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Subtropen #6/10 - Oktober 2001
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Staatsterror

In den westlichen Medien wird der seit 1998 in Kolumbien amtierende Präsident Andrés Pastrana gerne als »Friedenspräsident« bezeichnet. Eine Mehrheit der Kolumbianer wählte Pastrana nicht zuletzt deswegen, weil er versprach, den Frieden mit der Guerilla zu suchen. Tatsächlich akzeptierte die Regierung Pastrana zunächst die faktische Lage und sprach der stärksten Gruppierung, der kommunistisch orientierten Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC), eine »neutrale« Zone im südlichen Landesinneren zu. Doch mit dem Druck aus den USA und den 1,3 Milliarden US-Dollar für den so genannten Plan Colombia im Rücken schwand auch der »Friedenswille« der kolumbianischen Oberschicht. Anscheinend glaubt man jetzt auch in Pastranas Umfeld wieder, das seit Jahren ausgeglichene Kräfteverhältnis zwischen der Guerilla und der Armee zum eigenen Nutzen verändern zu können.

So ist unter dem Vorwand der Drogenbekämpfung und mit dem militärischen Know-how der USA eine Militärkampagne gegen die linken Guerillas im Gange. Die Verhandlungen mit der zweiten großen Gruppierung des Landes, dem Ejército de Liberación Nacional (ELN), hat Pastrana im Sommer ganz ausgesetzt. In jüngster Zeit gab es intensive Bemühungen, rechte Paramilitärs wie die Autodefensas de Colombia (AUC) oder die Autodefensas Campesinas de Córdoba y Urabá (ACCU) politisch aufzuwerten und als Gesprächspartner künftiger Verhandlungen zu etablieren. Die Wahrnehmung der Todesschwadronen als einer politisch eigenständig agierenden Kraft soll Regierung und Armee den Rücken freihalten und ihre Legitimation vergrößern. Insbesondere die US-amerikanische Seite legt Wert darauf, den im »War on Drugs« inbegriffenen schmutzigen Krieg gegen die linke Guerilla als einen moralisch einwandfreien Bestandteil eines Weltgesundheitsprogramms zu präsentieren. In diesem Teil der Inszenierung ist die kolumbianische Regierung eine neutrale und arg gebeutelte Mittlerin, die der »freie Westen« im Kampf gegen rechts- und linksextreme Gruppierungen unterstützen muss.

In der Vergangenheit sind jedoch Vorwürfe laut geworden, dass die Regierungstruppen an den schlimmsten Menschenrechtsverbrechen selbst beteiligt sind. Immer wieder gelangen Berichte an die Öffentlichkeit, nach denen das Militär in Zonen der Guerilla eindringt und diese kurzfristig zum Ausweichen zwingt. Im Schatten der offiziellen Militäreinheiten sickern dann die Paramilitärs nach. Ihr Terror richtet sich vor allem gegen die Zivilbevölkerung, um sie aus den Gebieten der Guerilla zu vertreiben und dieser damit ihren Rückhalt zu entziehen.

Die Offensive der Paramilitärs und der Armee geht mit Gräueltaten einher, wie sie Diego Gómez in seinem Text über die Vorfälle von Brisas de Madre darstellt. Das Massaker von Brisas geschah, als General Rito Alejo del Rio Rojas der Oberbefehlshaber der Streitkräfte Kolumbiens in der Region Urabá war. Den Paramilitärs gelang es damals, zwischen 1996 und 1997, bis weit in das Urwaldgebiet der Provinz Chocó vorzustoßen. Del Rio wird heute offiziell der Zusammenarbeit mit den Paramilitärs der AUC von Carlos Castaño bezichtigt. Nach seiner Inhaftierung wurde jedoch der leitende Generalstaatsanwalt Kolumbiens entlassen. Del Rio kam umgehend wieder frei.

baf / fan



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