Fanatiker und Friedensfreunde
Am Freitagabend war die Welt für Guy Verhofstadt noch in Ordnung. Dann kündigte der belgische Ministerpräsident und amtierende EU-Ratspräsident in Brüssel munter an, die EU wolle ihre Bemühungen um einen Frieden im Nahen Osten »deutlich verstärken«. EU-Politiker seien übereingekommen, eine ministerielle Delegation in nahöstliche Staaten zu senden, um die »Bedingungen für eine friedliche Lösung« des israelisch-palästinensischen Konflikts zu schaffen - unter anderem mit Syrien und dem Iran. Am Samstag jedoch sagte der israelische Außenminister Shimon Peres, es bestehe kein Bedarf an neuen Friedensinitiativen. Die EU-Ratspräsidentschaft erklärte nun, die EU-Mission im Nahen Osten werde sich nicht auf eine Friedenslösung konzentrieren.
Einen echt deutschen Beitrag leistete der Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft in der FAZ: »In und um Israel herum gibt es Fanatiker unter Arabern und Israelis, die den Schritt zum Terrorismus ganz oder halb getan haben. Sie auf den Boden des Rechts zu holen, wird das Signal eines politischen Klimawechsels sein«, schrieb Jürgen Möllemann drohend, der ansonsten »Friedensflüge« nach Bagdad begrüßt. Und wen meint er wohl mit Fanatikern »in Regierungsämtern«?
www.indymedia.org
»The Culprit Unmasked (english)
by Palestine Information Center 3:18am Sun Sep 23'01
Who could be behind an atrocity on such a scale .. could it be the same entity behind the bombing and destruction of USS Liberty in 1967 to widen the conflict...«
Als weiterführende Lektüre empfiehlt Jungle World den Bestseller »Die Protokolle der Weisen von Zion«.
Magisches Wissen
Der wichtigste Mann des US-Finanzmarktes ist machtlos. Der Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, versuchte nach dem Anschlag auf das World Trade Center, der Börse einen Hauch von Zuversicht einzuflößen.« Die Fundamente unserer freien Gesellschaft bleiben intakt«, erklärte er am vergangenen Donnerstag, für Panik gebe es keinen Grund. Doch gleich darauf musste er sich korrigieren. Niemand könne wissen, welche Auswirkungen die Terroranschläge auf die US-Wirtschaft und damit auf die Weltkonjunktur haben würden. Bis zum Ende der Woche verlor der Dow Jones-Index über 1 200 Punkte.
Andere wussten es offenbar besser. Börsenanalysten verzeichneten in den Tagen vor den Anschlägen einen drastischen Anstieg von Spekulationsgeschäften mit so genannten put options. Dabei wird auf den künftigen Kursverlauf von Aktien spekuliert - in diesem Fall auf drastische Einbrüche von Titeln aus der Luftfahrtindustrie und der Versicherungsbranche. Nun prüfen die New Yorker Börsenaufsicht und das FBI, ob die Geschäfte in einem Zusammenhang mit den Attentaten stehen.
Höchststrafe für Ausschweifung
Das Urteil sei »alarmierend«, kommentierte der ägyptische Menschenrechtsaktivist Gasser Abdl-Razik. Es basiere einzig auf der Vorstellung des Richters von dem, was er für sozial akzeptabel hält: »Das zerstört das gesamte Konzept der Herrschaft des Gesetzes.« Am Dienstag vergangener Woche hatte ein ägyptisches Gericht den minderjährigen Mahmud Abdel-Fatah wegen »Ausschweifung mit Männern« zur Höchststrafe von drei Jahren Gefängnis verurteilt.
Abdel-Fatah war im Mai zusammen mit 51 weiteren Männern und Jugendlichen auf einem Hausboot verhaftet worden, das als Treffpunkt von Homosexuellen galt (Jungle World, 31/01). Das ägyptische Gesetz erwähnt Homosexualität nicht ausdrücklich, eine Reihe von Paragrafen über »Beleidigung der Religion« und »Aufhetzung zu öffentlicher Zwietracht« erlauben dennoch eine Aburteilung. Konservative, Islamisten und Nationalisten sehen Homosexualität als Versuch, die Gesellschaft zu zerstören, nicht selten auch als Verschwörung westlicher und israelischer Kreise.
Auf Eis
»Kein anderes Land ist uns so wichtig wie Mexiko,« betonte George W. Bush beim Staatsbesuch des mexikanischen Präsidenten Vicente Fox in Washington vor nicht einmal einem Monat. Seit dem 11. September erscheinen diese Worte wie aus einem anderen Jahrhundert. Vorhaben wie die Reform der US-Migrationsgesetze oder die von Fox geforderte Legalisierung der mehreren Millionen ohne gültige Aufenthaltserlaubnis in den USA lebenden Mexikaner werden wohl vorerst auf Eis liegen.
Stattdessen wird jetzt die geforderte Unterstützung Mexikos für die geplanten Militärschläge der USA debattiert. Das mexikanische Militär sieht seine Rolle traditionell auf die Sicherung der Grenzen und das Vorgehen gegen »innere Feinde« beschränkt. Mexikanische Intellektuelle und Journalisten fordern bereits den Rücktritt von Außenminister Jorge Castaneda, der erklärte, Mexiko werde die USA unterstützen oder sie zum Feind haben. »Mexikos aktuelle nationale Interessen liegen nicht in Afghanistan.« So formulierte Augustin Gutierrez Canet in der Tageszeitung El Universal die Stimmung im Land.
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