutschma veröffentlichte am Samstag eine schriftliche Erklärung, der zufolge er den vorläufigen Untersuchungsbefund, eine ukrainische Rakete habe den Airliner vom Himmel geholt, akzeptiere. 78 überwiegend jüdische Emigranten starben, als ein Flugzeug auf dem Weg von Tel Aviv nach Novosibirsk explodierte und ins Meer fiel. Russische Ermittler gehen davon aus, dass zwei ukrainische Raketen auf eine unbemannte Drohne, die als Ziel diente, abgeschossen wurden; die erst traf demnach die Drohne, die zweite explodierte in unmittelbarer Nähe des Passagierflugzeugs.
Sharia in Nigeria
Mindestens 200 Menschen sind bei Kämpfen zwischen Christen und Moslems am vergangenen Freitag in der Stadt Kano im Norden Nigerias getötet worden. Bewohner der Stadt berichteten, dass zahlreiche Menschen vor den marodierenden Gruppen in Kasernen und öffentliche Gebäude flüchteten. Die Übergriffe hatten nach Protesten gegen die US-Angriffe auf Afghanistan begonnen.
Bereits im September sollen bei blutigen Unruhen zwischen Moslems und Christen in der Stadt Jos nach Angaben westlicher Diplomaten bis zu 5 000 Menschen getötet worden sein. Kirchen und Moscheen wurden in Brand gesteckt, zehntausende Menschen mussten fliehen. Die religiösen Konflikte eskalieren, seitdem im mehrheitlich moslemisch bevölkerten Norden des Landes das islamische Recht, die Sharia, eingeführt wurde.
Erst am Freitag hat ein islamisches Gericht im nördlichen Bundesstaat Sokoto eine schwangere 30jährige Nigerianerin wegen vorehelichem Sex zum Tode durch Steinigung verurteilt. Der mutmaßliche Geliebte der Frau wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen.
Mexmode für Gourmets
Würmer im Salat mochten die erbosten Mitarbeiter der mexikanischen Sweatshirt-Firma Mexmode dann doch nicht hinnehmen. Nachdem sie lange Zeit Niedriglöhne (4,5 bis fünf Dollar pro Stunde), korrupte Gewerkschaftsfunktionäre und Beschimpfungen ertragen hatten, riefen sie in der vergangenen Woche wegen des miserablen Essens zum Boykott der Cafeteria auf. Mexmode, einer der Hauptlieferanten von Nike und Reebok, fackelte nicht lange und entließ kurzerhand etliche der Aktivisten. So wurde die Aktion unerwartet zum Auslöser einer ganzen Reihe von Protesten, die sich vor allem aus der US-amerikanischen Anti-Sweatshop-Bewegung formierten. In gezielten Kampagnen drohten die AktivistInnen, das Image von Nike zu demontieren, und erzwangen so zumindest Zugeständnisse von Mexmode. Die Firma stellte die Kinderarbeit ein, die ArbeiterInnen erhielten das Recht, eigene Gewerkschaften zu gründen, und auch die Würmer sind inzwischen aus dem Salat verschwunden. Ein Teilsieg also, der - so hoffen zumindest die Aktivisten - noch zu weiteren Protesten führen könnte.
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