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Die Reaktion kam prompt und heftig. Das Dossier »Bless or Blame« (Jungle World, 40/01) über die Konsequenzen aus den Anschlägen in den USA hat eine vehemente Diskussion ausgelöst, die wir in dieser Beilage teilweise dokumentieren. Im Dossier »Bless or Blame« kritisierten die Autoren linke Positionen, die in den Anschlägen und deren Konsequenzen nur noch eine Konkurrenz der Barbaren erkennen konnten. Wer zur Diagnose komme, dass der Terror radikaler Islamisten und die kapitalistischen Verhältnisse nur zwei Seiten derselben Medaille seien, habe sich vom Projekt der Aufklärung und Emanzipation bereits verabschiedet, lautete der Vorwurf einiger Beiträge in »Bless or Blame«.
Im Eröffnungsbeitrag der Extra-Disko von Rainer Trampert wird nun jede Affirmation eines »Krieges gegen den Terror« strikt abgelehnt. Der Feldzug werde von den USA zum Anlass genommen, bereits in den neunziger Jahren entwickelte geostrategische Optionen zu realisieren; es gehe um die Kontrolle und den Zugriff auf die Ressourcen des Mittleren Ostens und Zentralasiens. Die Bereitschaft der Europäer und vor allem Deutschlands, die Vereinigten Staaten dabei zu unterstützen, sei eigennützig. Nach dem Einsatz auf dem Balkan benutze die EU die Gelegenheit für ihre eigenen weltweiten Interessen. Schon bald könnte sie den offenen Konflikt mit ihrem nordamerikanischen Verbündeten wagen.
Ein Teil der Linken habe in einem geistigen Amoklauf jegliche Kapitalismuskritik aufgegeben und sich der Nato angeschlossen, schreibt Robert Kurz in seinem Beitrag. Eine radikale Kritik dürfe sich jetzt nicht von der eigenen unreflektierten Angst zu einer Apologie des Krieges machen lassen. Jeder positive Bezug auf eine der Parteien in den Kriegen der neuen Weltordnung müsse verweigert werden. Stattdessen gelte es, in der an ihren eigenen Widersprüchen zugrunde gehenden Welt von Marktwirtschaft und Demokratie eine eigenständige wertkritische Position zu behaupten.
Um die Friedensbewegung geht
es im Beitrag von Deniz Yücel. In Deutschland unterscheide sich der Ruf nach Frieden nur unwesentlich vom Ruf nach Krieg. Der Dissens zwischen Pazifisten und Bellizisten bestehe vor allem in der Frage, wie die Interessen des deutschen Staates besser wahrzunehmen seien. Im offenen Bruch mit Washington - oder aber in einem Krieg an der Seite der USA, zugleich aber im Konlikt mit ihnen. Zudem laufe die deutsche Gegenaufklärung zu neuer Höchstform auf, insbesondere mit dem Slogan: »Zivilisation ist Völkermord«.
Die Diskussion wird fortgesetzt.
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