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Nr. 40/2001 - 26. September 2001
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Von Kempten nach Dachau

Auch die hiesigen Freunde Ussama bin Ladens sind bereits tätig geworden. Am 16. September schändeten Unbekannte die KZ-Gedenkstätte in Dachau bei München. Sie beschmierten zwei rekonstruierte Häftlingsbaracken mit anti-amerkanischen und antisemitischen Parolen wie etwa: »Der Jud ist verantwortlich für die Massenterroranschläge in den USA.« Daneben standen Worte wie »Moslemkindermord« und »Judenausländermord«. Die Mitglieder des Präsidiums des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman und Charlotte Knobloch, wurden persönlich diffamiert.

Aber wer wundert sich noch über solche Anschläge in einer Zeit, in der ein ehemaliger Funktionär der rechtsextremen Partei Die Republikaner freigesprochen wird, nachdem er Michel Friedman als »Zigeunerjuden« bezeichnet hat? Vor dem Kemptener Landgericht, in dem das Skandalurteil kürzlich gefällt worden war, haben in der vergangenen Woche 50 Demonstranten protestiert.

Von Beirut nach Budapest

Schwere Zeiten für Andrea Klump. Die 44jährige sitzt seit 1999 in Haft, weil sie 1988 an einem Sprengstoffanschlag in Spanien beteiligt gewesen sein soll. Da der Vorwurf der RAF-Mitgliedschaft während des Prozesses fallen gelassen wurde, hoffte sie auf einen baldigen Freigang. Nun muss sie jedoch mit einem weiteren Verfahren rechnen. Wie die Bundesanwaltschaft am vergangenen Donnerstag mitteilte, deuten die Ergebnisse einer DNA-Analyse darauf hin, dass Klump am 23. Dezember 1991 in Budapest an einem Sprengstoffanschlag auf einen Bus mit jüdischen Auswanderern russischer Herkunft beteiligt war. Fünf der Juden, die nach Israel ausreisen wollten, wurden dabei verletzt. Zu dem Anschlag bekannte sich eine Gruppe mit dem Namen »Bewegung zur Befreiung Jerusalems«.

Andrea Klump hatte sich nach eigenen Angaben seit 1987 im Libanon bei palästinensischen »Befreiungsbewegungen« aufgehalten. Sollte sich der Verdacht gegen sie erhärten, wäre das ein bitterer Beweis für die antisemitische Tradition der radikalen Linken.

Bescheidene Entschädigung

Eigentlich sollte die IG Farbenindustrie AG bereits 1953 aufgelöst werden. Geklappt hat das bisher nicht, aber es bestehen Chancen für das Jahr 2003. Auf der Hauptversammlung der Aktionäre am 17. September in Frankfurt am Main verkündete der Liquidator der IG Farben AG in Abwicklung, Otto Bernhardt, dass man dem Ziel näher gekommen sei. Die Kritischen AktionärInnen verlangten die endgültige Auflösung des Konzerns noch in diesem Jahr und die Entschädigung seiner ehemaligen ZwangsarbeiterInnen mit dem Restvermögen. Statt der geforderten drei Millionen wurden dafür bisher nur 500 000 Mark bereitgestellt.

Bescheiden sein müssen auch die ehemaligen polnischen ZwangsarbeiterInnen, deren Entschädigung seit dem Juni dieses Jahres ausgezahlt wird. 200 Millionen Mark weniger stehen zur Verfügung als vereinbart. Den beteiligten Stiftungen und Banken sollen »Fehler« bei Devisengeschäften unterlaufen sein, etwa beim Umtausch der Gesamtsumme in polnische Zloty zu einem Zeitpunkt, als diese Währung einen Höchststand erreicht hatte. Nach Angaben des Handelsblatts haben Deutsche, Commerz- und Dresdner Bank an der Abwicklung jeweils über 1,3 Millionen Mark verdient.

Vorauseilender Friedensgehorsam

Innerhalb kurzer Zeit haben die Friedensaktivisten in Deutschland eine Reihe von Demonstrationen organisiert. Marschiert wurde in der vergangenen Woche u.a. in Berlin, Bonn, Oldenburg, Saarbrücken, Düsseldorf, Hamburg, Lüneburg, Tübingen, Potsdam, Erfurt, Köln und Magdeburg. Die Demonstrationen richteten sich vor allem »gegen Krieg«, »gegen Kriegshetze«, »gegen Militarismus«, »gegen Vergeltungsschläge« und plädierten »für eine gerechte Weltwirtschaftsordnung«. Für den »Tag X« waren bereits Kundgebungen geplant in Hamburg, München, Berlin und Kiel. Der Tag X meint dabei nicht den 11. September. Für manche Zeitgenossen fängt der Krieg immer erst dann an, wenn die USA mitmachen.



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